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Vorsicht: Bauernfänger!
Steigende Energiepreise erleichtern auch unseriösen Verkäufern das Handwerk. Zwei Beispiele sollen zur Vorsicht mahnen.
Werbeaktion für Marmorheizung...
Die folgende Darstellung ist ein Beispiel, das wir hier zur
Warnung wiedergeben.
Der örtliche Elektroinstallateur hatte in ein Hotel zu einer
Informationsveranstaltung eingeladen. Neun Neugierige waren
gekommen.
"Wir haben hier keine Rheumadecken-Aktion", versprach der Chef der Firma. Nach drei Stunden hatte ich den Eindruck: eher doch. Ein Drama in drei Akten.
... erster Akt: Die Evolution der Mamorheizung
Zuerst wurde mehr als eine Stunde lang erläutert, wie in zahlreichen Schritten unter ständiger Verbesserung des Wirkungsgrads die heutige, optimale Form der Marmorheizung gefunden wurde. Die dabei getätigte Aussage, dass man dieselbe Wärmeausbeute mit immer weniger Stromeinsatz erzielt habe, ist mit dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik, der Wärmelehre, nicht vereinbar.
Dann wurde intensiv auf der herkömmlichen Form der
Wärmeerzeugung herumgeritten: Die üblichen
Heizkörper würden warme Luft erzeugen. Dies sei
gesundheitlich äußerst bedenklich, würde über
das Aufwirbeln von Staub Allergien begünstigen und den
Bluthochdruck fördern. Der warm empfohlene Buchtitel lautet:
"Falsch geheizt ist halb gestorben."
Dagegen produziere die Marmorheizung wohltuende
Strahlungswärme. Meine Einschätzung, dass ein einfacher
großflächiger Plattenheizkörper annähernd den
gleichen Anteil an Strahlungswärme mit annähernd der
gleichen räumlichen Verteilung habe, wurde entschlossen
zurückgewiesen.
Zweiter Akt: Eine lausige Rechnung
Dann kam der zweite Akt der Veranstaltung. Nachdem schon mehr als zwei Stunden vergangen waren und die Aufnahmefähigkeit der Zuhörer nahezu erschöpft war, wurde in einer viertel Stunde vorgerechnet, dass ein Bauherr mit der Marmorheizung gegenüber einer Ölheizung in 20 Jahren 32.500 Euro einsparen würde.
Ich bin die Sache am nächsten Tag in Ruhe durchgegangen,
mit dem Ergebnis, dass jede einzelne Annahme unrealistisch war: Die
Ölheizung war zu teuer, die Montagekosten der Marmorheizung zu
niedrig angesetzt.
Es wurde von 11,5 Prozent Zins ausgegangen.
Bei der Erstausstattung der Heizungsanlagen wurde von einer Finanzierung über einen nachträglichen Kredit ausgegangen, der zweite Heizölkessel sollte über zwischenzeitlich gespartes Geld finanziert werden. Der Bedarf an Heizwärme sei bei derMarmorheizung 30 % niedriger als bei der Ölheizung, da das Abstrahlungsverhalten der Marmorplatten ja völlig anders sei als die eines herkömmlichen Heizkörpers.
Dritter Akt: Tausende begeisterter Kunden
Und schließlich wurde mit einem Nachtstromtarif ohne
Strom- bzw. Ökosteuer gerechnet. Ich gehe davon aus, dass die
Heizung eine Direktheizung ist. Daher stehen zwei ähnlich
teure Tarife zur Wahl: Entweder der reine Haushaltstarif oder eine
Mischung aus ca. zwei Drittel Hoch- und einem Drittel Niedertarif
zuzüglich der Gebühren für den zweiten Zähler
und das Tarifsteuergerät.
Dann folgte der versöhnliche Ausklang. Es wurden eine ganze
Menge Lobbriefe von Kunden verlesen, die von dieser Marmorheizung
begeistert waren. Es ging teilweise um sehr gut
wärmegedämmte Neubauten, teilweise um Totalsanierungen
von Altbauten, also den Ersatz von Uraltheizungen durch die
elektrische Direktheizung, verbunden mit großflächigen
Isoliermaßnahmen oder mit der kompletten
Wärmedämmung der Aussenhülle.
Kaum einer der Fälle war aussagekräftig. Es seien in den
letzten 20 Jahren schon mehr als 20.000 dieser Heizungen eingebaut
worden.
Ich fürchte, für viele Nutzer hat es mit der ersten Stromrechnung ein böses Erwachen gegeben.
Kein Energiesparen mit dem "ecoboy"
Eine Besucherin unserer Beratungsstelle brachte ein Energiespargerät mit, den "ecoboy". "Sie schalten das Gerät vor Ihren Kühlschrank und sparen Strom", verspricht die Werbung. Der Stromsparer arbeitet wie ein Dimmer über eine elektronische Phasenanschnittsteuerung. Die Leistung des Kühlschrankmotors wird auf die Hälfte reduziert.
Wir haben unseren Verbrauchsmesser also hinter dem
"ecoboy" eingebaut. Gemessen haben wir jeweils drei Tage
lang, um wirklich genau zu sein. Das Ergebnis war eine
Punktlandung: 0,48 kWh verbrauchte unser Kühlschrank ohne
"ecoboy", der Verbrauch mit dem
"Spargerät" war gleich.
Das Ergebnis war vorhersehbar: Die halbe Leistung des Motors
bedeutet die doppelte Laufzeit. Logisch, dass der Verbrauch gleich
bleibt.
Ich habe der Frau unsere Messergebnisse schriftlich bestätigt.
Sie wird das Gerät zum Hersteller zurückschicken. Ich
hoffe, dass sie ihre 49,90 Euro zurückbekommt!
Energieberater Stefan Starke, Dipl.-Ing. Maschinenbau


