Des Kanzlers Versprechen
(3. Juni 2004) - Am dritten Tag trifft sich das ganze Plenum, um Berichte entgegenzunehmen.
Klaus Töpfer, UNEP-Generalsekretär, fordert einen ökologischen Stabilitätspaket, der analog zum ökonomischen Stabilitätspakt funktionieren soll: Man legt gemeinsam Ziele fest, über deren Erreichung man dann Rechenschaft ablegt. "Wenn wir jetzt nicht investieren, müssen wir später noch viel mehr investieren".
Hama Amadou, Premierminister von Niger, wendet sich in einer persönlichen Rede an die Versammlung. Die Entwicklungsländer wollen nicht als Experimentierfeld betrachtet werden, sondern als gleichberechtigte Partner. Allein aus finanziellen Gründen kann sich die Entwicklungsländer keine Erneuerbaren leisten. Ohne Erneuerbare ist auf der anderen Seite keine wirtschaftliche Entwicklung möglich. Alle Zuschüsse der Weltbank an Nigeria werden gebraucht, um die Ölrechnung von Nigiria zu begleichen. Durch die hohen Energiepreise sind auch die Produktionskosten des Landes zu hoch, um international konkurrenzfähig zu sein. Die Welt kann nicht in Frieden leben, solange so viele Menschen hungern und in absoluter Armut leben. "Die Armut greift eines Tages den Reichtum an". Durch Erneuerbare ist ein Ausweg möglich. "Wir kamen mit großer Hoffnung nach Bonn. Wir erhoffen uns Unterstützung". Hier könnte es einen Auftakt zu einer solidarischeren und gerechteren Welt. "
Toni Blair wandte sich mit einer Videobotschaft an die Versammlung. Er unterstützt die Erneuerbaren, die auch zur Sicherung der Energieversorgung wichtig sei. Großbrittannien unternehme grosse Anstrengungen, um bis 2010 zehn Prozent Strom aus Erneuerbaren zu erzeugen.
Peter Woike von der Weltbank kündigt eine 20 Prozent-Steigerung der Weltbank-Ausgaben für Erneuerbare an. Die wird später von den Umweltgruppen als Mogelpackung kritisiert.
Margot Wallström, die EU-Umweltkommissarin, ruft zum gemeinsamen Handeln auf. "Es ist an der Zeit, die Richtung zu ändern. Denn sonst laufen wir im Kreis".
Dann der verspätete Auftritt von Bundeskanzler Schröder, der mit grosser Spannung erwartet wird.
"Es ist höchste Zeit, unseren Absichtserklärungen Taten folgen zu lassen. ..Wer Armut bekämpfen und Entwicklung ermöglichen will, muss in dezentrale, erneuerbare Energiequellen investieren. ...Einseitige Abhängigkeit vom Öl erhöht unsere Abhängigkeit gegenüber dem Terrorismus enorm". Schröder kündigt eine "Sonderfaziliät" für erneuerbare Energien und Energieeffizienz an. Mit einem Volumen bis zu 500 Mio. Euro sollen über fünf Jahre ab 2005 zinsverbilligte Darlehen in Entwicklungsländern vergeben werden. "Der effiziente Einsatz der Energieträger und der Ausbau erneuerbarer Energien sind die Doppelstrategie für weltweit nachhaltige Energieversorgung. Das ist unsere Antwort auf gestiegene Energiepreise. Ich bin sicher, dass wir erfolgreiche Volkswirtschaften in Zukunft auch danach beurteilen werden, wie gut sie diese Doppelstrategie beherzigen. "
Die Forderung nach einer internationalen Agentur für Erneuerbare unterstützt der Kanzler einerseits, weist andererseits darauf hin, dass über die Konkretisierung noch zu reden sei.