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Neues rund um den Zähler
Moderne Strom- und Gaszähler für Haushalte und Kleingewerbe würden sich auch hierzulande auszahlen. Anmerkungen von Dietmar Adam
(14. September 2006) - Über 100 Jahre alt ist sie, die Technik, mit der unser Verbrauch von Strom und Gas gemessen wird. Sie kennen zum Beispiel den schwarzen kleinen Kasten, den Stromzähler, der bei Ihnen im Keller hängt. Bereits im Jahr 1889 wurde seine Funktionsweise patentiert.1 Sogar früher noch, im Jahr 1843, war schon der ebenfalls auch heute noch genutzte, so genannte Balgengaszähler erfunden worden.2
Seit dieser Zeit hat sich nichts Grundlegendes verändert. Die Geräte sind zwar aufgrund stetig verbesserter Massenfertigung heute kostengünstiger und genauer. Aber einmal im Jahr kommt der Ableser, klingelt und notiert den Zählerstand3. Auf der Basis dieser Jahresablesung werden die Nach- oder Rückzahlungen errechnet und der neue durchschnittliche Monatsverbrauch und die Höhe der neuen Monatsabschlagszahlungen festgelegt.
Nachteile derzeitiger Zähler
Dies bringt dem Kunden mehrere Unannehmlichkeiten: Erstens muss ein Termin freigehalten werden, um einen Zugang zum Zähler zu ermöglichen. Zweitens basiert die Abrechnung meist auf Schätzwerten, da es dem Netzbetreiber nur in Ausnahmen möglich ist, den Abrechnungsstichtag mit dem Ablesedatum übereinstimmen zu lassen. Drittens ist es nicht möglich, die monatlichen Rechnungsbeträge (Abschlagszahlungen) an den real aufgetretenen Stromverbrauch zu koppeln. Viertens kann bei Preiserhöhungen nur geschätzt werden, wie hoch der Verbrauch vor und nach der Änderung gewesen ist.
An diese Nachteile, oder besser Unbequemlichkeiten, haben sich Haushalte und Kleingewerbe gewöhnt, so dass sie sie gar nicht mehr richtig wahrnehmen.
Neue Zähler verfügbar
Mittlerweile gibt es jedoch in der Zählertechnologie große Fortschritte (siehe auch ED 2/2006). Diese beruhen vor allem auf Elektronik, wie sie unter anderem in Computern heute vielfältig genutzt wird, und auf den Fortschritten der (Mobil-) Funktechnik. In Ländern, in denen es die Marktbesonderheiten nahe legen oder die gesetzlichen Anforderungen es erzwingen wurden diese Techniken bereits breit getestet und eingesetzt.
In Schweden zum Beispiel verlangt der Gesetzgeber ab 2009 eine verbrauchsgenaue monatliche Rechnung. Diese soll dem Kunden den Lieferantenwechsel erleichtern und durch aktuelle Informationen zudem helfen, den Stromverbrauch zu senken.
In Italien wollen die Energieversorgungsunternehmen die Bedürfnisse der Kunden besser bedienen und die Chancen des frisch liberalisierten Strommarktes ausnutzen.
In beiden Ländern erhielten flächendeckend alle Verbraucher moderne, elektronische Zähler mit zugehöriger Übertragungseinheit. Zähler und ein zentraler Rechner des Netzbetreibers stehen miteinander in Verbindung. Dadurch ist es möglich, die Zähler fernauszulesen.
Für Verbraucher in Italien ergeben sich so folgende Vorteile:
- Sie erhalten eine verbrauchsgenaue monatliche Stichtagsabrechnung.
- Terminabstimmung und eventuelle Störung durch Ableser entfallen.
- Sie können Verbrauchsanpassung mittels monatlicher Rückmeldung des aktuellen Verbrauchs vornehme.
- Eventuelle Energieeinsparungen führen zur Entlastung von Geldbeutel und auch der Umwelt.
- Sie können einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen günstigen Stromliefervertrag abschließen. Die Einkaufspreise von Energie hängen nicht nur von der Gesamtmenge, sondern auch Veränderung des Verbrauchs im Jahres- und Tagesverlauf ab.
- Sie erhalten schnellen Service bei Problemen mit dem Zähler - der Netzbetreiber bekommt einen Zählerdefekt automatisch gemeldet.
Servicequalität in Deutschland?
Es sind zuerst ökonomische Anreize, die dem örtlichen Netzbetreiber eine Verbesserung der Servicequalität für die Verbrauchserfassung und Ablesung nahe legen.
Ein zweiter Anreiz wäre die Einführung von Wettbewerb auch bei der Zählerablesung. Bisher ist gemäß EnWG nur die freie Wahl des Zählstellenbetreibers geregelt. Die Zählerablesung verbleibt bis zur Verabschiedung der dafür notwendigen Verordnung in der Verantwortlichkeit des Netzbetreibers.
Ein dritter Hebel für den Einsatz neuer Zählertechnologien wäre schließlich die Verabschiedung eines Gesetzes, das eine monatliche verbrauchsgenaue Rechnungsstellung vorschreibt. Die Umsetzung der kürzlich von Europarat und Parlament verabschiedeten Energieeffizienzrichtlinie in nationales Recht könnte schon bald zu einer derartigen Vorgabe führen. Dann wäre eine manuelle Ablesung nicht mehr wirtschaftlich und der Weg frei für neue Zähler- und Kommunikationstechnologien.
Das Bewusstsein für die Möglichkeiten, die im Zähler schlummern, entwickelt sich in Deutschland leider nur langsam.
1 Durch den Ungarn O. T. Blathy für die Ganz-Werke in Budapest
2 Durch den Engländer W. Richards
3 Oder der Kunde wird vom Netzbetreiber und/oder Lieferanten gebeten, seinen Zählerstand selbst abzulesen und per Postkarte oder Internet mitzuteilen
Zählerhersteller für Elektrizität in Deutschland:Landis&Gyr, Zug: www.landis-gyr.ch/ch Elster Meßtechnik, Lampertheim: www.elstermesstechnik.com/de EMH, Elektriziotätszähler, Wittenburg: www.emh-meter.de Actaris, Kalrsuhe: www.actaris.de |


