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Höhere Gewalt?
(16. Dezember 2005)
Aspekte zu den Fakten und den Stellungnahmen seitens der RWE
1) Im Vordergrund steht die Frage, ob es konstruktiv möglich ist, Starkstromleitungen so zu bauen, dass sie den Naturereignissen im Münsterland standgehalten hätten. Dies wird seitens der RWE nicht bestritten. Es wird in einem Interview mit einem Vorstandsmitglied nur gesagt, die Leitungen wären bei einer solchen Bauweise zu teuer.
2) Die RWE verweigern Regresszahlungen mit der Begründung, dass die Erscheinung im Münsterland höhere Gewalt sei. Hierzu zitiere ich mein Lexikon: "Höhere Gewalt, von außen her einwirkendes außergewöhnliches, nicht vorhersehbares, durch äußerste zumutbare Sorgfalt nicht abwendbares Ereignis."
Wenn es also weltweit schon einmal eine solche Erscheinung bei Hochspannungsleitungen gegeben hat, woran nicht zu zweifeln sein dürfte, dann sind die Erscheinungen im Münsterland keine höhere Gewalt.
Die "äußerste zumutbare Sorgfalt" zur Abwendung der Katastrophe im Münsterland wurde nicht aufgewendet, weil gemäß Ziff. 1) Leitungen mit entsprechender Stabilität laut RWE zu teuer seien. Damit entfällt der Einwand der "höheren Gewalt" seitens der RWE und sie sind regresspflichtig.
3) Weitere Aspekte zum Thema: Es wäre auch interessant zu wissen, wie hoch die Mehrkosten für eine Hochspannungsleitung, die den Naturereignissen im Münsterland standgehalten hätte, gewesen wären. Diese eingesparten Mehrkosten mit Zinseszins auf den heutigen Stand hochgerechnet sollte man einmal den Schäden durch den Stromausfall im Münsterland gegenüberstellen. Dies wäre, unabhängig von der Haftungslage interessant, weil die RWE damals beim Bau der Leitungen die Einsparungen durch zu schwache Dimensionierungen der Leitungen kassiert haben, und jetzt für die Folgen dieser Fehlplanung nicht aufkommen wollen.
4) Als persönliche Bemerkung erlaube ich mir den Hinweis, dass ich während meines Berufslebens viel mit Energiefragen zu tun hatte. Ich war über 20 Jahre lang Mitglied des Energieausschusses des BDI. Für mich waren die RWE immer die "Nummer 1" auf dem Stromsektor. Das bisherige Verhalten bezüglich des Stromdebakels im Münsterland rückt die RWE bei mir im Ansehen nun auf den letzten Platz, insbesondere die mir zum Thema bekannt gewordenen Äußerungen von Spitzenmanagern.
Zusammenfassung:
Die RWE haben, um Kosten zu sparen, Überlandleitungen nicht so dimensioniert, dass sie extremen Klimasituaitonen standhalten. Die dadurch erzielten Einsparungen kamen den Anteilseignern zugute, das heißt sie wurden "privatisiert". Die durch zu schwache Dimensionierung der Leitungen entstandenen Schäden durch Stromausfälle sollen nach den RWE die Stromabnehmer tragen, das heißt sie sollen "sozialisiert" werden. Dies muten Vorstände mit Millionengehältern den Geschädigten zu.
Dipl.-Ing. Herbert Ruch
Am Thekbusch 61
42549 Velbert


