Verbraucherschützer warnen vor Konferenz-Euphorie:
"Wende zu erneuerbaren Energien liegt noch vor uns!"
(7. Juni 2004) "Die Wende zu erneuerbaren Energien ist noch
nicht geschafft, auch nicht durch die Bonner Konferenz. Statt
Bekenntnissen brauchen die erneuerbaren Energien gleichberechtigte
Wettbewerbsbedingungen und einen sorgsameren Umgang mit Energie.
Davon sind wir noch weit entfernt", kommentierte Aribert
Peters, der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, die
Bonner Konferenz. Als Mitglied des Weltverbraucherbundes
"Consumers International" hatte auch der Bund der
Energieverbraucher wie viele andere Bürger-, Umwelt- und
Industrieorganisationen an der Konferenz teilgenommen.
Faire Wettbewerbschancen angemahnt
Die Forderung fast aller Konferenzteilnehmer nach fairen
Wettbewerbschancen für erneuerbare Energien ist noch sehr weit
von der Wirklichkeit entfernt: Noch immer entfallen weltweit mehr
als neunzig Prozent aller Investitionen, Subventionen und
Forschungsmittel auf Öl, Gas, Kohle und Atomenergie. Die
Konferenz hat diesen zentralen Webfehler derzeitiger Energiepolitik
benannt. Eine Kurskorrektur ist jedoch weder weltweit noch in
Deutschland zu erkennen. Sie wird massiv behindert durch die
Interessen der etablierten Energiewirtschaft. Auf der Tagung wurde
dieser Konflikt nicht thematisiert oder bearbeitet.
Weitermachen wie bisher reicht nicht
Die Konferenz hat den Zusammenhang zwischen Armut,
Entwicklungsrückstand und Energieversorgung unübersehbar
gemacht. Und die dringende Notwendigkeit zum Handeln verdeutlicht,
aus Gründen des Umweltschutzes, der Versorgungssicherheit, des
Weltfriedens und der Armutsbekämpfung. Heidemarie
Wieczorek-Zeul: "Täglich verhungern 24.000 Menschen.
Weitermachen wie bisher reicht nicht aus. ...Das Energieproblem
steht im Zentrum der großn politischen Herausforderungen
dieses Jahrhunderts". Die armen Länder, die am
dringendsten auf erneuerbare Energien angewiesen sind, können
sich die notwendigen Investitionen nicht leisten. Und die reichen
Länder verweigern ihnen die Mittel dafür. Symptomatisch
dafür steht die Weltbank, die gerade ein Prozent ihrer Mittel
in erneuerbare Energien investiert. Weltbank-Chef Woitke:
"Auch erneuerbare Energien müssen sich finanziell
rentieren, sonst wären sie nicht nachhaltig". Die
Weltbank will in den kommenden fünf Jahren ihre Investitionen
in erneuerbare Energien von ein auf zwei Prozent verdoppeln.
Aktionsplan unzureichend
Einen nennenswerten Beitrag liefern erneuerbare Energien derzeit
weltweit nicht, insbesondere im Vergleich zum rasch steigenden
Energieverbrauch. Daran kann sich auch nichts ändern, wenn die
Entwicklung wie bisher weitergeht. Der von der Konferenz
beschlossene Aktionsplan und die politische Erklärung gehen
nur wenig über das "Business as usual" hinaus. Hier
kann man keinesfalls von einem großn Durchbruch sprechen. Die
Konferenz hat die Notwendigkeit zu einer Kurskorrektur
unübersehbar gemacht. Derzeit geht es aber noch im alten Trott
weiter. Die EU-Umweltkommissarin Margot Wallström mahnte:
"Wenn man die Richtung nicht ändert, läuft man immer
im Kreis".