Russlands Gaslieferungen unsicher Energieexperte Alan Riley weist auf eine bevorstehende Gasverknappung in Russland hin

Russlands Gaslieferungen unsicher

(14. Januar 2007) - Der britische Energieexperte Alan Riley hat in einer Studie für das Zentrum für Europäische Politik in London auf eine bevorstehende Gasverknappung in Russland hingewiesen.

Das russische Gas wird definitiv knapp werden, sagt Riley. "Bis zum Jahr 2010 wächst die Differenz zwischen dem westeuropäischen und dem russischen Inlandsbedarf auf der einen und den Liefermöglichkeiten von Gazprom auf der anderen Seite auf rund 130 Milliarden Kubikmeter. Das ist fast so viel wie die derzeitigen jährlichen Gazprom-Lieferungen nach Westeuropa und mehr als der Gasverbrauch der Bundesrepublik. Das sind - wohlgemerkt - russische Berechnungen". Der Grund dafür seien nicht politisch motivierte Kürzungen, an denen Russland gar kein strategisches Interesse haben könne, sondern eine völlig verfehlte Investitionsstrategie von Gazprom. Deutschland bezieht derzeit 35 Prozent seines Gases aus Russland, EU 25 etwa 25 Prozent.

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Riley wird durch eine Analyse bestätigt, die laut der Moskauer Zeitung "Wedomosti" eine Kommission für den Präsidenten Wladimir Putin erstellt hat. Danach hat es bereits im Juni 2006 Engpässe in den Lieferungen an den russischen Stromerzeuger EES gegeben. 2007 werden allein für den innerrussischen Bedarf 4,2 Milliarden Kubikmeter Gas fehlen. Der Bedarf an diesem Brennstoff steige angesichts des Wirtschaftswachstums jährlich um fünf bis sechs Prozent, die Förderung jedoch stagniere. "Russland wird all seinen Lieferverpflichtungen nachkommen", verspricht zwar Putin. Der Kreml könnte aber bald vor der Wahl stehen, ob er seine eigene oder die westliche Wirtschaft mit Erdgas befeuert.

Nach übereinstimmenden Berechnungen russischer und westlicher Experten müssten in den nächsten vier Jahren rund 550 Milliarden Euro in die Erschließung neuer Lagerstätten und die Transport-Infrastruktur investiert werden, um die erwartete Lücke zu schließen. Auf dem russischen Kapitalmarkt sind die erforderlichen Summen nicht aufzutreiben. Die Ostseepipeline sei dagegen kein Beitrag zur Energiesicherheit. "Das war eine strategische Fehlentscheidung," ist Riley überzeugt. Erstens löse sie nicht das akute Problem, denn sie stehe frühestens Mitte des nächsten Jahrzehnts zur Verfügung. "Zweitens kann nicht mehr Gas befördert werden, wenn nicht mehr gefördert wird."

letzte Änderung: 25.08.2015