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Der Holzvergaser von Remagen
(12. März 2007) - Als Jürgen Horn aus Remagen kurz vor Weihnachten 2005 mal wieder die Ablesekarte des Gaswerkes ausfüllte und ihm wenige Tage später die nächste Gaspreiserhöhung ins Haus flatterte, wusste er, dass sich etwas ändern musste. Für sein Haus, Baujahr 1907, musste er künftig bei einem Verbrauch von jährlich 55.000 Kilowattstunden mit Kosten von satten 3.000 Euro und mehr rechnen.
Scheitholz statt Erdgas!
Nach einigen Wochen Recherche entschied sich Jürgen Horn zum Schritt in die Energieautonomie: Er kaufte sich einen Holzvergaser-Kessel für Scheitholz. Scheitholz kostet je Kilowattstunde nur drei Cent, Öl und Gas dagegen über sechs Cent, Tendenz stark steigend. Eine Anfangs in Betracht gezogene Anlage für Holzpellets kam aufgrund der wesentlich höheren Kosten für Anlage und Pellets nicht in Frage. Außerdem ist der Platzbedarf für die Pellets im Haus zu groß, das Scheitholz hingegen lässt sich auf dem Grundstück lagern.
Ein 15-Kilowatt-Holzvergaser für ein übliches Einfamilienhaus mit einem 1.000-Liter-Speicher ist, ohne Montage, für weniger als 6.000 Euro zu haben. Der Elektriker besorgte sich für sein Haus einen Kessel mit 30 Kilowatt Leistung und drei Pufferspeicher mit einem Gesamtvolumen von 2.300 Litern.
Pufferspeicher
Da ein Holzvergaser-Kessel den eingelegten Holzvorrat am Stück verbrennt, wird die vom Haus nicht sofort gebrauchte Wärme in den großen Wassertanks als Wärme gespeichert. Weil der Kessel das eingelegte Holz am Stück durchbrennen kann, liegt der Wirkungsgrad über 91 Prozent. Vorgeschrieben für Holzvergaser sind mindestens 50 Liter Wasserspeicher pro Kilowatt Kesselleistung. Besser sind aber 75 bis 100 Liter. Bei Herrn Horn sind das 2.300 Liter Wasser.
Anmerkung: In der Zeitschrift "Gebäudeenergieberater" Heft 05-2006 beschreibt Steffen Sabin wie eine optimierte Dimensionierung von Pufferspeichern für Scheitholzvergaserkessel möglich ist. Das Ergebnis seiner Untersuchung ist erschreckend: Mit der oft benutzten Beziehung "55 Liter Puffervolumen pro kW Kesselleistung" entsprechend der BAFA-Förderkriterien entsteht höchstens zufällig eine gut funktionierende und umweltverträgliche Heizungsanlage.
Wenn der 2.300 Liter Pufferspeicher auf 85 Grad erwärmt ist, gibt es beim Abkühlen auf 35 Grad 133 Kilowattstunden Wärme ab (2.300 kg x 1,16 Wh/kgK x 50 K = 133.400 Wh = 133 kWh). Diese Energiemenge entspricht dem Energiegehalt von rund 13 Litern Heizöl oder etwa 13 Kubikmetern Erdgas. Das reicht in der Übergangszeit, um das Haus einen Tag lang zu heizen. An sehr kalten Wintertagen braucht man täglich gut die doppelte bis dreifache Menge. Im Herbst und Frühjahr sowie an warmen Wintertagen reicht eine einmalige Füllung des Kessels für den gesamten Tagesbedarf aus. Bei den "einfachen" Holzkesseln kann eine solche Holzmenge nicht auf einmal eingefüllt werden.

Ein weiterer Vorteil, der die Entscheidung noch beschleunigte, war, dass ein befreundeter Gärtner einen großen Teil des benötigten Holzes kostenlos anliefert. In einem Vergaserkessel kann ohne Probleme auch das bei den meisten Kaminbesitzern verpönte Nadelholz verbrannt werden. Der Gärtner war froh, einen Abnehmer für den "Müll", der bei der Gartenpflege anfällt, gefunden zu haben. Es muss nur noch passend gesägt und gespalten werden. Für ofenfertiges Holz zahlt er je nach Sorte zwischen 40 und 50 Euro je Raummeter. Aufgrund der großen, 50 cm langen Scheite ist das fertige Holz wesentlich preiswerter als das kleine Kaminholz. Im Wald bekommt man Holz für etwa 35 Euro je Raummeter. Dieses Holz muss aber noch zersägt und transportiert werden. Jeder Raummeter Holz enthält etwa 1.500 Kilowattstunden.
Wenn Jürgen Horn 100 Prozent Holz kaufen muss, ergeben sich für seinen Verbrauch von 55.000 Kilowattstunden Heizkosten von maximal 1.650 Euro. Bis jetzt konnte die erste Heizperiode aber komplett mit dem "Abfal" der umliegenden Gärten abgedeckt werden! Die neue Anlage wurde an den bestehenden Gaskessel angeschlossen und der springt automatisch an, wenn die Wärme in den Puffern aus irgendeinem Grund nicht ausreicht. Dadurch ist auch eine Beheizung des Hauses bei Urlaub oder Krankheit des Hausherrn gesichert. Dafür wird die weiterhin fällige Grundgebühr des Gasversorgers in Kauf genommen. Der Zeitaufwand für das Heizen ist überschaubar: Nach fünf bis zehn Minuten ist der Kessel gefüllt. Dazu kommt noch die gelegentliche Reinigung alle paar Tage, die ebenfalls in wenigen Minuten durchgeführt ist.
Solaranlage
Da die gesamte Anlage von dem begabten Handwerker in Eigenleistung erstellt worden ist und die Pufferspeicher eh schon vorhanden waren, blieb noch Geld für eine Solaranlage mit einer Kollektorfläche von fast 15 Quadratmetern übrig, die das Haus in den sonnigen Zeiten mit kostenloser Energie versorgt. Aufgrund der riesigen Speicher und der großen Kollektorfläche sind im Sommer auch längere Schlechtwetterphasen möglich, ohne das für den Brauchwasserbedarf der Holzvorrat angegriffen werden muss, beziehungsweise die Gasheizung anspringt um den Speicher zu laden. Bilanz positiv Jürgen Horn hat etwa 17.000 Euro in Vergaserkessel, Speicher, Kamin und Solaranlage investiert und spart jährlich 2.500 Euro an Gaskosten. Neben geringeren Kosten hat er zusätzliche Sicherheit gewonnen. Denn er kann seinen Brennstoff selber speichern. Künftige Preissteigerung lassen ihn kalt.
Heizwerte verschiedener Hölzer im Vergleich.


