Schon mal an Autogas gedacht?
Alternative Kraftstoffe werden zurzeit heiß diskutiert. Neill Busse ist vor einem Jahr auf Autogas umgestiegen - hier sein Erfahrungsbericht.
(10. Juli 2007) - Meine Frau muss berufsbedingt jeden Tag 140 Kilometer pendeln. Daher haben wir uns im vergangenem Jahr entschieden, einen verbrauchsgünstigen Kleinwagen zu kaufen. Unsere Wahl fiel auf einen Honda Jazz, vorzugsweise als Diesel.

Der Autohändler musste jedoch passen: Den Jazz gibt es nicht als Diesel. "Aber haben Sie schon mal über Autogas nachgedacht?" Das war für uns bis dato nur eine theoretische Frage gewesen - aber selber kaufen und ausprobieren? Die entscheidenden Kennzahlen waren schließlich die Sprit- und Umbaukosten: Autogas kostet nur die Hälfte von Superbenzin, also zirka 65 Cent pro Liter. Der Umbau schlug mit 2.600 Euro zu Buche.
Nachdem wir alle möglichen Szenarien einige Male durchgerechnet hatten, (www.amortisationsrechner.de), entschieden wir uns schließlich fürs Ausprobieren. Da Autogas noch bis zum Jahr 2018 als vergleichsweise "sauberer" Kraftstoff steuerbegünstigt ist und wir mit einer Amortisation nach insgesamt zweieinhalb Jahren (nach ca. 80 000 Kilometer) rechnen, hoffen wir, ab 2009 recht günstig Auto fahren zu können.
Umrüstung
Der 38-Liter-Gastank liegt in der Reserveradmulde, der Benzintank bleibt erhalten. Statt des Extra-Rads haben wir jetzt ein Reifenkit dabei. Der dabei entstandene Verlust an Stauraum ist verschmerzbar.

Die meisten Veränderungen betrafen natürlich den Motorraum. Der Umrüster baute neue Leitungen, ein Steuergerät, einen Druckregler, einen Gasverteiler etc. ein und installierte einen kleinen Tank für ein zusätzliches Schmiermittel. Ein kleines Plastikkästchen auf dem Armaturenbrett zeigt den Spritstand an. Dort kann man außerdem von Gas- auf Benzinbetrieb umstellen. Äußerlich sichtbar ist der Umbau nur an dem zusätzlichen kleinen Gas-Tankstutzen, der seitlich in die Heckschürze eingebaut ist.
An den Tankvorgang gewöhnt man sich schnell: Die Zapfpistole wird fest auf den Tankstutzen geschraubt und der Tankvorgang durch einen Knopf an der Zapfsäule gestartet. Beim Lösen zischt immer ein bisschen Gas aus der Zapfpistole. Rings um den Tankstutzen bildet sich eine dünne Eisschicht, was anfangs etwas ungewohnt war.
Zurzeit gibt es in Deutschland rund 2700 Autogastankstellen, Tendenz steigend (www.gas-tankstellen.de). Wenn man längere Reisen ein wenig plant, kann man problemlos von Gastankstelle zu Gastankstelle kommen - wir tanken meist nach 400 Kilometern.
Verbrauch
Der Wagen ist bivalent umgerüstet, startet also auf Super und schaltet nach ein paar Minuten automatisch auf Gas um - daher muss man immer ein paar Liter Super im Tank lassen - der Super-Verbrauch ist aber verschwindend gering. Man kann jederzeit auf Super umschalten und ist daher nicht abhängig vom noch dünnen Gastankstellennetz.

Da Autogas eine geringere Dichte hat als Superbenzin, hatte uns der Händler einen Mehrverbrauch von rund 15 Prozent angekündigt. Unser tatsächlicher Verbrauch liegt bei durchschnittlich 7,3 Litern Autogas (werkseitig angegebener Benzinverbrauch: 5,5 Liter bei 78 PS). Den tatsächlichen Benzinverbrauch haben wir nicht ermittelt - dazu hätten wir ja längere Zeit mit teurem Super fahren müssen...
Laut Hersteller des Umrüstbausatzes soll die Leistung beim Betrieb mit Autogas ein paar Prozent hinter dem Betrieb mit Superbenzin zurückbleiben - wir haben davon aber noch nichts gemerkt.
Größere Probleme hatten wir bisher noch keine, wenn man von einer gelockerten Dichtung und anschließender Eisbildung am Tankstutzen sowie einem zeitweiligen Ruckeln im Standgas absieht - aber auch diese beiden Dinge waren schnell behoben. Da unser Jazz eines der Erstlingswerke des Umrüsters war, hatten wir uns darauf eingestellt, dass nicht alles gleich perfekt läuft. Außerdem kommt das Auto alle 20.000 Kilometer zur Inspektion.
Nach bislang 40.000 Kilometern sind wir sehr zufrieden. Ob der Motor den Umbau auch langfristig verträgt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Zumindest sind die laufenden Kosten durch das günstige Autogas vergleichsweise gering. Und das ökologische Gewissen ist angesichts der hohen Jahreskilometer immerhin etwas beruhigt: Natürlich produziert auch Autogas eine Menge Abgase und Ruß, aber eben deutlich weniger als Diesel oder Benzin.
Weitere Informationen auf wikipedia.org Autogas