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Energieeffizienz - mehr als eine wirkungslose Pauschalforderung!
Die aktuelle energiepolitische Diskussion um das Energieangebot hat nur die eine Hälfte des Wettbewerbs im Auge und "vergisst" die andere - nämlich den Wettbewerb zwischen Energieangebot und der effizienteren Nutzung von Energie auf der Nachfrageseite.
Stefan Thomas, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
(Januar 2003) Bis 2010 könnten wenigstens 10 % des heutigen Strom- und Gasverbrauchs durch Energieeffizienzprogramme und -dienstleistungen mit Gewinn für die Kunden eingespart werden. Im Rahmen der normalen Investitions- und Erneuerungszyklen muss dazu jeweils eine energieeffizientere technische Lösung gewählt werden. Dies senkt die Energiekosten, hat Vorteile für die Umwelt, schafft Arbeitsplätze in Deutschland, führt zu Innovationen und zur Markteinführung neuer Technologien und reduziert die Abhängigkeit von ausländischen und fossilen Energieträgern. Vergleicht man die politische Unterstützung für die Energieeffizienz mit der für die Angebotsseite, so zeigt sich ein deutliches Missverhältnis, das in keiner Relation steht zu den ökonomischen und ökologischen Vorteilen der Energieeffizienz. Dieses Ungleichgewicht muss abgebaut werden. Dazu gibt es zwei wichtige und attraktive Wege, die begangen werden müssen und auch können - wie die positiven Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen:
- Erstens sollte eine Zielvorgabe für die Steigerung der Energieeffizienz gesetzt werden, die deutlich über der Wachstumsrate der Wirtschaft liegt (Vorschlag 3,5 % mehr Energieeffizienz pro Jahr).
- Zweitens sollte ein Energieeffizienz-Fonds eingerichtet werden, der verantwortlich ist für die Ausschreibung unterschiedlichster innovativer Aktivitäten zur Energieeffizienzsteigerung. Der Fonds sorgt dafür, dass es zu einem Wettbewerb kommt
- um die besten Ideen und Ansätze, wie Energieeffizienz zu erreichen ist, und
- um die jeweils besten Wege, die gewählten Ansätze umzusetzen.
Das bedeutet, dass sowohl die effektivsten Lösungen als auch die besten Energieeffizienz-Akteure (z.B. Energieagenturen, Energieunternehmen, Contracting-Unternehmen, Verbraucherverbände, aber evtl. auch Hersteller oder Anbieter von energieeffizienter Technik) zum Zug kommen. Bis zum Jahr 2010 könnten durch den Fonds bis zu 40 TWh/Jahr Strom und über 50 TWh/Jahr Gas gegenüber dem Trend in Deutschland eingespart werden, wenn der Fonds für Energieeffizienz-Investitionen von jeweils rund 0,5 Mrd. € pro Jahr bei Strom und Gas ausgestattet würde. Im Verlauf von 10 Jahren könnte so mit Investitionen von insgesamt 20 Mrd. € (Fonds und Energieverbraucher) aufgrund der eingesparten Energiekosten ein Erlös von 37 Mrd. € erzielt werden.
Diesen Vorschlag und weitere Ergebnisse hat das Wuppertal Institut in unter dem Titel "Die vergessene Säule der Energiepolitik - Energieeffizienz im liberalisierten Strom- und Gasmarkt in Deutschland" veröffentlicht.
Download der Studie: dl_mg_1043934678.pdf (971 kB, 30.01.200)
In dieser Studie unterbreiten wir auch einen konkreten Vorschlag für erste Programme des Fonds zum Stromsparen in privaten Haushalten und Nicht-Wohngebäuden (s. Tabelle). Für diese hoch rentable Investition würde ein Strompreisanteil von 0,01 Ct/kWh bei der Industrie, 0,07 Ct/ kWh in Gewerbe, Handel und Dienstleistungen und 0,15 Ct/kWh bei den Haushalten zur Finanzierung ausreichen.

Effizienz senkt die Energiekosten


