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Strompreise in Deutschland nicht mehr nachvollziehbar
Bonn/Hamburg, den 23. August 2006. "Die Preistreiberei der vier marktbeherrschenden Stromkonzerne ist für Privatverbraucher, Handwerk und Industrie unerträglich geworden. Das Energierecht hat versagt, denn es kann dem Preisauftrieb offensichtlich keinen Einhalt gebieten." Das sagten der Vorsitzende des Verbands der Energieverbraucher Dr. Aribert Peters und der Vorstandsvorsitzende der Norddeutschen Affinerie AG (NA) Dr. Werner Marnette. Weder Privatverbraucher noch Handwerk oder Industrie könnten mit den in Deutschland willkürlich hochgetriebenen Strompreisen leben.

Die Strompreise in Deutschland sind nach wie vor für alle Energieverbraucher auf einem extrem hohen Niveau. "So müssen die deutschen Haushaltskunden je nach Verbrauchsmenge durchschnittlich zwischen 7 und 2,4 Cent pro kWh mehr bezahlen als ihre europäischen Nachbarn", berichtete Peters. Damit liege Deutschland gegenüber dem EU-Schnitt bei den Privatkunden um 5 Cent zu hoch. Peters empfahl, die Preise um genau diesen Betrag zu kürzen. "Für uns als industrielle Großverbraucher ist die Lage in Deutschland untragbar geworden", sagte Marnette. "Die in der Bundesrepublik verlangten Strompreise liegen um mehr als 2 Cent pro kWh über dem europäischen Durchschnitt. Die Abwanderung der energieintensiven Betriebe verläuft schleichend. Mit dieser Abwanderung wird aber auch die Basis zur Weiterverarbeitung von Metallen und Chemikalien Deutschland entzogen", ergänzte der NA- Vorstandsvorsitzende. Die Hochpreispolitik der Stromkonzerne mindere also nicht nur den verfügbaren Konsum von Millionen privater Haushalte, sondern sie greife auch die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieunternehmen und damit den Standort Deutschland an.

Gewinner des Stompreisdramas seien die vier Stromkonzerne, erläuterten Peters und Marnette. Sie steigerten ihre Gewinne nochmals deutlich. Gleichzeitig würden von EON und RWE die durch Höchstpreispolitik in Deutschland erzielten Milliardensummen in die sehr teure Europaexpansion gepumpt.

"Vor diesem Hintergrund können wir die beantragten Strompreiserhöhungen für die Endverbraucher nicht akzeptieren", sagten Peters und Marnette. Die vier haben in den vergangenen Jahren ihre Marktmacht kontinuierlich ausgebaut und durch Zukauf ihren Einfluss auf viele Stadtwerke und regionale Versorger ausgedehnt. Damit handelt es sich bei den beantragten Strompreiserhöhungen von Stadtwerken und Regionalversorgen lediglich um einen Stellvertreterkrieg der großen Konzerne.

Die Begründung für die Strompreiserhöhungen ist nicht minder fraglich als der Zeitpunkt der Bekanntgabe. So müssen plötzlich die hohen Bezugskosten auf dem Terminmarkt für Strom für die gestiegenen Kosten herhalten, obwohl gerade die großen Stromkonzerne Nutznießer dieser Preisentwicklung an der Strombörse waren. Die entsprechenden Preise werden so an die Regionalversorger und Stadtwerke weitergegeben und diese versuchen ihrerseits die Kosten auf die Endverbraucher abzuwälzen. "Wir vermuten, dass die beantragten Strompreiserhöhungen die Kürzung der Netzentgelte durch die Bundesnetzagentur ausgleichen sollen", sagten Peters und Marnette. So werde die Arbeit der neuen Bundesnetzagentur durch die Führung der vier Konzerne unterlaufen und ad absurdum geführt.

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