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Energiesicherheit
Private Vorsorge für den Blackout
Was niemand hofft und doch passieren kann: Der Strom ist weg. Wie kann man sich in dieser Not behelfen? Wie kann man einen Stromausfall überbrücken beziehungsweise mit möglichst geringen Schäden überstehen? Wolfgang Suttor gibt Antworten.
(21. März 2012) Die gebräuchlichen Stromerzeuger wie Photovoltaik-, Wind- und BHKW-Anlagen laufen in fast allen Fällen netzparallel. Bei einem Stromausfall stehen sie deshalb nicht zur Verfügung. Nur die wesentlich teureren „inselfähigen“ Stromerzeuger können dies leisten. Sie werden beim Hausneubau und verstärkt auch im Bestand fest mit einer Automatik und einer Abgasableitung eingebaut, damit der Start und die Abschaltung auch während der Abwesenheit der Bewohner einen möglichen Stromausfall überbrücken könne.
Wolfgang Suttor - Autor und Herausgeber des Loseblattwerks „Praxis Kraft-Wärme-Kopplung“, Vorstand des Bundes der Energieverbraucher
Ein herkömmliches Notstromaggregat versorgt das ganze Hausnetz mit allen Stromverbrauchern. Dabei sollte man jedoch bei Großverbrauchern wie Herd-, Wasch- und Spülmaschine Sparsamkeit walten lassen. Ein Notstromaggregat mit etwa drei bis fünf Kilowatt Leistung kostet einschließlich Montage rund 3.000 bis 4.000 Euro. Der Brennstoffvorrat im Tank des Notstromaggregats von rund 20 Litern reicht bei einem reduzierten Stromverbrauch von fünf Kilowattstunden pro Tag für drei bis vier Tage. Danach müsste der Tank nachgefüllt werden. Bei einem Dieselaggregat wäre dies notfalls aus dem Heizöltank möglich. Für Benzinmotoren müsste man auf Spezialbenzin zurückgreifen, das man auch in Gebäuden lagern kann.
Einfachlösung
Einfacher und preiswerter ist ein fest installiertes Notstromaggregat mit zwei bis drei Kilowatt Leistung. Dieses versorgt aber nur zuvor definierte Verbraucher wie die Heizung, Kühl- und Gefriergeräte und Notleuchten. Wie bei der Komfortlösung ist eine Spannungsregelung und eine Erdung notwendig, damit beispielsweise die Elektronik der Heizungsregelung keinen Schaden nimmt oder Störungen anzeigt. Es empfiehlt sich, wie bei größeren Notstromaggregaten üblich, die Funktion regelmäßig zu überprüfen. Dann kommt es auch nicht zu einer Qualitätsminderung, etwa durch Absinken der Oktanzahl, Ausfällungen in den Filtern oder durch Überalterung des Brennstoffes.
Mobile Notstromaggregate
Unter der Spontanlösung versteht man die in vielen Bau- oder Großmärkten für wenige Hundert Euro angebotenen mobilen Notstromaggregate von 0,5 bis zwei Kilowatt Leistung. Diese Aggregate dürfen wegen der Abgase nicht in geschlossenen Räumen betrieben werden. Der Treibstoff, meist Benzin, darf bis 20 Liter nur in Metallkanistern (nicht Plastik) gelagert werden. Eine weitere Einschränkung ist die begrenzte Betriebsdauer. Viele Modelle muss man nach einigen Stunden abstellen und auskühlen lassen. Doch selbst ein Intervallbetrieb über mehrere Tage dürfte diese Geräte an die Belastungsgrenze bringen. Die Betriebsanleitung sollte bei den kleinen Notstromaggregaten besonders aufmerksam gelesen werden. Das häusliche Stromnetz kann und darf man mit diesen Geräten keinesfalls versorgen. Als Stromverbraucher kommen nur Geräte in Frage, die einen Netzstecker für die üblichen Steckdosen haben. Um diese einfachen Geräte, etwa Gefrierschrank oder Leuchten, an das im Freien stehende Notstromaggregat anzuschließen, braucht man genügend Verlängerungskabel und Mehrfachsteckdosen.
Alte und neue Alternativen
Wir haben uns so daran gewöhnt, dass Strom zu jeder Zeit und fast überall verfügbar ist, dass wir schon fast vergessen haben, wie unsere Altvorderen ohne Strom geheizt, gekocht und sich mit diversen Gerätschaften das Leben erleichtert haben. Kachelöfen und Holzherde gibt es heute wieder in vielfältiger Ausgestaltung und mit verbesserten Wirkungsgraden auch ohne Stromanschluss (siehe Kaminöfen: „Gemütlich“ reicht nicht). Dazu kommen immer mehr solarbetriebene Geräte wie Sonnenöfen, Kochkisten, Solarleuchten mit Akkufunktion und vieles mehr. Sie vermitteln nicht nur eine heimelige Wärme, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit und Unabhängigkeit: So gerüstet, kann man einem Stromausfall gelassener entgegensehen.
Man sollte bedenken, dass Notsituationen wie ein Blackout den nachbarschaftlichen Zusammenhalt weit mehr stärken können als internetbasierte soziale Netzwerke, die bei einem Stromausfall ohnehin nicht funktionieren.
Katastrophe Stromausfall
Kaum einer macht es sich bewusst: Wenn der Strom mal ausfällt, kann der Blackout unter ungünstigen Umständen mehrere Tage oder sogar Wochen anhalten. Die Energiedepesche verrät, was das im Ernstfall bedeutet.
(20. März 2012) Am 25. November 2005 gingen vielerorts in Nordrhein-Westfalen sowie in Südwest-Niedersachsen die Lichter aus: Nach heftigen Schneefällen waren rund 250.000 Menschen bis zu drei Tage lang ohne Strom. Ursache für den Stromausfall waren eingeknickte Strommasten und gerissene oder sehr tief hängende Hochspannungsleitungen. Doch auch technisches oder menschliches Versagen kann größere Stromausfälle verursachen – ganz zu schweigen von kriminellen oder terroristischen Aktionen, militärischen Konflikten, Epidemien oder Naturkatastrophen.
Für den Ernstfall sollte man Kerzen, Taschenlampen, Batterien und Zündmittel bereithalten, empfiehlt das Heftlein „Für den Notfall vorgesorgt“ des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. „Bedenken Sie, dass ein Energieausfall unter ungünstigen Umständen auch über mehrere Wochen anhalten kann“ – so steht es dieser Broschüre. Bereits 2008 berichtete die Energiedepesche über das Grünbuch, das vor den Gefahren und Folgen eines länger andauernden Stromausfalls gewarnt hatte. Denn ein solcher Blackout legt alle wichtigen Infrastruktursysteme der Gesellschaft lahm. Umgekehrt benötigt die Sicherung der Stromversorgung eine intakte Infrastruktur, etwa für die Kommunikation oder den Transport. Ihr Fehlen könnte es unmöglich machen, die Stromversorgung überhaupt wieder in Gang zu setzen. Wer sich an die Hilflosigkeit in Fukushima erinnert, die beschädigten Reaktoren erneut mit Strom zu versorgen, der wird diese Gefahr nicht von der Hand weisen können.
Ohnmacht im Ernstfall
Für die Bewältigung der Folgen eines Stromausfalls sind zunächst die örtlichen Behörden, Einrichtungen und Organisationen zuständig, zum Beispiel das Bürgermeisteramt. Katastrophenschutzbehörden sind auf unterster örtlicher Ebene die Landkreise und kreisfreien Städte. Wer wissen will, wie ernst man es bei den zuständigen Behörden mit dieser Verantwortung nimmt, kann ja im zuständigen Amt einfach mal nach entsprechenden Vorbereitungen nachfragen. In Kalifornien hat die kalifornische Energiekommission unter Gouverneur Arnold Schwarzenegger 2004 ein kleines Büchlein herausgegeben. Kommunen sollten sich danach überlegen, wie sie mit einem Ausfall und einer Verknappung von Energie konkret umgehen. Diese Hinweise sind auch für Deutschland sinnvoll.
De facto sehen Bürger, Unternehmen und öffentliche Institutionen einen Stromausfall nicht als ernsthaftes Risiko, obwohl sich ein solcher Vorfall bereits innerhalb der ersten 24 Stunden zu einer katastrophalen Situation auswachsen kann. Selbst wenn alle Ressourcen mobilisiert werden, wären die Folgen nicht beherrschbar, sondern allenfalls zu mildern. Somit gilt der Stromausfall als Paradebeispiel sich ausbreitender Schadenswirkungen. Seine Folgen zu mindern, sollte bei den Verantwortlichen hohe Priorität haben.
Infrastruktur bricht zusammen
Ein Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung kam zu folgenden Schlussfolgerungen:
- In allen Privathaushalten fallen Beleuchtung, Heizung, Telekommunikation, Kühl- und Kochgeräte aus.
- Telekommunikations- und Datendienste versagen teils sofort, spätestens aber nach wenigen Tagen ihren Dienst.
- Elektrisch betriebene Transportmittel bleiben sofort oder nach wenigen Stunden stehen. In dicht besiedelten Gebieten blockiert dies den Straßenverkehr. Flughäfen sind dagegen relativ robust und durchhaltefähig. In großen Städten droht ein Verkehrschaos. Weil die meisten Tankstellen ausfallen, nimmt der Straßenverkehr nach den ersten 24 Stunden stark ab. Der Autobahnverkehr ist dagegen kaum betroffen.
- Die Wasserversorgung bricht ohne Strom nach kürzester Zeit zusammen, Trinkwasser wird knapp. Toilettenspülungen funktionieren nicht mehr, und auch keine Waschmaschinen. Die Gefahr von Bränden steigt, gleichzeitig sinken die Möglichkeiten, Brände zu bekämpfen.
- Die Lager in den Lebensmittelgeschäften leeren sich innerhalb weniger Tage. Es kommt zu Engpässen.
- Das Gesundheitswesen bricht innerhalb einer Woche weitgehend zusammen. Arzneimittel werden knapp, es kommt auch bei wichtigen Medikamenten zu Engpässen.
- Geldautomaten fallen aus, ebenso der elektronische Zahlungsverkehr. Dadurch versiegt die Bargeldversorgung, was auch die Versorgung mit allen anderen Gütern betrifft. Das Börsensystem ist dagegen auf den Notfall ausgelegt und überdauert auch einen lang andauernden Stromausfall.
- Stockt die Versorgung und fehlen Informationen, beginnt die öffentliche Ordnung zusammenzubrechen. In der Bevölkerung entstehen Ohnmachtsgefühle und Stress.
- Ein lang andauernder Stromausfall gefährdet das Leben, die Sicherheit und die Unversehrtheit der Bevölkerung hochgradig. Der Staat kann seiner Schutzpflicht nicht mehr genügen.
- Inselnetze auf der Basis erneuerbarer Energien könnten die Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen deutlich mindern. Dazu liegen aber weder Erfahrungen vor, noch steht die dazu notwendige Technik bereit.
Eine Übung des Krisenmanagements zwischen Bund und Ländern hat bereits im Jahr 2004 die enormen Schwierigkeiten bei der Krisenbewältigung offengelegt (LÜKEX). Anfang 2010 wurde ein Handbuch „Krisenmanagement Stromausfall“ erarbeitet. Darüber hinaus hat eine Studie im Jahr 2011 ermittelt, welches Minimalniveau der Stromversorgung für ein Krisenmanagement notwendig ist (KritisKAPA). Die sogenannte KRITIS-Strategie auf Bundesebene soll eine nationale Katastrophe verhindern. In einem Projekt GRASB wird derzeit erforscht, wie man das Risiko mindern kann, dass die Stromversorgung ausfällt. Die Projektergebnisse müssten dann, sobald sie vorliegen und sich als empfehlenswert herausstellen, verwirklicht werden.
Fazit: Die Folgen eines lang andauernden Stromausfalls haben katastrophale Auswirkungen auf die Gesellschaft. Ein solches Ereignis liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Verhängnisvollerweise wird ein solches Szenario als völlig unmögliches Ereignis wahrgenommen. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, die Verletzlichkeit der Gesellschaft zu vermindern. Das setzt voraus, dass die Bedrohung nicht verdrängt, sondern als reale Gefahr offen diskutiert wird. Dann können auch Strategien für einen wirksamen Schutz ergriffen werden. Diese Schutzstrategien können durchaus auch lokal diskutiert und verwirklicht werden. Jede Region trägt die Verantwortung für sich selbst. Die staatlichen Hilfen für diesen Notfall und für Schutzstrategien lassen bislang zu wünschen übrig. Überdies steht jeder Einzelne in der Verantwortung, für seinen Haushalt vorzusorgen. Doch das Risikobewusstsein in der Bevölkerung fehlt größtenteils.
Weitere Informationen:
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