Strompreise steigen zum Jahreswechsel auf breiter Front
(23. Dezember 2004) Der Strom wird zum Jahreswechsel in Deutschland auf breiter Front teurer. Nach einer AP-Umfrage haben hunderte von Stromerzeugern zwischen Kiel und München in den vergangenen Wochen von den Behörden grünes Licht für die geforderten Preiserhöhungen bekommen. Der Aufschlag wird in Einzelfällen bis zu 8 Prozent betragen, meist aber zwischen 3 und 5 Prozent liegen. Besonders tief in die Tasche greifen müssen die Stromverbraucher in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg und Sachsen. Deutlich günstiger kommen die Bayern davon. Verbraucherschützer kritisierten die Preissteigerungen als «abenteuerlich».
Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen genehmigte das Düsseldorfer Energieministerium bislang 86 Stromversorgern Preiserhöhungen von durchschnittlich 4,9 Prozent. Weitere 22 Anträge würden derzeit noch geprüft, sagte ein Sprecher. Ausschlaggebend für die Genehmigung seien die gestiegenen Energiekosten und Netznutzungsentgelte gewesen, sagte Energieminister Axel Horstmann. «Der Stromeinkauf ist auch für die Stadtwerke erheblich teurer geworden. Aber wir haben dafür gesorgt, dass diese Mehrkosten nur in dem Umfang an die Endverbraucher weitergegeben werden, der wirklich erforderlich ist.» In drei Viertel aller Fälle seien die Strompreiserhöhungen niedriger ausgefallen, als von den Unternehmen beantragt.
In Berlin hebt der Stromversorger Bewag mit Genehmigung des Wirtschaftssenats die Preise um 5 Prozent an, in Hamburg müssen die rund 40.000 Haushaltskunden des Energieversorgers HEW im Grundtarif «HEW-Classic» künftig für die Kilowattstunde 17,89 Cent und damit ebenfalls rund 5 Prozent mehr zahlen.
Günstiger kommen die Bayern weg. Zwar wurden auch hier die Anträge von mehr als 60 Stromversorgern auf höhere Strompreise genehmigt. Doch schlugen die Preiserhöhungen meist nur mit knapp 3 Prozent zu Buche. «Im Durchschnitt muss ein Haushalt 2,8 Prozent mehr für den Strom bezahlen», sagte etwa der schwäbische Bezirkssprecher Martin Pflaum in Augsburg. In Rheinland-Pfalz werden die Strompreise nach Angaben des Mainzer Wirtschaftsministeriums ab dem 1. Januar 2005 je nach Versorger zwischen 2,8 und 8 Prozent steigen. Alle 73 regionalen Stromversorger im Land hätten Preiserhöhungen beantragt, berichtete Wirtschaftsminister Hans Artur Bauckhage (FDP). Das Ministerium habe die Anträge geprüft und in 93 Prozent der Fälle die geplanten Erhöhungen als zu hoch eingestuft. In den revidierten Anträgen seien die Preiserhöhungen dann deutlich niedriger ausgefallen. Wirtschaft und Verbrauchern werde so wahrscheinlich ein zweistelliger Millionenbetrag erspart.
In Baden-Württemberg haben 58 Unternehmen die Erhöhung der Strompreise beim Wirtschaftsministerium angezeigt. Eine Genehmigungspflicht gibt es dort nicht. Durchschnittlich betrage die Erhöhung im Haushaltstarif 4,4 Prozent, berichtete das Ministerium.
Auch in Ostdeutschland steigen die Strompreise. In Sachsen wurden bisher vom Dresdner Wirtschaftsministeriums 35 Strompreiserhöhungen um durchschnittlich 5,5 Prozent genehmigt. In Mecklenburg-Vorpommern bekamen elf Stromversorgern grünes Licht für Preissteigerungen von maximal 0,5 Cent pro Kilowattstunde. In anderen Bundesländern stehen die Entscheidungen noch aus.
Bei Verbraucherschützern stießen die Preisanhebungen auf heftige Kritik. Christian Fronczak vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin betonte, es gebe keinerlei Rechtfertigung für die Anhebungen. «Wir brauchen eine starke Regulierungsbehörde, die endlich Wettbewerb auf dem Energiemarkt gewährleistet», sagte er. Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher erlangte: «Die Strompreise müssen sinken, nicht steigen.» Schon die steigenden Gewinne der Stromkonzerne zeigten, dass der Strompreis zu viel Luft enthalten.