EU-Studie: Strom-Großhandelspreise um 37% überhöht
(27. Juni 2007) Eine neue EU-Studie zum Funktionieren der Stromgroßhandelsmärkte in der EU bestätigt - nunmehr auch auf der Grundlage der konkreten Daten der Erzeugungsunternehmen zu Kostenstruktur und Kraftwerksfahrweise - die Zweifel am angemessenen und wettbewerblich begründeten Strompreisniveau in Deutschland.
Mehr noch: sie zeigt, dass im europäischen Vergleich die Preisaufschläge in Deutschland besonders hoch ausfallen. Dabei brächte - so kann die Studie zeigen - auch das wettbewerbliche Preisniveau ohne diese Aufschläge für die untersuchten Unternehmen ganz wesentliche Deckungsbeiträge für ihre Fixkosten und könnte auch die Finanzierung neuer Kraftwerke rechtfertigen und sicherstellen.
Als wesentlicher Hebel, die Preise über das wettbewerbliche Niveau hinaus anzuheben, untersucht die Studie zudem den Auslastungsgrad der Kraftwerke und kann dabei zeigen, dass einige Kraftwerksbetreiber ihre Erzeugungskapazitäten weit unterhalb eines wettbewerblich geprägten Grades nutzen. Dem deutschen Strommarkt wurden danach in den Jahren 2003 bis 2005 in jeder Stunde durchschnittlich ca. 1800 MW an preisgünstigen Erzeugungskapazitäten (Kohle, Kernkraft, Pumpspeicher) der vier großen Erzeuger vorenthalten.
Zusammenfassung
Die Studie von London Economics macht einmal mehr das Ausmaß dessen deutlich, was den Verbraucher insbesondere auch in Deutschland die konzentrierte Struktur des Strommarktes kostet. Die ermittelten Preisaufschlägen von 37 Prozent im Jahr 2003 etwa bedeuten grob geschätzt mehr als 5 Mrd. € Mehrkosten1 für die Verbraucher sogar bei einem damals noch weit niedrigeren Strompreisniveau als heute. Für das Jahr 2005 führt der ermittelte Aufschlag für die Verbraucher zu Mehrkosten in Höhe von ca. 3 Mrd. € zusätzlich zu den CO2-Aufschlägen, die für die Erzeuger in etwa noch einmal 6,5 Mrd. € Mitnahmeeffekte gebracht haben. Die Studie stellt einen klaren Zusammenhang her zwischen Marktkonzentration und der sich daraus ergebenden Möglichkeit zur Ausübung von Marktmacht mit dem Ergebnis erhöhter Preise. Bei der Suche nach dem Hebel, den die Unternehmen dabei anwenden können, verweisen die Zahlen zur Kapazitätsnutzung wohl in die entscheidende Richtung. Die EU-Kommission hat mehrfach angekündigt, dass es als Ergebnis der Sektoruntersuchung zu kartellrechtlichen Verfahren gegen einige Unternehmen kommen wird. Diese Studie kann dafür sicher wichtiges Material liefern.
Die gesamte Studie finden Sie unter dem Internet-Link: http://ec.europa.eu/comm/competition/sectors/energy/inquiry/index.html
Quelle: Annette Loske, VIK
Komplette Zusammenfassung der Studie hier. VIK_MitgliederRS_36_2007_EU_Studie_Stromgrosshandelsmaerkte.pdf (54.49 kB)