Der Traum von der Abkopplung Die Redaktion beantwortet hier besonders interessante Leserfragen. Hier geht es darum, sich vom Stromnetz unabhängig zu machen.

Der Traum von der Abkopplung

Die Redaktion beantwortet hier besonders interessante Leserfragen. Hier geht es darum, sich vom Stromnetz unabhängig zu machen.

(19. Dezember 2012)

Frage von Dr. Joachim Weingarten, Hadegsen

Ich habe gelesen, dass IBC Solar für Photovoltaikanlagen Batteriesysteme anbietet, damit man sich unabhängig vom Stromversorger machen kann. Gibt es diese Möglichkeit auch für BHKWs? Zu welchen Kosten ist dies möglich, welche Fördermittel gibt es, und kann man sich auf diese Weise ganz unabhängig machen vom Stromversorger?

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Wolfgang Suttor, Autor und Herausgeber des Loseblattwerks „Praxis Kraft-Wärme-Kopplung“, Vorstand des Bundes der Energieverbraucher

Antwort von Wolfgang Suttor

Ich habe mich schon intensiv damit auseinandergesetzt, wie man sich von der Fremdversorgung abkoppeln kann. Das Problem bei der eigenen Stromerzeugung mit einem BHKW und im Allgemeinen auch bei den PV-Anlagen ist der geringe eigene Verbrauch, der der Erzeugung entgegensteht. Aus diesem Grund definieren das KWK-Gesetz und das EEG den „Eigenbedarf“. Dennoch bleibt bei den meisten noch Strom übrig, der nur zu schlechten Bedingungen – speziell beim KWK-Gesetz – ins Netz eingespeist werden kann.

Diese unwirtschaftliche Situation hat entsprechend den technischen Möglichkeiten zu sehr unterschiedlichen Reaktionen geführt:

  • Bei den BHKW bietet sich die stromoptimierte Betriebsweise an: Der Pufferspeicher dient als Speicher, um die Stromerzeugung dem Bedarf besser anzupassen.
  • Inzwischen ist auch der Stromverkauf an Dritte möglich. Die Hürden dazu liegen in der Praxis jedoch extrem hoch, besonders, wenn der Dritte auf der anderen Straßenseite oder gar in einem anderen Versorgungsgebiet wohnt.
  • Der Bau einer Solartankstelle auf eigenem Grund. Im Gewerbe wird dies schon als Serviceleistung auf Parkplätzen angeboten.
  • Unkonventionelle Lösungen, die aber eventuell die nachbarschaftlichen Beziehungen erhöhen, etwa eine Kabeltrommel zum Nachbarn für ein kleines Dankeschön oder etwas Trinkbares.

Sie werden sich vielleicht wundern, dass ich nicht die Batterien genannt habe, die Sie schon erwähnt haben. Diese Lösung ist leider noch recht unwirtschaftlich und ermöglicht bei Preisen um die 10.000 Euro noch keine Abkopplung vom Netz.

670 Insel / Foto: Fotolia.com - minicel73

Stand meiner Überlegungen ist nun neben den oben genannten Maßnahmen: Ich persönlich warte noch auf die Massenfertigung von Elektroautos. Dann nutze ich die Batterie nicht nur zum Autofahren, sondern auch für den Eigenverbrauch, die Netzeinspeisung und die Ladung (Lastmanagement) zu Zeiten, an denen ein negativer Börsenpreis herrscht. Für eine überregionale Lösung sind die chemischen Batteriespeicher nicht geeignet. Da werden eher Pumpspeicherkraftwerke gebaut oder noch wahrscheinlicher Power-to-gas-Lösungen, wie sie schon als Prototypen im Megawattbereich vorliegen.

Sie sehen, dass es wie so oft keine Patentlösung zum Nutzen für den Verbraucher gibt. Der Bund der Energieverbraucher wird sich aber auf den verschiedensten Feldern dafür einsetzen, dass die noch extrem teuren Nischenlösungen zum bezahlbaren Allgemeingut werden. Angesichts der mächtig steigenden Strompreise müssen wir vielleicht gar nicht mehr so lange warten, bis es heißt: Tschüss Versorger!

letzte Änderung: 23.12.2018