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Smart Meter im Praxistest

Rupprecht Gabriel plädiert für dezentrale Zählerintelligenz

(11. März 2009) Der Technologiewechsel vom alten Ferrariszähler zum intelligenten elektronischen Zähler ist lange überfällig. Elektronische Zähler sind genauer und billiger als die alten Zähler. Sie werden sich deshalb durchsetzen. Trotz langem Expertenstreit ist bislang keine einheitliche Lösung gelungen. Nicht jeder kann den Mehrwert eines "Smart Meters" erkennen - zu Recht, denn dass nicht alles aus Gold ist, was glänzt, sieht man am "Big Brother-Award" für Yello und seinen "Sparzähler".

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Rupprecht Gabriel ist geschäftsführender Gesellschafter der GmbH.

EasyMeter GmbH hat in Bielefeld gerade Deutschlands größte Fertigung für elektronische Zähler aufgebaut. Durch hochautomatisierte Technik und neue Technologien konnte man bei deutscher Fertigung niedrigere Lohnstückkosten als in China realisieren.

Wirtschaftlichkeit

Elektronische Zähler kosten derzeit noch etwa 35 bis 40 Euro und damit rund zehn bis 15 Euro mehr als mechanische. Sie verbrauchen aber deutlich weniger Strom: Ein Ferrariszähler frisst jährlich ungefähr rund 50 Kilowattstunden, ein elektronischer Zähler zum Beispiel von Easymeter im Vergleich dazu nur zehn Kilowattstunden. Das spart jährlich etwa 40 kWh oder fünf Euro. Den Stromverbrauch des Zählers trägt zunächst der Netzbetreiber.

Über die Netzentgelte wird aber auch der Verbraucher damit belastet. Legt man die Anschaffungskosten von alten und elektronischen Zählern auf zehn Jahre um, dann liegt die Differenz der Anschaffungskosten sehr viel niedriger als die eingesparten Stromkosten.

Der Kauf rechnet sich schon nach wenigen Jahren allein durch die Stromeinsparung.

Warum der Wechsel zur Elektronik kommen wird - auch ohne Zwang!

Die elektronischen Zähler werden allen Kunden einen wesentlichen Vorteil bieten: Sie zeigen die aktuelle Leistung an. Dadurch ist es möglich, auf einfachste Art den augenblicklichen Verbrauch zu überprüfen.

Ob das - etwas sportlich - durch den Gang in den Keller oder den Blick auf ein "Home Display" im Flur oder Wohnzimmer geschieht, bleibt dem Kunden überlassen. Doch in jedem Fall hilft die Information, das Verhalten zu ändern und den Strombedarf zu minimieren.

Elektronik ist nicht teurer - aber besser!

Man kann von den Messstellenbetreibern erwarten, dass sie für elektronische Zähler keine höheren Preise verlangen - jedenfalls, solange sie keine zusätzlichen Funktionen bereitstellen.

Teurer wird es, wenn der Endkunde häufigere Rechnungsstellungen, neue Tarifmodelle, Fernwirktechnik und "Smart Home"-Ankopplungen möchte, also die Möglichkeiten des "Smart Meterings" voll ausschöpft.

Zählwerk trennen

Sowohl von der technischen Seite als auch für die Kostenbetrachtung gilt es, zwischen der reinen Zählerfunktion und zusätzlichen Dienstleistungen zu unterscheiden. Der neue, smarte Zähler besteht also aus zwei Teilen: Einem reinen Zählwerk und einer nachgeschalteten Elektronik zur Auswertung der Zählersignale.

Neue Tarifmodelle

Wie schon in der Telekommunikationsbranche wird auch hier der Ideenwettbewerb des Marketings zu den unterschiedlichsten Marktlösungen führen, die sowohl für Anbieter als auch Endkunden interessant sein können.

Denkbar wären etwa zeitlich variable Tarife. Möglich wäre es auch, einen Teil des Stromes als Prepaid beim Discounter beziehen. Für all diese Fälle gelten unterschiedliche Abrechnungsmethoden.

Hardware und Software trennen

Da wir heute noch nicht wissen, was morgen kommt, ist es sicherlich sinnvoll, ein flexibles System aufzubauen, das durch Software neue Funktionalitäten ermöglicht. Der Verbraucher könnte entsprechende Updates mithilfe einer Chipkarte oder über das Internet herunterladen.

Alles geht, wenn Software und Hardware getrennt werden - wie beim PC.

Datensicherheit

Viele Kunde möchten aus Datenschutzgründen nicht, dass Details über den Verlauf ihres Stromverbrauches das Haus verlassen. Sie selbst jedoch möchten diese Daten zeitnah kennen, um ihr Verbrauchsverhalten daran auszurichten.

Das lässt sich durch dezentrale, dem Zähler nachgelagerte Intelligenz erreichen. In einem solches System kann z. B. der Kunde seinen Lastverlauf (Stromverbrauch) mit Preisumrechnung als Lastgang sehen. Der Netzbetreiber aber erhält nur die anonymisierte Abrechnung für seine Dienste und der Lieferant eine fertige, dezentral erzeugte Abrechnung.

Die Software wäre am besten über ein dezentrales System zu realisieren, das auf Open-Source-Software basiert.

Grenzenlos kommunizieren

Bisher hat man häufig bei "Smart Metern" den Fokus auf die Kommunikation gelegt. Das ist falsch. Man kann Kommunikation über SmartCard "Offline" realisieren oder "Online" über alle anderen Wege von internetbasierten DSL bis Powerline, also die Datenübertragung über das Stromnetz.

Die neuen, elektronischen Zähler sparen zwar selbst keinen Strom, aber sie werden höhere Effizienz, bessere Flexibilität und mehr Informationen bringen. Die Verbraucher sollten ihre Anbieter danach bewerten, ob sie sich dieser Zukunft stellen. Wenn nicht, wird es welche geben, die solche Services anbieten. Letztlich entscheidet so der Endkunde, was der Energieversorger anbieten wird.

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