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Gewerbe wird erleuchtet
Interview mit dem Experten für effiziente Beleuchtung Wolfgang Buttner aus München. Wolfgang Buttner (Leitspruch: "Es gibt keine Energielücke sondern nur eine Phantasielücke") hat unlängst den Energiepreis der Stadt München erhalten.
Er gibt einige seiner Erfolgsgeheimnisse für die Leser der Energiedepesche preis.

Der Lichtexperte Wolfgang Buttner
16. Oktober 2003
Frage: Beleuchtung im Gewerbe scheint doch aufs Ganze bezogen eher ein Randthema zu sein. Wie hoch ist der Anteil der Energie, der für Beleuchtung ausgegeben wird? Und welcher Anteil an den Kosten eines Gewerbebetriebs entfällt auf Beleuchtung?
Antwort W. Buttner: In Deutschland werden etwa 11% der elektrischen Endenergie für künstliche Beleuchtung verwendet. Von den Energiekosten eines Gewerbebetriebs kann allein die Beleuchtung mitunter mehr als 50% der gesamten Aufwendungen für den Bezug von Energieträgern ausmachen. Typisch sind etwa 10 - 20% Energiekostenanteil im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe.
Die Energiekosten sind wiederum nur ein Teil der gesamten Kosten eines Gewerbebetriebes und daher kann diese Frage nicht verallgemeinernd beantwortet werden, jedoch kann hier exemplarisch erwähnt werden, daß etwa im Bereich der Hotelerie typischerweise 4% Energiekosten vom Gesamtumsatz zu tragen sind. Diese 4% vom Umsatz sind oftmals weniger als die Kapitalrendite, also der Ertrag eines solchen Gewerbebetriebes. Jede Vermeidung von Energiekosten steigert somit ganz erheblich den Unternehmensgewinn.

Die Lichtenergie beträgt nur 3% der eingesetzten Primärenergie.
Frage: Im Gewerbe gibt es doch fast ausschließlich Leuchtstoffröhren, die wie eine Energiesparlampe funktionieren. Wo liegen denn da die Einsparmöglichkeiten?
Antwort W.Buttner: Die Einsparmöglichkeiten bei der Beleuchtung mit Leuchtstofflampen liegen in der Vermeidung von Lichtverlusten durch Komponenten mit schlechtem Wirkungsgrad. So sind alte Opalwanneneinbauleuchten mit Leuchtstofflampen in T12 (= 38 mm Rohrdurchmesser) vom Gesamtwirkungsgrad her bei einer Ausbeute von etwa 20 lm/W, was kaum besser ist als eine Beleuchtung mit (Halogen-)glühlampen.
Verbesserungen des Gesamtwirkungsgrades lassen sich erreichen durch Verwendung von Leuchtstofflampen in T8 oder T5 (=26 bzw. 16 mm Rohr), ggf. unter nachträglichem Einbau von sogenannten elektronischen Vorschaltgeräten. Der Ersatz eines konventionellen gegen ein elektronisches Vorschaltgerät bringt allein eine Einsparung von 25% bis 30%. Weitere Verbesserungen des Leuchtenbetriebswirkungsgrades lassen sich oftmals erzielen durch Nachrüstung der alten Leuchten mit Reflektoren, also mit optischen Systemen.
Unter Ausnutzung aller Möglichkeiten sind somit Verbesserungen des Wirkungsgrades um einen Faktor 4 durchaus realistisch. In der Praxis bedeutet dies oftmals, dass z.B. in 2-flammigen Leuchten nur noch eine Lampe bestückt bleibt und dennoch mindestens das alte Beleuchtungsniveau erhalten bleibt, ja manchmal sogar erheblich verbessert wird, vor allem, wenn etwa alte 2-Banden-LL durch moderne 3-Banden-LL ersetzt werden.
Frage: Woran erkennt man von außen, ob eine Lampe am elektronischen Hochfrequenzvorschaltgerät (= EVG) betrieben wird? Und wie kann man sich davon überzeugen?
Antwort W.Buttner: Beim Einschalten von Leuchtstofflampen an einer herkömmlichen 50 Hz Drossel (=VG) sieht und hört man meistens mehrere Startversuche bis die Lampe endlich brennt. Am Warmstart-EVG hingegen wird die Lampe nur etwa 0,5 s vorgewärmt um dann ohne weiteres "Flackern" sauber zu starten. Im Betrieb schließlich erkennt man beim Betrachten der Röhrenenden am Flimmern derselben den herkömmlichen konventionellen Betrieb.

Leuchtentuning von 150 auf 56 Watt bei gleichzeitig hellerer und besserer Beleuchtung. Vorher 6 Lampen ohne Reflektor, jetzt 3 Lampen und Reflektor.
Frage: Präsenzmelder hören sich gut an. Wir haben schon von Fällen gehört, wo die Präsenzmelder nach der Installation wieder entfernt wurden, weil sie nicht richtig funktionierten. Wie hoch sind die Kosten für die Systeme und die Installation? Und welche Systeme haben setzen Sie ein, haben sich bewährt in der Praxis?
Antwort W. Buttner: Ein guter Präsenzmelder unterscheidet sich qualitativ erheblich von billigen Bewegungsmeldern aus dem Baumarkt und kostet nie unter 75 Euro. Wir haben gute Erfahrungen gemacht mit den Präsenzmeldern von HTS und Steinel, jedoch ist der doppelt so teure HTS-Sensor für viele Anwendungsfälle einfach zu teuer und lohnt sich eigentlich nur bei Neuinstallationen in vernetzten Systemen.
Über www.licht.de bekommt man einen guten Einstieg und kann sich von dort zu den Themen bewegen, die jeweils interessieren.
Für alle hochwertigen Präsenzmelder gilt ganz allgemein, daß man eine genaue Wirtschaftlichkeitsberechnung durchführen muß, falls man diese Melder nachträglich installieren möchte. Oftmals läuft hier z.B. eine Sanierung der alten Leuchten und damit eine Reduktion der Anschlußleistungen genau konträr zum Investitionsinteresse für einen Präsenzmelder.
Frage: Welche Kriterien muß eine Beleuchtung genügen bezüglich Helligkeit und wie kann man das praktisch selbst messen? Gibt es unterschiedliche Anforderungen z.B. für Korridore, Arbeitsplätze, Besprechungsräume und wie hoch sind die Werte konkret? Kann man Lichtmessgeräte irgendwo ausleihen?
Antwort W. Buttner: Die in Deutschland erforderlichen Beleuchtungsstärken in Innenräumen und an Arbeitsplätzen werden in der DIN 5035 geregelt. So bewegen sich die konkreten Werte bei 50 bis 100 lx für Korridore und 300 bis 500 lx für Bildschirmarbeitsplätze. Höhere Beleuchtungsstärken als etwa 1.500 lx führen in der Regel zu Problemen in Form von Reflexblendung oder zu hohen Leuchtdichtekontrasten und verursachen obendrein erhebliche Stromkosten. Sie sind eigentlich nur für besondere Anforderungen notwendig.
Einfache Meßgeräte für die Erfassung von Beleuchtungsstärke [lx] kosten etwa 75 Euro und mehr. Ein Ausleihen ist mir bislang nicht bekannt.

Richtig ausgewählte Lampen können sich als reiner Jackpot entpuppen.
Frage: Nach welcher Zeit sollte man die Leuchtmittel auswechseln, weil sie dunkler werden? Gibt es Hersteller mit besonders langlebigen Lampen und um wieviel sind diese teuerer?
Antwort W. Buttner: Herkömmliche Standardleuchtstofflampen (also Lichtfarbe 20, 25, 30, 33 ..) haben eine wirtschaftliche Nutzlebenserwartung von etwa 7.000 Stunden. Modernste 3-Banden-Leuchtstofflampen dagegen brennen etwa 20.000 Stunden am EVG und weisen dabei keinen höheren Lichtstromverlust als 5% auf!
Alle namhaften Hersteller - i.e. General Electric, Osram mit Sylvania und Philips - führen diese LL der neuesten Generation, welche preislich etwa 50% über den Standardleuchtstofflampen liegen.

Hier liegt der Hund begraben!
Frage: Woran erkennt man beim Kauf eine 3-Banden-Leuchtstofflampe?
Antwort W. Buttner: Alle Leuchtstofflampen sind herstellerunabhängig einheitlich gekennzeichnet. Am Anfang der Kennzeichnung steht ein "L" (in Amerika und England ein "F") für Leuchtstofflampe.
Als zweites Zeichen folgt die Leistung z.B. 58 = 58 Watt. Danach folgt hinter einem Schrägstrich die Lichtfarbe, die spektrale Qualität. 3-Banden-Lampen haben als erste Ziffer hier eine 8, eine 9 kennzeichnet 5-Banden-Lampen. Beide sind zum Kauf zu empfehlen.
Am meisten verkauft werden weltweit noch die Standardlampen mit der Bezeichnung 25, 35 usw.
Frage: Welche Richtwerte für den Stromverbrauch für die Beleuchtung gibt es? Wie kann man den tatsächlichen Beleuchtungsstromverbrauch praktisch feststellen? Und welche Werte finden Sie in der Praxis vor?
Antwort W. Buttner: In Deutschland sind mir keine solchen Richtlinien bekannt, jedoch finden sich vorbildliche Werte in der Norm SIA 380/4 (E) des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins.
Noch heute sind Beleuchtungsanlagen für Schulungs- und Büroräume aus den 60er Jahren mit Anschlußleistungen von 30 W/m2 sehr häufig anzutreffen. Dieser viel zu hohe Anschlußwert kann durch eine Sanierung der Altanlage auf 8-10 W/m2 gedrückt werden.
Um den Stromverbrauch der Altanlage zu berechnen benötigt man die Anschlußleistungen und die jeweiligen Einschaltdauern pro Raum oder zumindest eine hinreichend genaue Schätzung.

Verbrauchstechnisch die drastischste Form der Modernisierung!
Frage: Für viele Firmen ist das Thema zu kompliziert, sie haben nicht die Zeit um die Einsparungen zu verwirklichen. Welche Möglichkeiten sehen Sie zur Lösung des Problems?
Antwort W. Buttner: Bei Stromkosten von mehr als 25 TEuro p.a. macht es sich sicherlich bezahlt einmal den Rat eines Beleuchtungsfachmanns einzuholen. Unter Umständen sind bei Investitionssummen von mehr als 50 TEuro auch Refinanzierungsmaßnahmen durch Licht-Contracting denkbar.
Frage: Kann man auch fest eingebaute Leuchten modernisieren?
Antwort W. Buttner: Bei Einbauleuchten lohnt sich die Modernisierung oft nicht, weil der bauliche Aufwand meistens zu hoch ist. Die Kosten liegen dann mitunter fünfmal höher als beim reinen "Leuchtentuning". Steht ohnehin eine Deckenerneuerung an, dann sollten bei dieser Gelegenheit unbedingt auch die Leuchten erneuert werden.
Frage: Haben Sie nicht Lust, für den Bund der Energieverbraucher eine Beleuchtungsschulung anzubieten? Eventuell auch per Internet?
Antwort W. Buttner: Grundsätzlich gerne.


