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Ökostrom: Kann man durch den Wechsel zu Ökostrom der Umwelt ohne große Kosten helfen?
(23. Dezember 2007) - Die Umstellung der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien wird in Deutschland durch eine Abgabe auf den Stromverbrauch finanziert. Sie beläuft sich derzeit auf 0,8 Cent je Kilowattstunde. Im Jahr wird jeder Verbraucher dadurch mit Mehrkosten von unter 30 Euro belastet. Dieses System ist so erfolgreich, dass bereits 14 Prozent des gesamten Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien stammt.
Die Ökostrom-Erzeugung ist deshalb derzeit in Deutschland weit höher als die Nachfrage nach Ökostrom: Die vier größten Ökostromanbieter haben deutlich unter einer Million Kunden und liegen damit unter drei Prozent Kundenanteil. Deshalb können die bestehenden Kraftwerke die derzeitige Ökostrom-Nachfrage decken, ohne dass zusätzlich neue Kraftwerke entstehen. Der Bezug von Grünstrom führt lediglich dazu, dass normale Strom des Energieversorgers rechnerisch weniger "grün" ist, da die ökologisch erzeugte Strommenge bereits extra an die "grünen" Verbraucher verkauft wurde. Durch den "Bezug" von Ökostrom wird zum Verbrauchszeitpunkt also kein zusätzlicher Ökostrom hergestellt. Immer mehr Stromversorger in Deutschland bieten auch Ökostrom an. Ein zusätzlicher Umweltnutzen ist mit dem Bezug nicht zwangsläufig verbunden. Ob und wie viel mittelfristiger Umweltverbesserung der Preisaufschlag auf Ökostrom bewirkt, hängt von dessen Höhe und Verwendung ab (vgl. Wibke Tritthart: Wann ist elektrischer Strom "Öko", Soziale Technik, Heft 3/07).
Grünstrom-Label
Sehr unterschiedlich sind die Definitionen und Zertifizierungsverfahren für Grünstrom. Beim ok-Power-Label für Ökostrom gelten auch Kraftwerke als neu, die bereits seit Jahren am Netz sind. Das grüne Strom-Label setzt zwar voraus, dass einen zusätzlicher Betrag in erneuerbare Energien investiert wird. Wie und wer kontrolliert, welche Projekt gefördert werden und ob diese Projekte auch ohne Förderung entstanden wären, ist für den Verbraucher nicht nachvollziehbar und wird auch auf Anfrage nicht offengelegt. Der Umwelt-Informationsdienst bemängelt fehlende Angaben über konkrete Projekte. Mit dem Ökostrom-Geld würden viele Anbieter auch Atomkraft finanzieren. Den größten Nutzen für die Umwelt hätten die Elektrizitätswerke Schönau und Greenpeace Energy.
Zahlreiche Institutionen mit oft wohlklingenden Namen stellen Zertifikate aus, die den Umweltnutzen und die Echtheit von Ökostrom-Lieferungen bestätigen. An diesen Zertifikaten wird gut verdient. Sie sind für den Verbraucher allesamt kaum nachvollziehbar und verdienen nicht ihr Vertrauen.
Keine Änderung an der Steckdose
Die meisten Verbraucher glauben fälschlicherweise, dass durch den Umstieg auf grünen Strom nunmehr der Steckdosenstrom direkt aus erneuerbaren Energien stammt. Und immer mehr Versorger lassen sich diesen Irrtum vergolden. Der Bund der Energieverbraucher rät allen, die mehr für den Ausbau erneuerbarer Energien tun wollen, zu einer direkten Spende für entsprechende Projekte.


