Strompreise 2004 - Ein Fall für den Staatsanwalt?
(21. November 2003) - Zum Jahreswechsel werden die Stromtarife von einigen Unternehmen um bis zu 15 % erhöht. So haben die Energiekonzerne RWE und E.ON in mehreren Versorgungsgebieten Strompreiserhöhungen zum neuen Jahr beantragt. Für RWE betrifft dies die Versorgungsgebiete in NRW, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, während bei E.ON zunächst nur E.ON Bayern als einer von sieben Regionalversorgern des Konzerns eine Erhöhung beantragt hat. Es wird jedoch nicht ausgeschlossen, dass andere E.ON-Regionalversorger nachziehen. Angaben zur Höhe der angestrebten Tariferhöhung wurden nicht gemacht.

Die GGEW wird Anfang des Jahres die Strompreise genauso erhöhen wie die Überlandwerke Groß Gerau, die um 1 Cent pro kWh teuer werden. Öko-Strom wird ebenfalls teurer: Die Hamburger Lichtblick, mit bundesweit 110 000 Kunden die Nummer eins am deutschen Ökostrommarkt, erhöht die Tarife zum 1. Januar je nach Verbrauch um 6 % bis 7 %. Auch die EWS Schönau aus der Nähe von Freiburg, der bundesweit günstigste Ökostromanbieter, erhöht zu Jahresbeginn Grundgebühr und kWh-Preis. Von der Bewag, der HEW und der EnBW verlauteten keine Pläne für Preiserhöhungen zum Jahreswechsel.
Bei Lichtblick wurde die Erhöhung des Strompreises durch die höheren Einkaufspreise, die seit April um mehr als 35 % gestiegen seien, begründet. Wenn die Regulierungsbehörde ihre Arbeit aufnehme und E.ON, EnBW oder Vattenfall bei den Durchleitungsgebühren auf die Finger sehe, könnten die Netznutzungsgebühren um bis zu 30 % sinken, was sich positiv auf den Strompreis auswirken würde. Das Unternehmen habe in dieser Angelegenheit zurzeit 30 Klagen gegen Netzbetreiber laufen.
"Ein Fall für den Staatsanwalt" kommentierte Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher die Preiserhöhungen. "Die Stromwirtschaft wälzt sich im Geldbad wie Dagobert Duck. Die grossen Stromunternehmen und auch viele Kleine feiern Jahr für Jahr neue Gewinnzuwächse. Und trotzdem werden die ohnehin schon weit überhöhten Preise weiter angehoben, weil man nicht genug bekommen kann. Ein krasser Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht, das Monopolisten Preiszurückhaltung auferlegt. Offensichtlich will man die Preise so weit nach oben überziehen, dass man mit den regulierten Preissenkungen auch noch sehr gut leben kann. Auch die staatliche Tarifaufsicht versagt, denn die Versorger zeigen mit Locktarifen, dass es durchaus auch günstiger geht".