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Teure Meeresriesen
(15. März 2006) - Um die Windverhältnisse vor der Küste genau zu erkunden, wurde im Jahre 2003 in der Nordsee in der Nähe der Insel Borkum ein etwa 100 Meter hoher Mast errichtet, die Forschungsplattform FINO 1. Die Messergebnisse ermutigen die Anlagenplaner. Die mittlere Windgeschwindigkeit beträgt in 100 Metern Höhe etwa zehn Meter pro Sekunde oder 36 Stundenkilometer. Während mehr als 91 Prozent des Jahres (8.000 Stunden) ist die Windkraft nutzbar. Die Zahl der Volllaststunden ist mit 4.500 Stunden etwa doppelt so hoch wie auf dem Land üblich. In der Nähe von FINO 1 ist das erste Testfeld für Offshore-Windanlagen in Vorbereitung. Eine zweite Forschungsplattform geht in diesem Jahr in der Ostsee vor Rügen in Betrieb. Auch Stürme wurden gemessen. In den Stürmen drehte der Wind mitunter um 90 Grad. Wenn die Windrichtungsnachführung einer Anlage ausfällt, können diese Richtungsänderungen eine Anlage schnell zerstören.
Träger der Forschungsplattform ist die deutsche Off- Shore-Striftung, die 2005 von Anlagenherstellern, Energiekonzernen, Banken und Versicherungen gegründet wurde. Bisher gibt es in Deutschland nur eine so genannte Near-Shore-Anlage, die mit 4,5 Megawatt Leistung im Herbst 2004 in der Nähe des Emdener Hafens in Betrieb ging. Eine 2,5 Megawatt-Anlage wurde 500 Meter vor dem Hafen von Rostock errichtet. Insgesamt sind gut drei Dutzend Off-Shore-Projekte mit einer Gesamtleistung von 70.000 Megawatt beantragt worden. Elf Vorhaben hat das Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie bereits genehmigt.
Auf gut 690 Megawatt Leistung summieren sich die bereits installierten Off-Shore-Kapazitäten in den anderen europäischen Ländern. In den nächsten zwei Jahren wird es allenfalls zwei neue Off-Shore-Parks geben, darunter 36 Anlagen der 3-Megawatt-Klasse des Shell-Konzerns vor der niederländischen Küste.
In Deutschland sind wegen des Nationalparks Wattenmeer nur Anlagen in mindestens 30 Kilometern Entfernung und mehr als 30 Metern Wassertiefe möglich. Das treibt die Infrastrukturkosten hoch. Deshalb rentieren sich dort nur ganz große Maschinen. Mit Anlagen dieser Größe macht man erst jetzt erste Erfahrungen mit Bau und Betrieb. Dafür eignet sich das Testfeld in der Nähe von Borkum, wo Enercon acht Anlagen der 6-Megawatt-Klasse installieren will. REpower und Multibrid testen ihre erste 5-Megawatt-Anlagen. Aber auch Projekte in der Ostsee sind in der Planung und könnten sogar die ersten deutschen Off-Shore-Windparks werden.
Mit Investitionskosten von 1.000 Euro je Kilowatt installierter Leistung sind Windmühlen auf dem Festland halb so teuer wie Off-Shore-Anlagen mit gut 2.000 Euro je Kilowattstunde. Auch der Mehrertrag der Meeresriesen kann die höheren Kosten kaum ausgleichen.



