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Haushaltsstrompreise mindestens fünf Cent zu hoch Nach Berechnungen des Bundes der Energieverbraucher liegen die Strompreise zu hoch

Haushaltsstrompreise mindestens fünf Cent zu hoch

(30. November 2006) Nach Berechnung des Bundes der Energieverbraucher liegen die derzeitigen Strompreise für Haushaltskunden um etwa fünf Cent zu hoch. Der Verein empfiehlt den Verbrauchern die angekündigte Rechnungskürzung um diesen Betrag.

Die Preise sind seit dem Jahr 2000 um fünf Cent stärker gestiegen, als die höheren Kosten und Steuern ausmachen.

Die Berechnung geht von den angemessenen Strompreisen des Jahres 2000 aus und ermittelt die zulässigen Preiserhöhungen bis zum Jahr 2006.

Mitte 2000 lagen die Strompreise für Haushaltskunden bei etwa 12,8 Ct/kWh (Quelle: Heilemann/Hillebrand: Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte, RWI-Papiere Nr. 73, S. 18, ebenso: VIK: Statistik der Energiewirtschaft 2000/2001, S. 170). Damals betrug die Stromsteuer 1,278 Cent je Kilowattstunde.

Die Haushaltsstrompreise des Jahres 2000 waren etwa um 2 Cent überhöht. Denn die Strombeschaffungskosten der örtlichen Verteilunternehmen (Hochspannung) waren zwischen 1998 und 2000 auf etwa 80 Prozent gesunken (Heilemann, a.a.o., S. 17). Diese Einkaufsvorteile wurden damals nicht an die Verbraucher weitergegeben. Die fairen und angemessenen Haushaltspreise für Verbraucher lagen deshalb im Jahr 2000 bei 10,8 Cent.

Steueranstieg: 1,75 Cent

Zwischen 2000 und 2006 ist die Stromsteuer von 1,278 auf 2,05 um 0,772 Cent angestiegen. Die Umlagen nach den EEG/KWK-Gesetzen stiegen von 0,21 Cent im Jahr 2000 auf 0,95 Cent im Jahr 2006 und damit um 0,74 Cent. Die staatlichen Abgaben und Belastungen sind also um insgesamt 1,512 Cent zzgl. 16 % MWSt. also 1,75 Cent angestiegen.

Brennstoffmehrkosten: 0,5 Cent

Die Brennstoffmehrkosten für die Stromerzeugung sind zwischen 2000 und 2006 etwa 0,5 Cent gestiegen. Denn 70 Prozent der Brennstoffe kommen aus heimischen Energieträgern (Heilemann a.a.o., S. 14). Die Brennstoffkosten für die Stromerzeugung liegen bei 1,5 Cent (Heilemann a.a.o., S. 15). Die Weltmarktpreise für Kohle haben sich zwischen 2000 und 2006 um den Faktor 1,8 erhöht (Schwarz/Lang: The Rise in German Wholesale Electricity Prices, Institut für Wirtschaftswissenschaften Universität Erlangen-Nürnberg, Working Paper Nr. 02 2006, August 2006, S. 14). Für 2006 haben sich also die im Ausland gekauften 30 Prozent der Brennstoffe um den Faktor 1,8 verteuert. Damit ergeben sich mittlere Brennstoffkosten je Kilowattstunde von 1,05 + (0,45 x 1,8) = 1,86 Cent.

Für die Schätzung dieses Kostenanstiegs in Höhe von (1,86 - 1,5 = 0,36) wird ein Sicherheitsaufschlag von 40 Prozent addiert. Dieser Aufschlag berücksichtigt auch, dass ein geringer Teil aus Gas und Öl erzeugt wird. Damit ergeben sich Brennstoffmehrkosten von 0,36 x 1,4 = 0,5 Cent. Auch die inländische Kohle dürfte sich verteuert haben. Allerdings wird die Kohle im Inland größtenteils von mit der Stromwirtschaft eng verflochtenen Unternehmen gefördert. Wenn sich die Inlandskohlepreise verteuern, so entstehen diesen Förderunternehmen auch höhere Erträge, ohne dass sich deren Kosten entsprechend erhöht haben. Im übrigen ist bekannt, dass die Stromwirtschaft die Importkohlenpreise durch langfristige Lieferverträge vertraglich abgesichert hat.

Effizienzgewinn und Inflation: 0,41 Cent

Der Effizienzgewinn in der Energiewirtschaft wird von der Bundesnetzagentur mit jährlich 2,54 Prozent beziffert (vgl 1. Referenzbericht Anreizregulierung der Bundesnetzagentur vom 8. Dezember 2005, Price Caps, Rdnr. 124, S. 31). Zwischen 2000 und 2006 ist demnach die Stromerzeugung um 15,2 Prozent effizienter geworden. Der allgemeine Preisauftrieb hat in dieser Zeit zehn Prozent betragen. Verrechnet man den Effizienzgewinn mit dem Preisauftrieb, dann verbleibt ein Rest von 5,2 Prozent an Effizienzgewinn. Die Basis für den Effizienzgewinn erhält man, wenn man vom Strompreis 2000 die Steuern und Abgaben abzieht: 10,8 Cent - 1,7 Cent MWSt. - 0,21Cent EEG/KWK - 1,8 Cent Konzessionsabgabe - 1,278 Cent Stromsteuer = 5,82 Cent. Davon machen 5,2 % Effizienzgewinn 0,3 Cent aus.

Gesamtanstieg: 8,8 statt 1,95 Cent

Die Stromkosten dürften im Jahr 2006 also folgende Höhe haben:

  • Strompreis 2000: 10,8 Cent
  • Steuern und Abgaben sind gestiegen um 1,75 Cent
  • Brennstoffe sind teurer geworden um 0,5 Cent
  • Zuwachs an Effizienz und Inflation -0,3 Cent
  • Gesamter Strompreisanstieg seit 2000: 1,95 Cent
  • Ein fairer Strompreis läge 2006 also bei 12,75 Cent
  • Tatsächlicher Strompreis 2006: 19,6 Cent
  • Tatsächlicher Strompreisanstieg 2000-2006 8,8 Cent
Strompreise 5 Cent zu hoch

Der tatsächliche Preisanstieg liegt also um den Faktor 3,5 über dem vernünftig begründbaren Strompreisanstieg. Statt 19,6 Cent wären im Jahr 2006 nur Strompreise von knapp 13 Cent begründbar. Da wir für 2000 von angemessenen Strompreisen ausgingen, die um 2 Cent unter den tatsächlichen Strompreisen lagen, könnte man auch einen Strompreis von 15 Cent für 2006 für vertretbar halten. Das würde bedeuten, dass die heutigen Strompreise von etwa 20 Cent um 5 Cent zu hoch sind und um diesen Betrag zu kürzen sind, bis der per Gerichtsentschluss ein höherer Preis für angemessen erklärt wird.

Ein ähnliches Ergebnis ergibt sich, wenn man die Preisbestandteile einzeln unter die Lupe nimmt.

Die Strompreise setzen sich aus Stromerzeugungskosten, Verteilungskosten und Steuern und Abgaben zusammen.

Verteilkosten: 3,3 Cent

Betrachten wir zuerst die Verteilungskosten einschließlich Meßkosten: Die Haushalte zahlen für die Netznutzung im Schnitt 7 Cent/kWh. Industrieabnehmer zahlen etwa 3 Cent/kWh. In der Summe ergeben sich daraus Netzentgelte von 23 Milliarden Euro jährlich.

Die Bundesnetzagentur hat in einer Pressekonferenz am 17.11.2006 die Netzentgelte beziffert: Die 97 Verteilnetzbetreiber, die in die Zuständigkeit der Bundesnetzagentur fallen, haben Entgelte in Höhe von 14 Mrd. Euro beantragt, die Übertragungsnetzbetreiber 3 Mrd. Euro. 155 weitere Verteilnetzbetreiber werden von der Netzagentur über die Organleihe im Auftrag der Bundesländer bearbeitet mit Netzentgelten in Höhe von 680 Mio. Euro. Die etwa 600 dadurch nicht erfassten Verteilnetzbetreiber haben Netzentgelte von etwa 3 Mrd. Euro. Insgesamt sind Netzentgelte von 20 Mrd. Euro beantragt worden.

Prof. Erdmann rechnet sogar mit Netzentgelten in Höhe von 32 Milliarden Euro jährlich. v Vor der Liberalisierung im Jahr 1998 bestand kein Grund für überhöhte Netzentgelte. Die damals von verschiedenen unabhängigen Gutachten festgestellten Verteilkosten einschließlich Vertriebskosten und Gewinn lagen für Haushaltskunden bei etwa 3,3 Ct/kWh, für Sonderabnehmer von 1,84 Ct/kWh (z.B. Studie des EWI-Instituts Köln 1988 "Kostenorientierte Stromtarife" für das Bundeswirtschaftsministerium, weitere Quellen unter www.energieverbraucher.de/seite1125.html).

Zum Vergleich: Die Stromverteilkosten für Haushaltskunden betragen derzeit in Frankreich 4,8 Ct/kWh, im Schnitt aller EU-Staaten 3,7 Ct/kWh, in Deutschland 7 Ct/kWh.

Erzeugungskosten 3 Cent

Die tatsächlichen Stromerzeugungskosten liegen für die abgeschriebenen Braunkohle- und Kernkraftwerke unter 2 Ct/kWh (lt. Prof. Leprich, Uni Saarbrücken) und selbst für neue Gaskraftwerke bei rund 4 Ct/kWh. Im Durchschnitt über alle Kraftwerke liegen die Stromerzeugungskosten bei etwa 3 Ct/kWh.

Es ergeben sich Kosten für die Stromerzeugung von 3 Cent zzgl. Netzkosten von 3,3 Cent, zusammen also 6,3 Cent.

Vermindert man die Stromkosten 2006 von 19,6 um 7,5 Cent Steuern und Abgaben (2,7 Ct MWSt, 3 Cent Stromsteuer- EEG -KWK, 1,8 Cent KA), verbleiben 12,1 Cent.

Die tatsächlichen Strompreise liegen also um fast 6 Cent über den aus Kostengründen zu rechtfertigenden Strompreisen. Rechnet man zu Sicherheit noch 1 Cent an Vertriebskosten und Gewinn hinzu, dann sind die derzeitigen Strompreise immer noch um 5 Cent überhöht. Auch in Städten mit höherer Konzessionsabgabe von 2,39 Cent stimmt die Abschätzung noch.

Zusatzgewinne: 23 Milliarden

Wie hoch sind die realistischen Verteilkosten? Bei 315 Mrd. kWh Stromlieferung an Sondervertragskunden belaufen sich dann die realistischen Verteilkosten auf 5,8 Mrd. Euro, für 185 Mrd. kWh Strom an Tarifkunden (Haushalt und Gewerbe) von 6,2 Mrd. Euro. Statt 20 Mrd. Euro Verteilkosten wären also nur 12 Milliarden Euro zu rechtfertigen.

Jährlicher Zusatzgewinn ohne Leistungserbringung: 8 Milliarden Euro. Denn auch vor der Liberalisierung wurde an der Stromverteilung gut verdient. Zum Vergleich: Die Stromverteilkosten für Haushaltskunden betragen derzeit in Frankreich 4,8 Ct/kWh, im Schnitt aller EU-Staaten 3,7 Ct/kWh, in Deutschlandd 7 Ct/kWh.

In den Erhalt und den Ausbau der Netze werden jährlich nur 2,4 Mrd. Euro investiert. Die überhöhten Verteilkosten sind deshalb nicht mit hohen Investitionen in die Netze begründbar. Die Sicherheit der Netze wäre bei deutlich geringeren Verteilkosten erhaltbar, wenn die Netzbetreiber endlich wieder in die Netze investieren würden, statt die Netzentgelte ohne Leistungen als Gewinn zu verbuchen.

Die tatsächlichen Stromerzeugungskosten liegen für die abgeschriebenen Braunkohle- und Kernkraftwerke unter 2 Ct/kWh (lt. Prof. Leprich, Uni Saarbrücken) und selbst für neue Gaskraftwerke bei rund 4 Ct/kWh. Im Durchschnitt über alle Kraftwerke liegen die Stromerzeugungskosten bei etwa 3 Ct/kWh. Derzeit wird aber für den Strombezug fast 6 Ct/kWh verlangt (EEX-Notierungen). Das sind 3 Ct/kWh oder 15 Milliarden Euro jährlich zuviel. Diese Marge wird bestätigt durch eine neue Studie der Uni Erlangen (Schwarz/Lang: The Rise In German Whosale Prices, Augst 2006, IWE Paper 02 2006, Seite 15).

Dieses Geld wird keineswegs für den Bau neuer Kraftwerke eingesetzt. Jährlich werden in den Kraftwerksneubau weniger als zwei Mrd. Euro investiert. Der Strom wird heute weitgehend in lange abgeschriebenen Kraftwerken hergestellt. Über die Abschreibungen wurden in den vergangenen Jahrzehnten die Kraftwerksneubauten bereits von den Stromverbrauchern bezahlt.

Damit ergeben sich ungerechtfertigte Zusatzgewinne der Stromwirtschaft in Höhe von rund 23 Mrd. Euro jährlich oder zwei Mrd. Euro monatlich. Das ist mehr, als der Bund für die Verteidigung ausgibt und dreimal mehr als der Bund für Bildung, Kultur und Forschung aufwendet und dreimal mehr, als die Mehrwertsteuererhöhung einbringt. In den vergangenen fünf Jahren hat die Stromwirtschaft also 115 Mrd. Euro zuviel kassiert.

letzte Änderung: 06.07.2015