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Bitte abschalten

Hoffentlich entscheiden keine Parteispenden darüber, ob der Atomausstieg klappt oder nicht. Denn die Kernkraft-Lobby will mit allen Mitteln das Abschalten ihrer Kraftwerke verhindern. Dabei ist Atomkraft längst ein Auslaufmodell: Das Kampagnen-Netzwerk Campact nennt die fünf wichtigsten Argumente gegen eine Laufzeitverlängerung.

(11. März 2010)

1. Der Atommüll strahlt weiter

Jedes Jahr fallen in deutschen Atomreaktoren etwa 450 Tonnen radioaktiver Müll an. Für eine sichere Entsorgung über Millionen Jahre kann niemand garantieren. Welche gravierenden Probleme schon nach drei Jahrzehnten auftauchen, zeigen die vor kurzem bekannt gewordenen katastrophalen Zustände im Endlager Asse bei Salzgitter: Wasser tritt in das Bergwerk ein und droht, die schwach- und mittelradioaktiven Rückstände ins Grundwasser und schließlich in die Umwelt zu schwemmen.

2. Das Risiko steigt

Die Atomkraftwerke, die in nächster Zeit abgeschaltet werden sollen, wurden in den 70er-Jahren gebaut, ihre Technik ist auf dem Stand der 60er-Jahre. Je älter ein Kraftwerk, desto häufiger werden Störfälle. Auch hat spätestens seit dem 11. September 2001 die Bedrohung durch Terroranschläge zugenommen. Gegen einen gezielten Flugzeugabsturz sind die Anlagen gar nicht oder nicht ausreichend geschützt.

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Außerdem verfügen immer mehr Länder über das Wissen und die Technik, zivile Kernbrennstoffe oder Rückstände aus den Reaktoren für die Herstellung von Atomwaffen zu verwenden. Die Gefahr, dass eine Atombombe gezündet wird, steigt, je mehr Länder in Krisenregionen über diese Waffe verfügen. Nur wenn wir die Nutzung der Risikotechnik Atomenergie beenden, können wir glaubwürdig weltweit für einen Verzicht auf ihre zivile und militärische Nutzung werben.

3. Hemmschuh für Erneuerbare

Die ineffiziente und zentralistische Energieerzeugung der Konzerne ist das größte Hindernis, das einer dezentralen und flexiblen Energieerzeugung mit erneuerbaren Energien entgegensteht. Nach einem Beschluss über eine Laufzeitverlängerung würden die Konzerne mit aller Macht versuchen, die Ausbaudynamik der erneuerbaren Energien zu stoppen, um Stromüberkapazitäten zu verhindern. Das wäre das Ende der Energiewende, noch bevor sie richtig begonnen hat.

4.Atomkraft macht Strom nicht billiger

Mit abgeschriebenen und hoch subventionierten Atomkraftwerken lässt sich in der Tat Strom billig erzeugen - für unter zwei Cent pro Kilowattstunde. Doch dieser Strom kommt nicht günstig beim Kunden an, sondern wird zu dem Wert verkauft, der sich an der Leipziger Strombörse bildet. Den Preis von derzeit etwa sieben bis acht Cent bestimmen die Kraftwerke mit den höchsten Produktionskosten.

„Die CDU muss sich gut überlegen, ob sie gerade die Kernenergie zu einem Alleinstellungsmerkmal machen will."
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in der Süddeutschen Zeitung.

Die Differenz zwischen billig erzeugtem Atomstrom und dem Marktpreis füllt die Konzernkassen: Jedes Jahr, in dem die 17 deutschen Atommeiler weiterlaufen, beschert den Unternehmen einen zusätzlichen Gewinn von rund zehn Milliarden Euro. Um die Zustimmung der Politik zur Laufzeitverlängerung zu erkaufen, wollen sie einen Teil davon für klimafreundliche Technologien einsetzen. Doch für eine größere Dynamik beim Ausbau erneuerbarer Energien braucht es nicht in erster Linie mehr Geld, sondern weniger Blockaden durch die Konzerne - etwa beim Netzausbau für Offshore-Windanlagen.

5. Die Versorgung bleibt sicher

Für den Fall, dass Deutschland aus der Atomkraft aussteigt und gleichzeitig auf neue Kohlekraftwerke verzichtet, malt die Atomlobby eine Stromlücke an die Wand. Doch eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt: Wenn wir den Stromverbrauch bis 2020 um elf Prozent senken, erneuerbare Energien auf knapp 30 Prozent der Stromerzeugung ausbauen und 25 Prozent des Stroms in modernen Kraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung produzieren, ist die Versorgung gesichert. All dies ist zu erreichen, wenn der politische Wille vorhanden ist.

Der Atomkonsens

Es gibt viele gute Gründe für einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Atomkraft. Im Jahr 2000 einigte sich deshalb die rot-grüne Bundesregierung mit den Energiekonzernen auf eine Begrenzung der Laufzeiten der Atomkraftwerke - leider mit einem sehr weiten Zeithorizont. Bisher gingen nur die veralteten Kraftwerke Stade und Obrigheim vom Netz. Jetzt erst beginnt der Atomkonsens zu greifen: Die Kraftwerke Biblis A und B, Neckarwestheim und Brunsbüttel sollen abgeschaltet werden. Weitere würden bald folgen. Deshalb machen die Energiekonzerne massiv Druck, die Laufzeiten der Anlagen zu verlängern und den Ausstieg auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben.

Von der neuen schwarz-gelben Bundesregierung erhoffen sich die Unternehmen eine Neuverhandlung der Laufzeiten. Politiker und Verbraucher wollen sie mit dem Versprechen ködern, einen Teil ihrer Gewinne für erneuerbare Energien und niedrigere Stromkosten zu verwenden. Verbraucher sollten daher jetzt deutlich machen, dass sie eine Verlängerung der Laufzeiten oder gar neue Kraftwerke nicht akzeptieren.

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