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Was kostet die Sonne?

Jedes installierte Solarmodul ist nicht nur ein Erfolg für die Erneuerbaren, sondern auch eine finanzielle Verpflichtung: Der produzierte Strom wird laut Gesetz 20 Jahre lang vergütet. Zur Höhe der Vergütung hier zwei Meinungen.

(14. Juli 2007) - Die deutsche Photovoltaikindustrie hat ein Wachstumstempo vorgelegt, das vor einigen Jahren wohl niemand erwartet hätte. Im Jahr 1996 sicherte Solarstrom noch weniger als 0,05 Prozent der deutschen Stromversorgung. Zehn Jahre später war es bereits das Achtfache: 0,4 Prozent. Das ist noch längst nicht alles: Solarstrom könnte sogar nennenswert zum Ersatz von Atomkraft beitragen.

Mehrkosten trägt der Stromverbraucher

Bislang ist Deutschland der mit weitem Abstand größte Photovoltaikmarkt der Welt. Nahezu die Hälfte aller in den letzten beiden Jahren weltweit neu in Betrieb genommenen Anlagen sind hierzulande ans Netz gegangen. Wenn die jährlich installierte Solarstromleistung im gleichen Tempo wächst wie in den vergangenen drei Jahren, hätte Deutschland zwar im Jahr 2010 den schönen Erfolg errungen, dass zwei Prozent des hier verbrauchten Stroms von der Sonne kommen. Doch gleichzeitig hätten alle bis dahin angeschlossenen Photovoltaikanlagen eine enorme Zahlungsverpflichtung verursacht: nach Berechnungen der Zeitschrift "Photon" insgesamt rund 150 Milliarden Euro. Die enorme Summe ist leicht zu erklären: wenn wie im vergangenen Jahr Solarstromanlagen mit einer Spitzenleistung von insgesamt 1.150 Megawatt neu installiert werden, erhalten die Betreiber innerhalb der Laufzeit von 20 Jahren eine Einspeisevergütung von etwa zehn Milliarden Euro (Überschlagsrechnung: Jährlich 1 TWh Einspeisung x 20 Jahre = 20 TWh x 0,50 Euro/kWh = 10 Mrd. Euro oder jährlich 500 Mio. Euro). Addiert man die anfallenden Einspeisevergütungen für ältere Anlagen und berücksichtigt die bisherigen Wachstumsraten, kommt man in der Summe bis zum Jahr 2010 auf 150 Milliarden Euro. Zieht man davon die Produktionskosten ab, die konventionell erzeugter Strom verursacht hätte, außerdem noch die vermiedenen Netznutzungsentgelte und bereinigt diese Summe um die voraussichtliche Inflationsrate, verbleiben lt. Photon noch zirka 77 Milliarden Euro.

Solarindustrie profitabler als Google

Muss die Vergütung so hoch sein? Lassen sich Photovoltaikanlagen nicht zu Preisen verkaufen, bei denen die Betreiber auch mit geringeren Einspeisetarifen ihr Auskommen haben? Bei der letzten Justierung der Tarife hielt man eine Absenkung der Vergütung um jährlich fünf Prozent für angemessen. Die Industrie erzielte jährlich Kostensenkungen von mindestens zehn Prozent. Dadurch entstand eine Schere zwischen Entwicklung von Kosten und Einspeisevergütung. Die Einspeisevergütung müsste in dem Maße gesenkt werden, wie sich die Herstellungskosten entwickelt haben. Dies sollte aber nur schrittweise geschehen. Nur dann kann sich die Solarindustrie anpassen und wird in ihrem rasanten Wachstum nicht gebremst. Insgesamt hat die Solarindustrie ihre durchschnittliche Umsatzrendite binnen zwei Jahren von 15 auf 30 Prozent verdoppelt.

Gegensteuern notwendig

Photon-Herausgeber Philippe Welter findet deshalb ein schnelles Gegensteuern unabdingbar: "Würde die Einspeisevergütung der Kostenentwicklung angepasst würde, hätte die Solarindustrie weiterhin die für Investitionen notwendigen Gewinnmargen. Und die vielen Milliarden Euro Förderung wären gut angelegt. Denn bereits im Jahr 2019 könnten fast 15 Prozent des deutschen Stroms aus Solaranlagen stammen."
Bernd Schüßler

Jeder Haushaltskunde zahlt derzeit mit jeder Kilowattstunde Strom 0,65 Cent für die Vergütung des gesamten aus Wind und Sonne eingespeisten Stroms. Das summiert sich je Haushalt auf 23 Euro jährlich. Zum Vergleich: Der Strom wird derzeit an Haushaltskunden um mindestens fünf Cent je Kilowattstunde zu teuer verkauft. Das macht je Haushalt eine jährliche Mehrbelastung von 175 Euro aus. Und summiert sich jährlich zu überhöhten Gewinnen der Stromwirtschaft zwischen zehn und zwanzig Milliarden Euro.

Hohe Gewinne steigern die Ausbau-Geschwindigkeit

Dazu Klaus von Fabeck, Solarenergie-Förderverein Aachen

Dass es in einem schnell wachsenden Markt punktuell hohe Gewinne durch momentane Engpässe gibt, ist völlig normal. Es ist sogar notwendig, denn die punktuellen Gewinne steigern die Ausbaugeschwindigkeit gerade bei den jeweiligen Engpassstellen und führen dazu, dass diese Engpässe rasch verschwinden. Wenn die Engpässe dann beseitigt sind, teilen sich die Gewinne wieder gleichmäßig auf alle Teilnehmer am Produktionsprozess auf.

Nur wenn eine hohe Gewinnspanne und damit ein hoher Gewinnanreiz bleibt, wird weiteres freies Kapital in die weitere Solaranlagenproduktion investiert. Es liegt nahe, dass dann auch die bisherigen Gewinne in den Ausbau der Solaranlagenproduktion fließen. Wenn der Gewinnanreiz aber sinkt - z. B. durch eine stärkere als bisher vorgesehene Absenkung der Einspeisevergütung im EEG, dann wird neues Kapital - und auch die bisherigen Gewinne der Solarsiliziumhersteller - an anderer Stelle des Wirtschaftslebens investiert; vielleicht sogar beim Bau von 40 neuen Kohlekraftwerken. Woher soll dann das Kapital für die weiteren Solarsiliziumproduktionsstätten kommen?

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