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Umwelt/Politik + Frieden und Energie + Große Enron-Pleite

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Große Enron-Pleite


Enron-Chefs schuldig

(29. Mai 2006) Im Enron-Prozess sind die früheren Unternehmenschefs Kenneth Lay und Jeffrey Skilling des Betrugs und der Verschwörung schuldig gesprochen worden. weiter lesen

Ehemaliger Enron-Finanzchef bekennt sich schuldig

(15. Januar 2004) - Zwei Jahre nach dem Zusammenbruch des US-Energiekonzerns Enron hat sich der ehemalige Finanzchef Andrew Fastow am Mittwoch in zwei Anklagepunkten schuldig bekannt. weiter lesen

Die große Enron-Pleite, Bush und das Öl

Die größte Firmenpleite Amerikas hinterlässt auch auf dem deutschen Energiemarkt eine Leerstelle. Aus dem Big Player, der selbst die großen deutschen Energiefirmen in die Schranken hätte weisen sollen, ist ein gefallener Riese geworden. Auch die amerikanische Mirant zieht sich aus Deutschland zurück. Die Details der größten Firmenpleite Amerikas sind aber höchst delikat. Zahlreiche Mitarbeiter und Anleger verloren ihr Vermögen.
"Die Zeit" und der englische "Guardian" berichten ausführlich über die Details.

(16. Oktober 2003) 100 Milliarden Dollar Umsatz und eine Millarde Dollar Gewinn im Jahr 2000, 20.000 Mitarbeiter, das sieht nicht nach einer großen Pleite aus. Der Kapitalmarkt-Untersuchungsausschuss des Kongresses hat einen 217-seitigen Bericht verfasst. Der Vorwurf lautet: "Zweifelhafte Geschäftspraktiken, Selbstbereicherung von Angestellten, unzureichende interne Kontrolle, gleichgültige Aufsichtsbehörden, Fehler bei der Wirtschaftsprüfung, eine Firmenkultur, die jeden Mitarbeiter aufforderte, Grenzen zu testen, und dabei über ihr Ziel hinausschoss".

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Glanz vergangener Tage: Der Enron-Tower in Houston

Im Zentrum der Ermittlungen steht Firmengründer und Chef Kenneth Lay, während des Vietnam-Krieges im Pentagon für die Nixon-Regierung tätig. Lays Haus in River Oaks liegt nicht weit vom Haus eines engen Freundes entfernt, dem früheren CIA-Direktor und Ex-Präsidenten Bush sr. Seine beiden Söhne Neil und Marvin setzten sich für den Bau eines Kraftwerkes durch Enron in Kuwait ein. Der dritte Sohn George versuchte, in Argentinien den Bau einer Pipeline von Chile durch Enron durchzusetzen. Lay ist mit Präsident Bush und seiner Familie seit Jahren eng befreundet, meldet ABC News.

Bereits während seiner Zeit als Gouverneur von Texas war Bush jr. als Lobbyist für Enron aktiv. Während seiner Präsidentschaftskampagne gab Enron ihm Zugang zum Firmenjet. Im April 2000 eröffnete Enron ein neues Baseball-Stadion für die Firma. Der damalige Präsidentschaftskandidat Bush saß in der Reihe vor Lay in der Enron-Suite. Der englische Guardian hat die Verflechtung zwischen enron und US-Regierung dokumentiert. Die Innenrevision des bankrotten Konzerns ermittelt jetzt, die Finanzbehörde SEC, das Arbeitsministerium, das Justizministerium, das FBI, zehn Ausschüsse und Unterausschüsse in Senat und Abgeordnetenhaus, Dutzende von Anwaltsteams. Der größte Finanzkrimi der jüngeren amerikanischen Geschichte bahnt sich an.

Kapitalbeschaffung

Weitgehend rekonstruiert ist bereits, wie Enron an die Kapitalmengen kam, die es für sein rasantes Wachstum brauchte. Als Mitte der neunziger Jahre die Geldquellen versiegen, weil die Banken wegen Überschuldung weitere Kredite verweigern, wird ein Partnerunternehmen gegründet, die Chewco, de facto völlig von der Enron kontrolliert, doch auf dem Papier nicht dem Konzern zugeordnet.

Dazu bedarf es eines buchhalterischen Tricks: Der Enron-Manager Michael Kopper kauft privat einen Anteil von drei Prozent an Chewco, die anderen 97 Prozent bleiben bei Enron. Das reicht, um Chewco aus den Büchern verschwinden zu lassen. Weitere Partnerfirmen folgen. Sie machen fleißig Schulden, schustern aber der Mutterfirma die Gewinne zu. Wie von Geisterhand verbessert sich die Ertragslage des Konzerns. Im Jahr 2000 erhält der Konzern mehr als 40 Prozent seines Einkommens (vor Steuer) von seinen Partnern. Verschuldet sind die Partner, nicht Enron.

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Ein toller Trick, nicht illegal und in Amerika nicht mal ungewöhnlich. Doch Enron - glauben die Ermittler - ging noch weiter als die anderen. Erstens waren die Schulden nämlich gar nicht wirklich "abgeladen": Komplexe Klauseln und Fußnoten in den Verträgen machten Enron am Ende doch haftbar. Zweitens waren die Partner nicht "extern".

Warum ist das nicht aufgefallen?

Hinweise hat es gegeben. 1999 scheitert eine Fusion mit der Veba. Der Düsseldorfer Konzern, wird berichtet, habe Angst vor den gewaltigen und letztlich nicht genau bezifferbaren Schulden. Wo sind in diesen Monaten die Wirtschaftsprüfer? Die Antwort ist niederschmetternd: Sie stehen am Schredder. Am 23. Oktober 2001, also Monate vor dem Bankrott, ordnet der Leiter des Andersen-Hauptquartiers in Houston offenbar eine gewaltige Vernichtungsaktion an.

Wie tief war der Sumpf?

Warum hat der Aufsichtsrat des Konzerns nie etwas gemerkt, ein Gremium, in dem immerhin ein Professor für Bilanzierungsrecht und ein ehemaliger Finanzfahnder vertreten waren? Warum wurde der ehemalige Enron-Vizechairman Cliff Baxter mit einer Schusswunde tot in seinem Mercedes gefunden? Selbstmord offenbar - oder Mord? "Je mehr ich sehe, desto mehr stinkt es", sagte am Wochenende Senator Byron Doran, der einen der Untersuchungsausschüsse leitet.

Korruption

Eine "Kultur der Unternehmenskorruption", vermutet sein Kollege Billy Tauzin. Wer in den guten Zeiten bei Enron anruft, bekommt fast immer eine Spende. Immerhin waren die Hälfte aller Abgeordneten und 71 von 100 Senatoren Nutznießer von Enrons politischer Landschaftspflege. Insgesamt sechs Millionen Dollar brachte Enron Volksvertretern dar, drei Viertel den Republikanern. Das ist nur der bekannte Teil der Spenden. Vergangene Woche musste Enron einräumen, der Etat seiner 100 Lobbyisten in Washington sei doppelt so groß gewesen wie angegeben. Seit 1990 hat Enron die Kampagne von Bush und anderen Präsidentschaftskandidaten mit mehr als 5,8 Millionen Dollar unterstützt, an die Demokraten ging ein Viertel des Betrags.

Seine erste Lektion über den Nexus von Unternehmenswelt und Politik lernt Lay vor 30 Jahren, als er bei der Ölfirma Exxon beschäftigt ist und ein Angebot bekommt, zur staatlichen Energieaufsicht zu wechseln. Er ist unsicher. Da nimmt sein väterlicher Freund das Telefon, ruft den Exxon-Chef an und sagt ihm, wie vorteilhaft es sei, wenn ein Exxon-Mann künftig in der Aufsichtsbehörde arbeite. Lay versteht, er begreift Wirtschaftspolitik fortan als einen Austausch von Gefälligkeiten.

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Seine Manager fordert er auf, viel an die Politik zu spenden, das sei gut für die Deregulierung und damit gut für Enron. Sein Energieimperium kann nur entstehen, wenn die öffentlichen Strom- und Gasversorger ihre Monopole verlieren. Sein Team setzt in mehreren Staaten die Aufsichtsbehörde unter Druck, bietet Rechtsanwälte auf, verteilt in der Bevölkerung Coupons für Gratisstrom. Als Enron über den Ozean expandiert, geht der Konzern mit den gleichen Methoden vor. Aus Ländern der Dritten Welt häufen sich erboste Berichte, dass sogar die US-Botschaften und Abgesandte aus Washington im Dienste Enrons örtliche Politiker unter Druck setzen.

Freundschaft Bush - Lay

Im vergangenen Jahr, bei der Amtseinführung von George W. Bush, darf Kenneth Lay sich am Ziel wähnen. Denn niemand hat stärker in die politische Karriere des neuen Präsidenten investiert als Lay, lt. der Zeitschrift Nation genau 736.800 $.

Zwar wurde nach der Watergate-Affäre 1974 gesetzlich verboten, dass ein Präsidentschaftskandidat mehr als tausend Dollar von einer Person erhält. Lay hatte alle leitenden Angestellten von Enron aufgefordert, einzeln an Bush zu spenden, unteres Management 500 $, leitende Manager 5.000 $. Die US-Energiewirtschaft gab 75 % ihrer 48,3 Mio $ Wahlkampfunterstützung den Republikanern.

Für jeden Dollar an Gore bekam Bush 13 $. Das Center for Public Integrity fand heraus, daß die 100 höchsten Regierungsbeamten den größten Teil ihres 145 Mio $ Vermögens in die Energiewirtschaft investiert haben. Mit Bush sind die Texas Boys an der Macht; die meisten haben schon einen Scheck von Lay erhalten. Den schönsten Erfolg seiner Laufbahn als zahlender Mentor erzielt er nach der Amtseinführung, als er Regierungspersonal erwählen kann für seinen Freund George W. Bush. Lay selbst lädt vier Bewerber für den Job eines Chefs der Energieaufsichtsbehörde zum Vorstellungsgespräch ein; er darf jenen Mann aussuchen helfen, der ihn, Lay, später kontrollieren sollte. Wer diese politische Obszönität angeordnet hat, wird noch ermittelt.

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George W. Bush ist durch diese Liaison in erhebliche Gefahr geraten. Leicht kann er dastehen als Marionette der Energieindustrie, als Freund und Günstling eines aufschneiderischen, gescheiterten, womöglich kriminellen Konzernchefs. Ob Enron gar die Feder geführt hat, als Bushs neue Energiepolitik entworfen wurde, ist deshalb in Washington die Frage dieser Tage.

Sechsmal hat Vizepräsident Dick Cheney als Chef der Energie-Task-Force mit Enron-Emissären beraten, darunter einmal mit Kenneth Lay. Was mit wem besprochen wurde, will Cheney nicht öffentlich machen. Vergangene Woche hat der unabhängige Chefermittler des Kongresses angekündigt, Cheney auf Veröffentlichung zu verklagen. Es wäre das erste Verfahren dieser Art in der Geschichte - es trüge die Enron-Affäre endgültig ins Weiße Haus. Rechtsanwalt John Dean, der unter Nixon das Weiße Haus verteidigt hat und dafür auch kurzzeitig ins Gefängnis musste, glaubt an eine tiefe Verstrickung von Cheney in den Enron-Fall: "Sein Tonfall kommt mir bekannt vor aus meiner Watergate-Zeit. Er hört sich so an wie jemand, der etwas zu verbergen hat", schreibt die Washington Post. "Sie versuchen nun, alles zu vertuschen", sagt er. Aber nicht nur Bush und Cheney sind in den Skandal verwickelt, die Beziehungen sind sehr eng geflochten.

Die Türen im 19. und 20. Stockwerk des Enron-Towers sind versiegelt. Dort befand sich die Buchhaltung. Vergangene Woche erschien in den Räumen das FBI, als bekannt wurde, dass auch Enron selbst Dokumente vernichtet hat.

Enron-Verkaufsverbot

(02.07.03) - Energiehändler Enron darf in den USA in Zukunft weder Strom noch Gas verkaufen. weiter lesen



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