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Renewables 2004
Verbraucherschützer warnen vor Konferenz-Euphorie
Wende zu erneuerbaren Energien liegt noch vor uns! weiter lesen
Bundesrepublik: Windstrom befriedigt nur Mehrverbrauch
Effizienzerhöhung nicht thematisiert - Kurzfristiger Handlungsbedarf weiter lesen
Schlusserklärung: Überraschender Befreiungsschlag
Mit einem überraschenden Befreiungsschlag ging die Erneuerbare Energien-Konferenz in Bonn zu Ende. weiter lesen
Weltbank: Ein Prozent für Erneuerbare ist genug!
(3. Mai 2004) - Die Weltbank sagt eine Steigerung ihrer Ausgaben für Erneuerbare um jährlich zwanzig Prozent zu. Was sich gewaltig anhört, ist es in Wirklichkeit weit weniger.
Auf einer Pressekonferenz legt die Weltbank einige Zahlen auf den Tisch. Weltweit vergibt die Weltbank Mittel von 20 Mrd. Dollar. Davon werden 200 Millionen für Erneuerbare ausgegeben. Das ist ein Prozent.
Die zugesagte Steigerung um 20 Prozent jährlich bedeutet eine Verdoppelung auf zwei Prozent in den kommenden fünf Jahren.
O-Ton des Weltbank Generaldirektors Peter Woicke: "Die Förderung von Erneuerbaren muss übliche Kapitalmarktkriterien erfüllen. Denn sonst wären Erneuerbare nicht Nachhaltig."
Wie verbindlich darf es sein?
(3. Mai 2004) - Heftigen Streit im Plenum der Renewables gibt es um die Verbindlichkeit der politischen Schlusserklärung. Gibt es eine unverbindliche Erklärung auf dem kleinsten gemeinschaftlichen Nenner? Die Erklärung wurde bereits dreimal überarbeitet von dem erfahrenen Diplomaten Mohamed El Ashry. Aber auch die dritte Verfassung erlebt einen glatten Durchfall im Plenum. Den einen geht sie viel zu weit, den meisten ist sie jedoch zu unverbindlich. Sind Erneuerbare "eine wichtige Energiequelle der Zukunft" oder "die" wichtigste Energiequelle?
Ashry verspricht eine Überarbeitung der Schlusserklärung, die anspruchsvollen Erwartungen gerecht wird. Kanzler Schröder hatte in seiner Rede gesagt: "Gerade weil wir in Johannesburg nicht zu konkreten Zielvorgaben gekommen sind, habe ich zu dieser Konferenz nach Bonn eingeladen". Das wird als Arbeitsauftrag verstanden. Es genüge nicht, Dinge zur Kenntnis zu nehmen, ohne sich zu Aktionen zu verpflichten.
Diskussion gibt es auch im Detail darüber, ob grosse Staudämme zu den Erneuerbaren zu zählen sind usw.
Des Kanzlers Versprechen
(3. Juni 2004) - Am dritten Tag trifft sich das ganze Plenum, um Berichte entgegenzunehmen.
Klaus Töpfer, UNEP-Generalsekretär, fordert einen ökologischen Stabilitätspaket, der analog zum ökonomischen Stabilitätspakt funktionieren soll: Man legt gemeinsam Ziele fest, über deren Erreichung man dann Rechenschaft ablegt. "Wenn wir jetzt nicht investieren, müssen wir später noch viel mehr investieren".
Hama Amadou, Premierminister von Niger, wendet sich in einer persönlichen Rede an die Versammlung. Die Entwicklungsländer wollen nicht als Experimentierfeld betrachtet werden, sondern als gleichberechtigte Partner. Allein aus finanziellen Gründen kann sich die Entwicklungsländer keine Erneuerbaren leisten. Ohne Erneuerbare ist auf der anderen Seite keine wirtschaftliche Entwicklung möglich. Alle Zuschüsse der Weltbank an Nigeria werden gebraucht, um die Ölrechnung von Nigiria zu begleichen. Durch die hohen Energiepreise sind auch die Produktionskosten des Landes zu hoch, um international konkurrenzfähig zu sein. Die Welt kann nicht in Frieden leben, solange so viele Menschen hungern und in absoluter Armut leben. "Die Armut greift eines Tages den Reichtum an". Durch Erneuerbare ist ein Ausweg möglich. "Wir kamen mit großer Hoffnung nach Bonn. Wir erhoffen uns Unterstützung". Hier könnte es einen Auftakt zu einer solidarischeren und gerechteren Welt. "
Toni Blair wandte sich mit einer Videobotschaft an die Versammlung. Er unterstützt die Erneuerbaren, die auch zur Sicherung der Energieversorgung wichtig sei. Großbrittannien unternehme grosse Anstrengungen, um bis 2010 zehn Prozent Strom aus Erneuerbaren zu erzeugen.
Peter Woike von der Weltbank kündigt eine 20 Prozent-Steigerung der Weltbank-Ausgaben für Erneuerbare an. Die wird später von den Umweltgruppen als Mogelpackung kritisiert.
Margot Wallström, die EU-Umweltkommissarin, ruft zum gemeinsamen Handeln auf. "Es ist an der Zeit, die Richtung zu ändern. Denn sonst laufen wir im Kreis".
Dann der verspätete Auftritt von Bundeskanzler Schröder, der mit grosser Spannung erwartet wird.
"Es ist höchste Zeit, unseren Absichtserklärungen Taten folgen zu lassen. ..Wer Armut bekämpfen und Entwicklung ermöglichen will, muss in dezentrale, erneuerbare Energiequellen investieren. ...Einseitige Abhängigkeit vom Öl erhöht unsere Abhängigkeit gegenüber dem Terrorismus enorm". Schröder kündigt eine "Sonderfaziliät" für erneuerbare Energien und Energieeffizienz an. Mit einem Volumen bis zu 500 Mio. Euro sollen über fünf Jahre ab 2005 zinsverbilligte Darlehen in Entwicklungsländern vergeben werden. "Der effiziente Einsatz der Energieträger und der Ausbau erneuerbarer Energien sind die Doppelstrategie für weltweit nachhaltige Energieversorgung. Das ist unsere Antwort auf gestiegene Energiepreise. Ich bin sicher, dass wir erfolgreiche Volkswirtschaften in Zukunft auch danach beurteilen werden, wie gut sie diese Doppelstrategie beherzigen. "
Die Forderung nach einer internationalen Agentur für Erneuerbare unterstützt der Kanzler einerseits, weist andererseits darauf hin, dass über die Konkretisierung noch zu reden sei.
Der Tag der Techniker - Postionsfindung für den Regierungsteil
von J. Dobelmann
Tag 2, 8:00 Uhr NGO-Center Dahlmannstrasse Strategiebesprechung
der NGO-Teilnehmer Früh am Morgen begannt die durch
Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung geleitete
Strategiesitzung der NGO-Teilnehmer. Hierbei konnte seitens der
NGOs ein wichtiger Erfolg verbucht werden. Der von den NGOs auf die
Bonner Konferenz eingeladene Dr. Emil Salim (Author des Extractive
Industries Review der Weltbank) wird entgegen der
ursprünglichen Konferenzplanung auf unseren Druck am
Ministerial-Round Table teilnehmen. In seinem auf Wunsch des
Präsidenten Wolfensohn angefertigten und von der Weltbank noch
nicht akzeptierten Report fordert der ehemalige Indonesische
Umweltminister den Aussstieg der Weltbank aus fossilen
Energieprojekten, weil diese nichts für die Bekämpfung
der lokalen Armut bringen.
Ebenfalls geht hinter den Kulissen der Streit um die
abschließende politische Erklärung der Konferenz weiter.
Die USA, Japan, Brasilien und Frankreich sperren sich derzeit gegen
die Übernahme der Erklärung. Die Gründe dafür
sind je nach Interessenslage vielfältig, Atomkraft,
Großwasserkraft oder einfach ideologische Widerstände.
Es gibt noch viel zu tun.
9:00 Uhr Plenarsaal, die Stunde der Praktiker Nach der
Eröffnung des zweiten Tages durch Umweltminister Trittin,
schlug die Stunde der Techniker und Fachleute. Diese stellten
beispielhafte Projekte vor, die vor allem die Vertreter der
Regierungen zu konkreten Fragen anregten. Aus den darauffolgenden
Diskussionen konnte man entnehmen, dass sich ein echtes fachliches
Interesse bei den Regierungsvertretern eingestellt hat.
10:00 Uhr Pressezentrum, Pressekonferenz des BWE und des DNR Im
Pressezentrum des Konferenzgebäudes stellten der Bundesverband
Windenergie zusammen mit dem Deutschen Naturschutzring DNR
Richtlinien für eine umwelt- und naturschutzverträgliche
Auswahl von Windenergiestandorten vor. Eine uneingeschränkt
positive Sache, die den Akteuren im bei
Photovoltaik-Freiflächenanlagen ein gutes Beispiel für
Kooperation mit den Umweltverbänden sein sollte.
11:00 Uhr Pressezentrum, Pressekonferenz der UNEP Finance
Initiative In dieser Pressekonferenz wurden die Ergebnisse des
CEOBriefings der UNEP (Umweltorganisation der Vereinten Nationen)
on Renewable Energy vorgestellt. Hierbei hat ein Arbeitskreis von
Bankenvertretern Richtlinien und Hintergrundinformationen für
eine nachhaltige Aussrichtung der Investitionen erarbeitet. Das
Exellente Papier wurde von Thomas Loster von der Münchner
Rückversicherung vorgestellt. In seiner Rede legte er an Hand
der Schadensbilanzen der Münchner-Rück dar, dass sich die
Schäden durch Unwetterereignisse seit 1960 verdreifacht haben.
Die erlittenen finanziellen Schäden haben sich um den Faktor
5,5 gesteigert und die versicherten finanziellen Schäden sind
sogar um den Faktor 9,9 nach oben geschnellt. Ein definitiver
Beweis, dass der Klimawandel aktiv ist und immer größere
Wirtschaftliche Bedeutung besitzt.
11:00 Uhr Bundespräsident Rau eröffnet die Umweltwoche im Park des Palais Schaumburg. Zahlreiche vorbildliche Umweltprojekte präsentieren sich dem Präsidenten und den Zuschauern.

12:30 Uhr Strategiesitzung der NGO-Verbände des
Cures-Netzwerkes Zur Mittagszeit fand im e5 Business Cafe eine
Strategiesitzung der NGO-Verbände statt in der Festgelegt
wurde, dass zum Abschluss der Konferenz noch einmal Seitens der NGO
in einer abschließenden Pressekonferenz stellung bezogen
wird. Dann machten sich Steve Sawyer (Greenpeace) Catherine Pearson
(Friends of the Earth), Anthony Froggart (Journalist) und Jan Kai
Dobelmann (DGS) an die Arbeit, die bis zum 2 Tag der Konferenz
eingereichten 150 Actions des International Action Plans einer
ersten Bewertung zu unterziehen und diese an die Bundesregierung zu
überstellen.
14:30 Uhr Treffen ausgewählter NGO Vertreter mit Prof.
Töpfer (UNEP Director) Um 14:30 trafen vier GO-Vertreter,
Jürgen Maier (Forum Umwelt und Entwicklung), Richard
Worthington (Süd-Africa), Jan Kai Dobelmann (DGS) und ein
Vertreter des Jemen mit dem Direktor des United Nations
Environmental Programme zusammen. In dem Gespräch mit Prof.
Töpfer ging es um die wünsche von Umwelt-,
Entwicklungshilferoprganisationen oder technische
wissenschaftlicher Verbände an die UNEP. Prof. Töper
kündigte an, in seiner morgigen Rede einen
Stabilitätspakt für die Umwelt zu fordern, änhlich
des Stabilitätspaktes für den Euro. Ebenfalls unterstrich
er die Bedeutung von soft-technologies (Bildung, Schulung und
Wissenstransfer) bei erneuerbaren Energien. Prof. Töper
führte an, dass die Erneurbaren Energien aus Sicht der UNEP
längst das Statium Forschung und Entwicklung verlassen haben
und vollwertige Energiequellen sind. Bezüglich der schwelenden
Debatte um einer Weltagetur für Erneuerbare Energien
ähnlich der internationalen Atombehörde setzt er eher auf
konrete Lösungen wie kompetenzzentren und policy units. Denn
es gilt das machbare zu tun und den Prozess der breiten
Markteinführung erneuerbarer Energien zu beschleunigen.
15:30 Uhr China Day - Side Event der Chinesischen Delegation Unter
der Mitwirkung von Umweltminster Trittin und Steve Sawyer von
Greenpeace haben die Chinesen eine bemerkenswerte Veranstaltung
abgehalten in der sie ein klares Bekenntnis zu der Einführung
eines Erneuerbare Energien Gesetzes EEG in China abgaben. Diese ist
letzte Woche in den komplizierten legeslativen Prozess gegeben
worden und soll 2005 in Kraft treten. Ebenfalls bekennen die
Chinesen sich zu einem Target von 20% erneuerbarer Energie bis 2020
etwas, wie Steve Sawyer ausführte, zu dem die EU sich bis
heute nicht durchringen konnte.
17:00 Der "Tag der Geothermie" wird abgeschlossen durch die
Unterzeichnung eines Abkommens zur Erschließung der
Erdwärme.
17:00 Uhr Abschlussveranstaltung des UNEP Finance Forums im Post
Tower UNEP Director Töpfer moderierte die
Abschlussveranstaltung des Finance Forums mit Umweltminister
Trittin, der Post-Umweltdirektoren Wulf-Matthis und des
Weltbank-Direktors Woicke. Hier wurde noch einmal die Wichtigkeit
des Finanzsektors für Erneuerbare Energien verdeutlicht und
seitens der Finanzwelt ein klares Commitment zu Mitarbeit
abgegeben.
17:30 Uhr CURES Side-Event Renewable Energies and Poverty Reduction
Der abschließende Side-Event des Tages war auch der am besten
besetzte. Dr. Salim (Autor des Extractive Industry Reviews von der
Weltbank), Peter Hlobil (Bankwatch), Claudia Warnicke (Venro) und
Oliver Deluze (UNEP) diskutierten über das Thema erneuerbare
Energien zur Armutsbekämpfung. Hier konnte ganz klar der
Schluss gezogen werden, das fossile Energieprojekte wenig bis gar
nichts für die arme Bevölkerung bereitgestellt haben.
Erneuerbare Energieprojekt hingegen haben vielerorts schon
erhebliche Erfolge im Bereich der Armutsbekämpfung erreicht.
Ein weiterer Grund für diese Konferenz.
Geht es schnell genug?
(1. Mai 2004) - Am Nachmittag gab es Nachschlag im Stakeholder-Dialog der Renewables 2004 in Bonn. Dabei ging es dann zur Sache.

Die Regierungsdelegation von Dänemark fragte, ob die Steinkohlesubventionen Deutschlands einziger Beitrag zu Erneuerbaren wären. Will sagen: Bedauerlicherweise hatte es Deutschland versäumt, sowohl sein Engagement als auch seine weltweit anerkannten Erfolge in der Eröffnungsrunde den Teilnehmern zu vermitteln. Minister Trittin erwähnte, dass von den zweimal fünfhundert von Kanzler Schröder in Johannesburg versprochenen Millionen (500 Millionen für Erneuerbare in Entwicklungsländern, 500 Millionen für Energieeffizienz) bereits 200 Millionen Euro aufgebracht seien.
Eine Mehrheit von Entwicklungsländern und Beteiligtengruppen vermissten den notwendigen Schwung beim Umstieg in die Erneuerbaren. O-Ton: "Es muss doch möglich sein, wenn sich alle einig sind, hier mehr als reine Absichtserklärungen abzugeben".
Über folgende Punkte bestand weitgehend Einvernehmen:
- Die derzeitigen Subventionen für nichterneuerbare müssen den Erneuerbaren zugute kommen. Damit werden erst lediglich die Startnachteile der Erneuerbaren ausgeglichen.
- Die Forschungsmittel für Erneuerbare müssen um den Faktor zehn wachsen. Immer noch gehen die meisten Forschungsmittel weltweit in nukleare und fossile Energien.
- Entwicklungshilfe muss mit der Förderung Erneuerbarer verknüpft werden.
- Erneuerbare werden auf örtlicher Ebene verwirklicht.
- Es bedarf stabiler Rahmenbedingungen und verlässlicher Zielsetzungen, damit investiert wird.
- Verbraucher, Gewerkschaften, sozial Schwache und Frauen, kurz die benachteiligten Gruppen, müssen aktiv für Erneuerbare gewonnen werden. Denn die Erneuerbaren können bestehende Benachteiligungen abbauen.
Die OECD-Staaten äußerten sich auffallend zurückhaltend zu diesen Erwartungen.
Insbesonder von den sehr armen Staaten erwartet man viel von den Erneuerbaren. Die steigende Ölrechnung dieser Länder raubt ihnen jede Chance wirtschaftlicher Entwicklung.

Die US-Delegation hab die Vorteile einer Effizienzstrategie hervor: Das kostet am wenigsten und bringt am meisten.
John Geesman von der Kalifornischen Energiekommission

berichtet von einem Zusammenschluss von 12 US-Bundesstaaten zur Förderung Erneuerbarer . Kalifornien hat sich für 2010 ein Ziel von 20 Prozent Erneuerbarer vorgenommen, Arnold Schwarzenegger will bis 2020 sogar 33 Prozent erreichen. "Vor 228 Jahren haben sich 13 US-Staaten zu Abschaffung der Sklaverei zusammengeschlossen. Wir wissen, was daraus entstanden ist. Mit demselben Elan gehen wir jetzt an die Erneuerbaren. Gemeinsam können wir die Welt verändern."


So schön kann erneuerbare Energie sein!
Means solar profit?
(1. Juni 2004) - Die Eröffnung und die erste Runde des sog. "Stakeholder Dialogs" sind gelaufen. Artige Begrüßungsworte von zwei Ministern. Der Plenarsaal des Bundestages ist brechend voll mit den Delegierten aus aller Welt. Über den deutschen Erfolg bei der Einführung Erneuerbarer wird nicht gesprochen. Auch nicht darüber, gegen welche Widerstände dieser Erfolg zu erkämpfen war.
Man gewinnt den Eindruck, alle seien sich einig über die Notwendigkeit der Energiewende. Doch dann kommen wieder das Lob der Erneuerbaren, die man gerne Fördern wolle, wenn sie nur nicht so teuer wären. E.on und Daimler sind auf der Begleitausstellung, organisiert durch die DENA dominant. Da kommt wieder der Ausspruch des E.on-Vorstandes in Erinnerung: "Wir sind noch Sonnen- und Lichtjahre vom Solarzeitalter entfernt" geäußert öffentlich vor einem Monat in München.
Die Konflikte und Probleme bei der Durchsetzung der Solarenergie werden nicht herausgearbeitet und benannt, sondern beschwichtigt und unter den Teppich gekehrt. So mag nach der Euphorie über die Möglichkeiten der Solarenergie allzuschnell die Ernüchterung folgen, dass in Wirklichkeit doch alles anders aussieht.
Doch so wird es dann doch wohl nicht laufen hier in Bonn. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht.
Wir halten Sie auf dem laufenden. Die Bilder vom heutigen Tag bekommen Sie gerne nachgeliefert.
Vorbereitung auf Hochtouren

(31. Mai 2004) - Am Tag vor dem Konferenzbeginn bereiten sich die verschiedenen Gruppen von Betroffenen ("Stackeholder") auf die Konferenz vor. Die Konferenz organisiert erstmal in dieser Form systematisch den Dialog zwischen Interessengruppen und den Regierungsdelegationen. Der erste Konferenztag ist diesem Dialog gewidmet.
Eine der Stackeholder-Gruppen sind die
Nichtregierungsorganisationen, das vom CURES-Netzwerk organisiert
wird. Das CURES-Netzwerk (Citizens United for Renewable Energy
and Sustainability) ist ein über 300 Organisationen starkes
Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen, die sich unter der
CURES-Erklärung www.cures-network.de mit dem Ziel
zusammengeschlossen haben eine nachhaltige und
sozialverträgliche Umstrukturierung der globalen
Energieversorgung hin zu 100% erneuerbare Energien zu
erreichen.
Das NGO Treffen wurde von Jürgen Maier vom Forum Umwelt und
Entwicklung eröffnet, der noch einmal den langen Weg von der
unbefriedigenden UN-Konferenz in Johannesburg zu der heutigen
Bonner-Konferenz beschrieb, die ausdrücklich nicht im
rechtlichen Rahmen der Vereinten Nationen angesiedelt ist. Hierbei
wurde ganz deutlich, dass der Vorteil der Bonner Konferenz, nicht
wie in der UN üblich durch den langsamsten das Tempo bestimmen
zu lassen, auch ein gefährlicher Nachteil sein kann.
Schließlich könnte durch unkoordinierte nationale
Alleingänge oder auch publikumswirksame öffentliche
Ausstiege ein zerrissenes Bild entstehen und damit der globalen
Einführung erneuerbarer Energien ein Bärendienst erwiesen
werden.
Steve Sawyer (USA) der Policy Director von Greenpeace International
ging in der Folge auf die bereits als Entwurf der
Konferenzorganisatoren kursierenden "Policy Recommendations for Renewable Energies "
ein.
Für ihn liegt der Schlüssel der Konferenz in der globalen
Akzeptanz des Slogans "The Future is Renewable" unter Regierungen
und in dessen Umsetzung in konkreten Projekten. Erneuerbare
Energien schaffen derzeit die unglaubliche Chance einer gemeinsamen
und gleichen Kooperation zwischen Entwicklungsländern und
Industrienationen. Nach den Worten Sawyers muss die Bonner
Konferenz erreichen, dass Regierungen sich den Realitäten der
Welt stellen und ihre nationalen Energiepolitiken neu an den
Möglichkeiten erneuerbarer Energien ausrichten.
Als nächstes wurde im Kreis der NGOs ausführlich
über das von Jennifer Morgan, Climate Change Director
WWF-International, angestoßene Thema von konkreten
Quotenfestsetzungen zu erneuerbaren Energien diskutiert. Im Rahmen
der zum Teil kontroversen Diskussion wurden die zum Teil sehr
unterschiedlichen Standpunkte der Nationen und Regionen unseres
Globus klar. Während sich die Europäer vehement
darüber beklagten, dass sich die Europäische Kommission
geweigert hatte im Vorfeld der Renewables2004 für 2020 eine
25%-Quote für Erneuerbare Energien einzusetzen, wiesen
Delegierte aus Latein-Amerika darauf hin, dass sie bereits bei 23%
liegen und ihre Regierungen bei einer solchen Quote sich gelassen
zurücklegen würden, anstatt den Ausbau erneuerbarer
Energien wie notwendig vehement zu fördern.

Erschwert wurde die Konsensfindung durch die von Afrikanischen
und Indischen Delegierten angeführte Tatsache, dass
Länder wie Mali derzeit bei nationalen Versorgungsquoten in
der Elektrizität von nur 5% fast 90% erneuerbare Energien
aufweisen. Sollte es also zu keiner grundlegenden Umstrukturierung
der Energiewirtschaft in diesen Ländern kommen, werden die
Armen, nicht am Stromnetz beteiligten weiterhin abgeschrieben
werden. Dieser ca. 2 Milliarden starken Gruppe von Menschen nutzen
netzbezogene Targets nichts. Wie man sieht, ist die globale
Gemengelage auch bei den NGOs komplizierter, als das hier auf den
ersten Blick eine einfache Lösung angeboten werden kann. Nun
liegt es an den teilnehmenden 1.200 Delegierten, 1.100 Observern,
350 Parlamentariern und 700 Journalisten der Renewables2004 hieraus
ein erfolgreiches Event zu machen. Mit den vorliegenden "Policy Recommendations for Renewable Energies "
wurde aus Sicht der NGOs bereits ein richtiger, wenn auch noch
verbesserungswürdiger Schritt unternommen.

Zwischen 1992 und 2003 ist die Windenergie um 3.000 Prozent gewachsen, PV um über 2.000 Prozent. Das entspricht jährlichen Zuwächsen von 30 Prozent beim Wind und 22 Prozent bei PV.

Wachstum der weltweiten PV-Kapazität. Details hier.

Die Investitionen in erneuerbare Energien haben sich seit 1995 mehr als verdreifacht.
Weitere Informationen hier.

Hermann Scheer: "Zehn Hindernisse, die es auf dem Weg in eine erneuerbare Zukunft zu überwinden gilt"
- Die Konsensfalle überwinden: Der schwächere Spieler ist der Verlierer, mit ihm gibt es keinen Konsens. Bei allen strukturellen Änderungen gibt es Verlierer und Gewinner.
- Die Erneuerbaren darf man nicht den konventionellen Energieunternehmen überlassen. Denn die haben daran kein Interesse.
- Die Subventionslüge überwinden: Das konventionelle Energiesystem wird mit jährlich 500 Milliarden Dollar subventioniert. Hinzu kommen jährliche 250 Milliarden an Steuervergünstigungen für den Luft- und Schiffsverkehr. Gemessen daran werden die Erneuerbaren auch heute noch benachteiligt.
- Überwinden der Auffassung, dass Erneuerbare eine Belastung darstellen. Fossile Energieträger haben keine Zukunftschance.
- Überwinden des Minderwertigkeitskomplexes der Branche der Erneuerbaren. Sie benehmen sich heute noch wie geduldete Bettler. Dabei handelt es sich um leistungsfähig Firmen, in deren Händen die Zukunft liegt.
- Überwinden des Denkens in den Kyoto-Schranken. Das Kyoto-Protokoll zielt auf eine Verminderung von fünf Prozent bis 2015. Aus Gründen des Klimaschutzes sind jedoch 60 Prozent erforderlich.
- Überwinden der Schranken der internationalen Organisationen.
- Vergleiche von Energiesystemen müssen umfassend sein. Der Vergleich von Investitionskosten ist zu oberflächlich. Man muss die Gesamtsystem vergleichen.
- Die Geschwindigkeitslüge überwinden. Um ein Atomkraftwerk zu bauen, braucht man zehn Jahre. Für eine Windkraftanlage braucht man eine Woche, für ein PV-Anlage nur Stunden. Durch ihre Modularität lassen sich Erneuerbare schnell errichten.
- Neue Allianzen suchen und finden: Es gibt eine immer größer werdende Gruppe von Gewinnern durch Erneuerbare. Die Windkrafbranche ist bereits heute der zweitgrößte Stahlverbraucher im Land.
Nur wenn die Umstellung auf Erneuerbare rechtzeitig geschieht, kann verhindert werden, dass das fossile System einen Schatten auf uns alle wirft.
Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul: Erneuerbare entlasten die Ölrechnung der Entwicklungsländer
(30. Mai 2004) - Nur vier Prozent der jährlichen
Energieinvestitionen in Höhe von weltweit jährlich 500
Milliarden Dollar würden für erneuerbare Energien
ausgegeben werden, kritisierte Entwicklungshilfeministerin auf dem
Bonner Weltforum für Erneuerbare Energien. Die steigenden
Ölpreise hätte die Ölrechnung der
Entwicklungsländer um 60 Milliarden Dollar erhöht. Das
entspreche etwa der Höhe der weltweiten
Entwicklungszusammenarbeit.

Die Konferenz Renewables 2004 hat drei Ziele, so die Ministerin:
- Eine politische Erklärung fixiert die gemeinsamen Visionen aller Teilnehmer,
- Aus den nationalen Programmen der Teilnehmerländer wird ein gemeinsames Aktionsprogramm entstehen
- Es wird Empfehlungen geben für ein eine Politik zugunsten erneuerbarer Energien.
Bereits 143 Staaten hätten ihre Teilnahme an der Konferenz zugesagt.
Flavin: Renewables ist wichtigstes Solarereignis des Jahres 2004
Christopher Flavin, der Präsident des World Watch Instituts in
Washington wurde auf derzeit in Bonn stattfindenden Weltforums
für Erneuerbare Energien nach den wichtigsten Ereignissen
für die Solarenergie gefragt. Für das Vorjahr bezeichnete
Flavin den Eintritt Chinas in das Solarzeitalter als das wichtigste
Ereignis.Bei den thermischen Anlagen liege China bereits heute
weltweit an der Spitze. Und auch bei PV sei ein rascher Einstieg zu
erwarten, weil der gewaltige Energiebedarf dies erzwinge.

Das wichtigste Solarereignis des Jahres 2004 sei ganz ohne Zweifel die Konferenz "Renewables 2004" in Bonn.
Hermann Scheer bei der Eröffnung des zweiten Weltforums für erneuerbare Energien in Bonn:
Umweltminister Jürgen Trittin: "Ich bin als Minister für erneuerbare Energien und für Atomenergie zuständig. Damit bin ich für 38 Prozent der Stromversorgung zuständig. Ich will von diesem Prozentsatz nichts hergeben, auch wenn wir aus der Atomenergie ausgestiegen sind."

Peter Droege: "Die Erde ist solarbetrieben, nur unsere Städte sind es nicht".
Bonner Umweltziele
(22. Mai 2004) - Bis 2015 sollen 1 Mrd. Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu erneuerbaren Energien bekommen. Dieses Ziel soll nach dem Willen der Bundesregierung auf der internationalen Konferenz für erneuerbare Energien "Renewables 2004" vom 1. bis zum 4. Juni in Bonn beschlossen werden, so Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wiezcorek-Zeul.
Heute hätten mit 2,2 Mrd. Menschen rund ein Drittel der Weltbevölkerung keinen Zugang zu moderner Energie. In Bonn werden 2000 Delegierte erwartet, darunter 75 Minister und 103 Regierungsdelegationen aus aller Welt. Sie sollen ein internationales Aktionsprogramm zur Förderung erneuerbarer Energien mit konkreten Maßnahmen, Ausbauzielen und Verpflichtungen einzelner Länder und Regionen und eine "Deklaration von Bonn" erarbeiten.
Der Bund der Energieverbraucher gehört zum Kreis der an der Konferenz teilnehmenden Delegationen.

