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Fragen an den RWE-Vorstand
(16. Dezember 2005)
Sehr geehrter Herr Bonekamp,
wir sind Ihnen dankbar, dass Sie nun endlich einige konkrete Fakten präsentiert haben.
Ihrem Geschäftsbericht 2004 entnehme ich, dass die Investitionen von RWE Energy im Jahr 2004 gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf 947 Mio. Euro zurückgegangen sind. Das betriebliche Ergebnis ist in diesem Zeitraum mehr als sieben Prozent gewachsen. Die Imagekampagne "Imagine" hat sich RWE immerhin 100 Millionen Euro kosten lassen.
Die im Geschäftsbericht ausgewiesene Zahl von 0,947 Milliarden Euro für alle Investitionen von RWE Energy steht im Widerspruch zu Ihrer Äußerung, RWE lasse zwei Milliarden Euro in die Netze fliessen, bzw. habe diesen Betrag investiert. Laut VDEW hat die gesamte deutsche Stromwirtschaft im Jahr 2004 zwei Milliarden Euro in die Stromnetze investiert.
Vermutlich haben Sie den gesamten Aufwand für das Stromnetz beziffert, nicht nur die Investitionen.
Da die von den RWE-Stromkunden vereinnahmten Netznutzungsentgelte im Jahr 2004 schätzungsweise rund fünf Milliarden Euro betrugen, stellt sich die Frage nach dem Verbleib der restlichen nicht in die Netze geflossenen Netznutzungsentgelte.
Unbeantwortet bleibt in Ihren Unterlagen die Frage, warum die Leitungen nicht beheizt wurden, um dem vorsehbaren Wintereinbruch zu begegnen.
Unbeantwortet bleibt auch die Frage, warum manche Orte z.B. Ochtrup nur von einer Leitung versorgt werden.
Der Bund der Energieverbraucher möchte die Zwischenfälle von einer unabhängigen Institution untersucht sehen.
Sie haben stattdessen einen unabhängigen Gutachter beauftragt. Um von vornherein jeden Zweifel an der Unabhängigkeit des Gutachters auszuschließen möchte ich Sie um Darlegung bitten, in welcher Höhe dieser Gutachter oder dessen Firma/Institut in den vergangenen zehn Jahren von RWE oder einer RWE-Tochter Aufträge ausgeführt oder direkte/indirekte Zuwendungen erhalten hat.
Für eine schnelle Antwort bin ich Ihnen sehr dankbar.
Mit freundlichem Gruß
Dr. Aribert Peters Vorsitzender
Antwort von RWE
Sehr geehrter Herr Peters,
für Ihre Nachricht per e-Mail vom 6. Dezember danke ich Ihnen.
Ich freue mich, dass wir auch Ihnen durch unsere Pressekonferenz am vergangenen Dienstag konkrete Fakten zu den Geschehnissen im Münsterland vermitteln konnten.
Irritiert hat mich aber, dass Ihre Pressemitteilung vom gleichen Tage leider dennoch eine Reihe sachlicher Fehler enthält. Wir haben gegenüber der Öffentlichkeit deutlich gemacht, dass wir im eigenen Interesse eine transparente, objektive und sachorientierte Aufarbeitung der Geschehnisse im Münsterland wünschen. Damit haben wir die Bitte um Fairness verbunden und dies insbesondere darauf bezogen, vor Beurteilungen oder gar Verurteilungen die Ergebnisse interner und externer Überprüfungen abzuwarten. Diese Bitte möchte ich auch an Sie richten.
Es ist Ihr gutes Recht, zu anderen Bewertungen als unser Unternehmen zu gelangen, doch sollten diesen wie unseren Positionierungen immer belastbare Fakten zugrunde liegen. Dazu gibt es sicher Gesprächs- und Informationsbedarf.
Wir stehen Ihnen dazu in der Überzeugung, dass es zunächst einmal immer besser ist, miteinander als übereinander zu reden, gerne zur Verfügung. Dieses Angebot gilt auch in der Hoffung, dass so Missverständnisse ausgeräumt und zu einer Versachlichung der Debatte beigetragen werden kann.
Mit freundlichen Grüßen
Berthold Bonekamp
RWE Energy Aktiengesellschaft
Antwort vom Bund der Energieverbraucher
Sehr geehrter Herr Bonekamp,
zunächst bin ich erfreut darüber, dass von Ihrer Seite überhaupt eine Antwort auf meine Anfrage kommt. Dafür möchte ich Ihnen zunächst danken. Mein Dank bezieht sich auch auf Ihr Gesprächsangebot.
Die von mir konkret gestellten Fragen haben Sie allerdings leider nicht geantwortet. Das finde ich bedauerlich. Denn Sie sind, wie Sie schreiben, auch an einer sachlichen Auseinandersetzung interessiert.
Ich darf Ihnen versichern, dass unsere Argumente stets auf den uns bekannten Tatsachen basieren. Wo uns die Fakten nicht bekannt sind und uns trotz Anfrage auch nicht genannt werden, sind wir auf Vermutungen verwiesen.
Deshalb darf ich Sie im Interesse einer Versachlichung der Diskussion nochmals um eine Antwort auf die konkret und klar gestellten Fragen bitten.
Dies umso mehr, als prall gefüllte Terminkalender und die bevorstehenden Festtage ein kurzfristiges Treffen schwierig erscheinen lassen.
Ich möchte Ihr Gesprächsangebot aufnehmend Ihnen ein Treffen in der zweiten Januarwoche in Köln vorschlagen, z.B. Dienstag den 10.1.2006.
Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen auch für die kommenden Festtage.
Aribert Peters


