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"solar-home": Erneuerbare Energie zum kleinen Preis
In Bangladesch wurde ein Modell für die ländliche Elektrifizierung mit erneuerbaren Energien entwickelt Weltweit steigt auch in den ländlichen, strukturschwachen Regionen ohne Anbindung an das Stromnetz der Energiebedarf.
(26. August 2004) - Konventionelle Energieträger wie
Petroleum und Kerosin, aber auch aufladbare Autobatterien, spielen
eine immer wichtigere Rolle. Deshalb sind Modelle notwendig, die
ressourcenschonend und angepasst den menschlichen Bedarf an Energie
decken. Als ein mögliches Modell der ländlichen
Elektrifizierung gilt das Unternehmen Grameen Shakti in
Bangladesch.
Bangladesch ist mit knapp 140 Millionen Einwohnern und einer
Bevölkerungsdichte von etwa 950 Personen pro Quadratkilometer
der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Welt.
Landwirtschaft und Textilindustrie bestimmen die schwache, von
Armut geprägte Volkswirtschaft. Lediglich 30 Prozent der
gesamten Bevölkerung haben Anschluss an das
Elektrizitätsnetz, das sich auf städtische Regionen
konzentriert. Auf dem Lande werden in großem Maße
Dieselgeneratoren, aufladbare Batterien und Kerosinlampen zur
Energieversorgung genutzt.
Dort, wo es noch möglich ist, wird mit Holz gekocht, aber auch hier müssen immer mehr Menschen auf Butangas und Kerosin als Brennstoff zurückgreifen. Die laufenden Energiekosten spielen in dem Etat der Familien eine immer größere Rolle. Dieser durch eine dezentrale Energieversorgung geprägte Bereich ist typisch für strukturschwache Regionen und wird als Mikroenergie-Sektor bezeichnet.
Grameen Shakti heißt Dorfenergie
Der Energieversorgung in diesen nicht an das nationale Stromnetz
angeschlossenen Gebieten widmet sich seit 1996 das
Non-Profit-Energie-Unternehmen Grameen Shakti.
Die Firma ist ein Tochterunternehmen der international anerkannten
Grameen Bank, die seit vielen Jahren über ein breites Netzwerk
an Filialen Kleinstkredite an die arme Bevölkerung,
insbesondere Frauen, vergibt. Hier entstand die Idee einer
ländlichen Elektrifizierung auf der Basis erneuerbarer
Energien. Den Menschen vor Ort werden sogenannte Solar Home Systems
zur Lösung ihrer Energieprobleme angeboten. Zusätzlich
bietet das Unternehmen die Möglichkeit einer Mikrofinanzierung
an.
Heute ist Grameen Shakti unabhängig von der Grameen Bank und
vertreibt über ein Netz von mehr als 100 eigenen Filialen
Solar Home Systems. Das System ist dem Bedarf angepasst und durch
die Nutzung von Solarzellen von konventionellen Energieträgern
unabhängig. Der Strom wird vornehmlich im häuslichen
Bereich für die Beleuchtung und den Betrieb von Fernseher oder
Radio eingesetzt.
Auch im gewerblichen Bereich finden die Systeme Anwendung. So
werden Mobiltelefone, Lötkolben und andere Kleingeräte
betrieben. Die Ersparnisse, die sich durch die dauerhafte
Substitution der konventionellen Energieträger ergeben, und
die Einnahmen aus der gewerblichen Nutzung werden zur Zahlung der
Kreditraten hinzugezogen. Eurosolar verlieh den Europäischen
Solarpreis 2003 in der Kategorie Sonderpreis für
außereuropäische Zusammenarbeit an Grameen Shakti.
Mit dem Erwerb eines Solar Home System bekommt der Kunde von
Grameen Shakti nicht nur das technische System. Das gesamte Produkt
besteht aus einem Paket von Finanzierung, Installation, Schulung
und einer Wartungs- und Instandhaltungsgarantie vor Ort von drei
Jahren. Das Standardsystem hat eine Leistung von 50 Watt und einen
marktüblichen Preis von ungefähr 400 Euro. Bei einer
Laufzeit von zwei bis drei Jahren liegt die monatliche
Finanzierungsrate bei etwa zehn Euro und die Anzahlung zwischen 50
und 60 Euro. Aufgrund dieser kleinen Beträge spricht man von
Mikrofinanzierung.
Ohne Subventionen
Die Kunden gehören vornehmlich einer dörflichen Mittel- und Oberschicht an. In den Haushalten existieren in den meisten Fällen schon Batterien und Lampen. Das System steigert die Lebensqualität im häuslichen Bereich erheblich. Bis November 2003 sind knapp 19000 Systeme verkauft worden. Grameen Shakti finanziert sich als Non-Profit-Unternehmen über die eigenen Einnahmen im operativen Geschäft und ist nicht auf dauerhafte Subventionen angewiesen. Dadurch ist es der Firma möglich, weitestgehend unabhängig unternehmerisch tätig zu sein. Der Erfolg des Modells beruht auf dem hohen Bedarf an Elektrifizierung in ländlichen Regionen, der Mikrofinanzierung und dem umfassenden Service, der den richtigen Einsatz und damit den dauerhaften Nutzen für den Kunden garantiert.Durch die Tätigkeit von Grameen Shakti ist es den Kunden möglich, sich unabhängig von zentralen und damit staatlichen Lösungen der Energieversorgung zu machen und sich dadurch aus einer Wartehaltung gegenüber dem Staat zu emanzipieren. Die Nutzung von Sonnenenergie bewirkt sowohl lokal als auch global eine Ressourcenschonung und eine Verringerung des CO2-Ausstoßes.
MicroEnergy Project
Weltweit leben zwei Milliarden Menschen ohne Anbindung an ein Elektrizitätsnetz, das heißt im Mikroenergie-Sektor. Das Grameen-Shakti-Modell, so hat eine Studie der Technischen Universität Berlin gezeigt, ist auf andere Länder übertragbar.
Vorraussetzung ist eine genaue Untersuchung im Mikroenergie-Sektor einschließlich der dort üblichen Preise für die konventionelle Energieversorgung. Der weltweiten Verbreitung des subventionsfrei funktionierenden Modells widmet sich das MicroEnergyProject .
Die an der Technischen Universität Berlin entstandene Initiative entwickelt politische, wirtschaftliche und technische Strategien, mit denen erneuerbare Energiesysteme den Einzug in den Mikroenergie-Sektor schaffen können. Die Anbindung an die Universität mit dem höchsten Ausländeranteil in Deutschland nutzt die Initiative, um zukünftige Gründer aus anderen Ländern zu finden, zu schulen und in die nötigen Netzwerke einzubinden. Vorgesehen ist auch die Gründung eines Instituts zur Entwicklung von Technologie und Finanzinstrumenten auf der Basis einer systematischen Untersuchung im Mikroenergie-Sektor.
(Noara Kebir)
Weitere Informationen zum MicroEnergyProject unter www.microenergy-project.de .


