Längerer Stromausfall würde zum Chaos führen
(14. Oktober 2008) Auf längere Stromausfälle ist Deutschland nicht vorbereitet. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit für einen mehrtätigen bis mehrwöchigen Stromausfall hoch. Ein solcher Stromausfall wäre eine nationale Katastrophe und zöge katastrophale Schäden nach sich. Die Bevölkerung ist auf einen solchen Fall weder sensibilisiert noch vorbereitet und die Selbshilfefähigkeit ist schwach.
Zu diesem Ergebnis kommt das "Grünbuch" zur öffentlichen Sicherheit, das Bundestagsabgeordnete von vier Parteien im Rahmen des Zukunftsforums öffentliche Sicherheit erarbeitet haben.
Derzeit gibt es kein einheitliches Krisenmanagement von Staat und Wirtschaft. Die Politiker fordern deshalb eine grundlegende Neukonstruktion der Sicherheitsarchitektur von Bund und Ländern unter Einbeziehung der Wirtschaft.
Technisches oder menschliches Versagen kann zu Steuerungsproblemen und grenzüberschreitenden Stromausfällen führen. Auch Kriminalität, Terrorismus oder gewaltätige Konflikte können die Stromversorgung lahmlegen (Anschläge, Erpressung). Schließlich können auch Ressourcenprobleme (Energieträger, Personal, Qualifikation, Leitungs- oder Kraftwerksengpässe) oder der Klimawandel (Hitze, Stürme, Hochwasser, Schnee und Eis) zu gravierenden Stromausfällen führen. Jahrelang wurde zuwenig in den Unterhalt der Stromnetze investiert.
Bei einem längerandauernden Stromausfall fallen nach und nach alle kritischen Infrastruktursysteme aus:
- Die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur bricht zusammen (Telefon, Handy, Internet)
- das Transport- und Verkehrssystem mit allen Verkehrsträgern
- das Gesundheitssytem einschließlich Not- und Rettungswesen
- die Versorgung mit Trink- und Brauchwasser,
- die Nahrungsmittelversorgung
- die Entsorgung von Abwasser und Müll (Hochhäuser müssten wegen Seuchengefahr evakuiert werden)
- die Behörden und Verwaltungen
- das Banken- und Finanzwesen.
Durch den Ausfall wichtiger Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten entsteht Unsicherheit, Angst und Panik verbreiten sich. Heizung, Kühlung und fehlende Kassensysteme zwingt den Einzelhandel in die Knie. Lebensmittelengpässe sind schnell die Folge.
Von bundesweit 2.200 Tankstellen sind nur 15 mit einer Notstromversorgung ausgestattet. Ob die restlichen Tankstellen mit Notstromaggregaten funktionsfähig sind, ist fraglich. Der Treibstoff für die Notstromversorgung ist auf 12 bis 48 Stunden ausgelegt, da dies in der Vergangenheit ausreichte.
Alle Akteure gehen davon aus, dass es zu keinem lang andauernden und überregionalen Stromausfall kommen wird. Die Komplexität und die Interdependenzen eines solchen Ausfalls sind nicht bekannt und weder den Verantwortlichen, noch der Bevölkerung bewusst.
Der immatrielle Schaden eines längeren Stromausfalls wäre ebenfalls hoch, weil ein Vertrauensverlust der Bevölkerung in Staat und Wirtschaft ausgelöst wird.