Für Mega-Blackout nicht gerüstet
(11. April 2011, ergänzt am 26. Mai 2011) Deutschland sei schlecht für einen Stromausfall gerüstet, der mehrere Tage oder gar Wochen andauere, zitiert die Berliner "taz" aus einem Bericht, den das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag (TAB) im Auftrag des Innenausschusses anfertigte.
Ein solcher Notfall sei in den aktuellen Gesetzen und Verordnungen nur ungenügend berücksichtigt, hieß es. Unterstelle man das Szenario eines mindestens zweiwöchigen und aufs Gebiet mehrerer Bundesländer übergreifenden Stromausfalls, kämen die Folgen einer Katastrophe nahe. Diese wäre selbst durch eine Mobilisierung aller internen und externen Kräfte und Ressourcen nicht beherrschbar, allenfalls zu mildern.
U-Bahnen und Züge blieben liegen, Tankstellen fielen aus, der Straßenverkehr breche zusammen. Telefone, Handys und das Internet funktionierten nicht mehr, ob der digitale Funk von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten funktioniere, sei fraglich. Die öffentliche Ordnung drohe zusammenzubrechen. Besonders dramatisch seien die Folgen für Arztpraxen, Krankenhäuser und Pflegeheime. Nach einem Mega-Blackout sei innerhalb einer Woche vom weitgehenden Zusammenbrechen der medizinischen und pharmazeutischen Versorgung auszugehen.
Es gebe Probleme bei der Lebensmittelversorgung. Am Ende der ersten Woche seien die Vorräte in Geschäften und Haushalten aufgebraucht. Besonders weniger zentrale Regionen würden unvollständig versorgt. Zwar könnten die Behörden auf Notfallreserven zugreifen, in denen Weizen, Milchpulver oder Reis eingelagert seien und 5200 Notbrunnen lieferten Trinkwasser. Auch gebe es eine EU-Reserve mit Getreide und Fleisch. Aber selbst diese Rücklagen könnten bei einem Mega-Blackout nicht ausreichen. Trotz größter Anstrengungen könne die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung mit Lebensmitteln nur ungenügend gewährleistet werden, so der Bericht.
Zwar sei die Wahrscheinlichkeit eines solch großen Stromausfalls momentan gering, das Szenario werde aber wahrscheinlicher, weil der der Klimawandel zu mehr Extremwetterereignissen führe und auch Terroranschläge oder Epidemien in Frage kämen, meinen die Autoren der TAB. Eine dezentrale Stromversorgung auf Basis erneuerbarer Energien könne wichtige Infrastrukturen besser schützen, regional begrenzte Inselnetze könnten weiter Strom erzeugen.
Zur Bundestag-Drucksache 17/5672 vom 27.04.11 TAB zum Stromausfall (PDF, 1,91 MB)
