Inhalt
Massive Sicherheitsmängel bei finnischem Atomreaktor-Bau
(14. August 2008) Die Umweltorganisation Greenpeace verlangt
einen sofortigen Baustopp beim finnischen Atomreaktor Olkiluoto 3
wegen "Missachtung fundamentaler Sicherheitsregeln". Wie
Greenpeace am Mittwoch in Helsinki mitteilte, hätte die
Einsicht in vertrauliche technische Dokumente eindeutig erwiesen,
dass Schweißarbeiten am Reaktor über ein Jahr lang ohne
Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsregeln sowie
anschließende Kontrollen ausgeführt worden seien.
Ähnliche Vorwürfe hatte am Vortag auch der finnische
Rundfunksender YLE erhoben.
Der Druckwasserreaktor vom neu entwickelten Typ ERP mit einer
geplanten Leistung von 1600 Megawatt ist der erste Neubau eines
Atomkraftwerkes in Westeuropa seit der Katastrophe von Tschernobyl
1986. Er wird im Auftrag des Energiekonzerns TVO vom
französisch-deutschen Konsortium Areva errichtet, an dem
Siemens 34 Prozent hält. Vom deutschen Konzern kommen auch
Turbinen und Generatoren. Die zunächst für 2009 geplante
Fertigstellung ist zunächst bis Mitte 2011 ausgesetzt worden.
Ein weiteres Jahr Verspätung gilt als denkbar.
Die zunächst auf 3,2 Milliarden Euro veranschlagten Kosten
sind auf vorläufig über vier Milliarden Euro gestiegen.
Hintergrund sind zahlreiche Verzögerungen bei den Bauarbeiten.
Finnland verfügt bisher über je zwei Atomreaktoren in den
Kraftwerken Olkiluoto an der Westküste des Landes und in
Loviisa im Südosten. Geplant, aber noch nicht endgültig
beschlossen ist der Bau eines sechsten Reaktors.



