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Zukunftsauto
Fossiles für das Zukunftsauto: Irreführung und Planung am Beispiel Daimler-Chrysler . Von Dipl.chem. Peter Klemm
(16. Oktober 2003) Wo sieht das Multimilliarden-Kapital der Automobilindustrie seine Zukunft? Was plant dieser Industriezweig, der ein Fünftel der Wirtschaftskapazität des Landes stellt, gegen die Befürchtung, dass mit der Endlichkeit des Erdöls auch sein Ende eingeläutet wird?

Das brennstoffbetriebene Nullemissionsauto "Necar" von DaimlerChrysler
Die Erdölvorräte schrumpfen
Die Arbeitsgemeinschaft TES (Transport Energy Strategy), gebildet aus der deutschen/europäischen Automobil- und Ölindustrie, will das wirtschaftlich förderbare Öl völlig verbrennen lassen. Ihr Eigeninteresse zwingt sie dazu, schon heute auf einen neuen Energieträger zu setzen.
Die Homepage von DaimlerChrysler verrät: Die Nachfrage nach Energie wächst weltweit immer weiter, die Vorräte an fossilen Brennstoffen wie Rohöl schrumpfen jedoch gleichzeitig. Weltweit steigt die Nachfrage nach Mobilität, aber gleichzeitig werden immer weniger Rohölvorkommen erschlossen.
Die Prozesse, die zur Entstehung von Öl in der Erdgeschichte geführt haben, sind mittlerweile sehr gut verstanden.
Man weiß also, wo man suchen muss und wo es nichts zu finden gibt. Rohöl ist keine langfristige Option mehr.
Weg vom Öl - wohin?
Brennstoffzellen-Antriebe haben die besten Aussichten, die Antriebe der Zukunft zu werden, da sie mit regenerativ herstellbaren Treibstoffen wie Methanol - "methanolisiertem" Wasserstoff - oder Wasserstoff fahren.
Mit dem Brennstoffzellen-Auto wurde ein Elektroantrieb entwickelt, der seinen Strom im Auto aus der elektrisch geführten Verbrennung von Wasserstoff erzeugt.

Weg vom Öl ist das Ziel
Allerdings: Methanol findet man nirgends, es wächst nirgends. Methanol ist eine Chemikalie. Im Massenmaßstab wird es aus Methan durch eine Teiloxidation gewonnen. Methan heißt im Volksmund Erdgas. Erdgas ist der Rohstoff für und der Primärenergieträger von jenem Methanol. Wer Methanol sagt, sagt Erdgas. Die wissenschaftlich anmutende Werbung versteckt das Erdgas hinter "methanolisiertem" Wasserstoff, einem unhaltbaren Werbeausdruck.

Methanol ist eine Chemikalie
Auch Wasserstoff selbst findet man nicht auf oder in der Erde. Wasserstoff muss entweder
- mit Strom aus Wasser erzeugt werden. Strom braucht einen Primärenergieträger wie Kohle, Erdöl usw., dessen Energie zu zwei Dritteln als Abwärme vernichtet wird und dessen Verbrennung Kohlendioxid erzeugt.
Ein Drittel von diesem Drittel verschwindet wieder als unvermeidliche Abwärme bei der Elektrolyse. Ganze 2/9 der Primärenergie stehen danach in Wasserstoff gebunden zur Verfügung. Für eine Produktion im großen Maßstab, also für 51 Millionen Fahrzeuge allein in Deutschland, finden sich im Werbemilieu und auch sonst keine Angaben. Der Wasserstoff soll auch weniger seine Energie, als vielmehr seinen guten Namen hergeben. Das Wasserstoffauto ist im Straßenbild gerade so realistisch wie der Porsche für jedermann. - Das Brennstoffzellen-Auto tankt Erdgas, der Wasserstoff wird im Fahrzeug aus dem Erdgas gewonnen und sofort in den Zellen verbrannt. Neben dem Wasserstoff entsteht unvermeidlich auch das klimabedenkliche Kohlendioxid.
Wir finden also das fossile Erdgas als den gegenwärtig angestrebten Primärenergieträger für den massenhaften Betrieb des Brennstoffzellen-Autos. Seine Verbrennung erzeugt Kohlendioxid, Wasser und Energie.
Die "Aufklärung" der Bevölkerung vermeidet weitgehend sowohl die Nennung des Primärenergieträgers Erdgas wie vor allem die Nennung des Schadstoffs Kohlendioxid. Wasserstoff ist nur der Werbeträger, nicht der wirkliche Energieträger des Zukunftsautos und Kohlendioxid ist sein Begleiter.
Da sich Methanol und Wasserstoff aus nachwachsenden Rohstoffen wie Biomasse oder Holzabfällen mit Hilfe von Solarenergie, Wind- und Wasserkraft herstellen lassen, ermöglichen sie die Unabhängigkeit von Rohöl und anderen fossilen Rohstoffen.
In den Forschungslabors der Autoindustrie liegen keine Holzabfälle oder Biomassen in Haufen herum, die ihrer Verwandlung in Wasserstoff für ihr Vorzeigeauto harren. Das ist gerade so Augenwischerei wie jene Aussage, die "mit Hilfe von Solarenergie, Wind- und Wasserkraft" die Energie für 51 Millionen Fahrzeuge (640 Milliarden Kilometer/Jahr) allein in Deutschland gewinnen will.

Die regenerativ herstellbaren Treibstoffe fordern ein neues Verkehrskonzept. Sie sind knapp und dulden keine Verschwendung. Die Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen kann nur durch regenerative Energiequellen ermöglicht werden. Erdgas aber als die wahre stoffliche Quelle von Methanol und Wasserstoff ist ein fossiler Rohstoff! Offenkundig wird hier auf die Unkundigkeit des Publikums gesetzt.
Die Wasserstofftechnik, schreibt das Hamburger Abendblatt mit Blick auf die Hamburger "Wasserstoff-Expo", kann nicht die heutigen Klima- und Umweltprobleme lösen. Wohl wahr, dennoch liegt mehr Weisheit in diesem Satz: Die Wasserstofftechnik kann die Energieprobleme nicht lösen und gefährdet das Klima.


