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EEX-Preise gegenüber dem Markt zu hoch !
(17. Januar 2004)
Sehr geehrte Frau Streb,
im Juli letzten Jahres habe ich mich an Sie (d.h. die
Monopolkommission) gewandt, weil ich vermutet hatte, daß der
Stromgrosshandel über die EEX von der Versorgerseite
manipuliert wird (Meine Mail vom 15.7.03). Wir führten
daraufhin auch ein Gespräch. Sie werden sich sicher noch
erinnern. Die von mir geäußerte Vermutung wird auch von
vielen Marktteilnehmern bestätigt, u.a. wandte sich z.B. der
VIK mit einem entsprechenden Brief an das sächsische
Wirtschaftsministerium. Der Vorwurf, daß die etablierte
Versorgunsgswirtschaft verstärkt ab Mitte 2003 die geringe
Liquidität an der EEX bewußt ausgenutzt hat, um - zum
Beispiel durch gegenseitige Geschäfte, die zwar abgeschlossen
werden und in der Handelsstatistik der EEX erscheinen, aber nicht
zur physischen Lieferung kommen, wie Ihnen damals beschrieben - den
Preis nach oben zu treiben und damit auch die Terminnotierungen
für 2004 nachhhaltig zu erhöhen, steht nach wie vor im
Raum.
Er konnte bisher weder bewiesen noch widerlegt werden, eine
zentrale Rolle dabei spielt sicher auch die geringe Bereitschaft
der EEX zur Transparenz (neben den Netzbetreibern, die die ihnen
zugänglichen Daten zu Lastprognosen im Gegensatz zur Praxis
anderen europäischen Ländern in Deutschland nach wie vor
nicht veröffentlichen müssen und damit den Ihnen nach wie
vor verbundenen Erzeugern einen erheblichen Wettbewerbsvorteil
gewähren können).
Ich habe nun etwas mehr als ein Jahr lang die EEX-Preise verfolgt
und insbesondere die Preisbildung im kontinuierlichen Handel
(jeweils vormittags bis 11.30 Uhr, Preis des letzten
Handelsabschlusses) gegen die Preisbildung der Auktion (12.00 Uhr)
verglichen. Daraus ergibt sich zweifelsfrei, daß das
durchschnittliche Preisniveau im kontinuierlichen Handel nachhaltig
höher ist als sich später in der Auktion als
tatsächliches Marktniveau herausstellt. Insbesondere bei Peak
(Hochpreiszeit, Stromlieferungen jeweils am Folgetag von
8.00-20.00) ist das besonders ausgeprägt. Siehe dazu auch die
anhängende Datei. Es sind alles öffentlich
zugängliche Daten (www.eex.de), Sie können sie beliebig
verwenden.
Zu Ihrer Erklärung: Am kontinuierlichen Handel nehmen nur sehr
wenige Marktteilnehmer teil, es werden manchmal tagelang
überhaupt keine Trades abgeschlossen, meist sind es 2-3,
manchmal bis 5, maximal 8-10. Dieser Handel schließt um 11.30
Uhr. In der Auktion um 12.00 Uhr aber müssen dann aber alle
Marktteilnehmer spätestens Ihre ggf. noch offenen Positionen
für den nächsten Tag glattstellen, die Händler sogar
mit unlimitierten Aufträgen !!! (kein Anspruch auf
Ausgleichsenergie), nur die Teilnehmer mit Erzeuger- und
Verbraucherbilanzkreisen können dann noch mit limitierten
Orders arbeiten. In jedem Fall stellt sich dort in der Auktion der
marktnähere Preis ein, weil die Liquidität viel
höher als im kontinuierlichen Handel ist und die Händler
ihre dann noch offenen Mengen sogar zu jedem Preis auf den Markt
werfen bzw. kaufen müssen.
Wie ich Ihnen bereits erläutert habe, ist die geringe
Liquidität im kontinuierlichen Handel geradezu eine Einladung,
zu probieren, ob und inwieweit man mit gezielten Orders den Markt
beeinflussen kann.
Das Ergebnis meiner Analyse, daß nachhaltig und nicht nur
punktuell ein signifikanter durchschnittlicherPreisabstand ca. 4%
bei Baseload und sogar ca. 8% bei Peak (ist das lukrativere
Produkt) zwischen kontinuierlichem Handel und der Auktion besteht,
untermauert meine These, daß offenbar Marktteilnehmer gezielt
versuchen, im kontinuierlichen handel am Vormittag die Preise nach
oben zu treiben. Dies aus zweierlei Gründen:
Erstens orientiert sich der Terminmarkt weitgehend am Spotmarkt,
das heißt, hohe Spotpreise führen
erfahrungsgemäß auch zu höheren Terminpreisen und
zweitens kann derjenige Marktteilnehmer, der den Markt nach oben
getrieben hat, dann am gleichen Tag eine halbe Stunde später
in der Auktion seine Verkaufsmengen zu einem höheren Preis auf
den Markt werfen. Etwas zu verkaufen hat naturgemäß die
Versorgerseite, die Verbraucher eher weniger.
Da die Kundenseite naturgemäß ein Interesse an niedrigen
Preisen hat und nur die Versorgerseite von höheren Preisen
profitiert, kann man sich leicht denken, wer ein Interesse an der
von mir geschilderten Vorgehensweise hat und wo die möglichen
Verursacher daher zu suchen sind.
Eine statistische gesicherte Abweichung vom Erwartungswert
(durchschnittliche Preisdifferenz müßte eigentlich Null
sein) ist m.E. immerhin ein sicheres Indiz dafür, daß
eine gezielte Einflußnahme auf die Preisbildung vorliegt,
auch wenn daraus nicht erkennbar wird, wer das in welcher Form und
welchem Maße tut.
Mit freundlichen Grüßen Gunnar Harms

