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Gemis: Strombereitstellung

Lebenswegbilanzen in GEMIS

GEMIS berechnet komplette Lebenswege von der Primärenergie- und Rohstoffgewinnung bis zur Nutzung und bezieht Hilfsenergien und Materialaufwand zur Herstellung von Anlagen und Transportsystemen ein und seit Version 4 auch die Entsorgung. Mit einem Mausklick können sofort die Gesamtemissionen und der Ressourcenbedarf berechnet werden. Über Szenarien sind zudem sehr differenzierte Ergebnisanalysen möglich.

GEMIS-Ergebnisse: Strombereitstellung

Im folgenden sind als Beispiel für die Gemis-Ergebnisse die internen und externen Kosten der Strombereitstellung dargestellt. Es geht dabei nicht um Nachkommastellen, sondern das "Muster". Bei den in der Tabelle aufgeführten Prozessen zur Stromerzeugung handelt es sich stets um Neuanlagen - es geht ja darum, wie wir unser künftiges Energiesystem gestalten, also worin wir bei Ersatz oder Neubau investieren.

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Vergleich von GEMIS mit anderen Daten

Die aufgeführten Ergebnisse stimmen recht gut mit Daten z.B. vom IER an der Universität Stuttgart (Prof. Voss, von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Enquete-Kommission als Gutachter benannt), der Ingenieurfirma Fichtner und der ETH Zürich überein. Es gibt jedoch einige interessante Abweichungen: Das IER rechnet beim Atomstrom mit Hochabbrand und Wiederaufarbeitung, die zu einer "Gutschrift" für die wiedergewonnenen Spaltstoffe führt - allerdings ist der Ausstieg aus der Wiederaufarbeitung beschlossen (ebenso wie der aus der Atomenergienutzung).

Bei den regenerativen Energien zur Stromerzeugung - insbesondere PV und Biomasse - liegen dagegen praktisch alle Emissionsdaten des IER (Luftschadstoffe, Treibhausgase) spürbar über den Werten von GEMIS - der "Trick" ist hier, dem Strom aus den Regenerativsystemen ein mit fossilen Energien betriebenes backup-System zuzuschlagen - allein dadurch steigen die Emissionen um ca. 15% an. Es ist unverständlich, warum diese Form der Systemgrenze gewählt wird - das bestehende Kraftwerksmix reicht bei weitem aus, um absehbar schwankende Beiträge von PV und Wind auszugleichen, und die daraus entstehenden Verluste sind - entgegen oft gemachten Behauptungen - sehr gering. ( Nicht zu verwechseln ist dies mit der "Qualität" des Stroms im Sinne von Frequenzstabilität und Spannungshaltung, die auf der Kundenseite zu fordern ist. Hier kann aber keine sinnvolle Zuordnung auf einzelne Erzeugungssysteme erfolgen.)

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Darüber hinaus sind einige der IER-Prozessketten (vor allem zur PV-Herstellung) nicht nachvollziehbar - es werden zwar die Ergebnisse veröffentlicht, nicht aber die detaillierteren Annahmen, aus denen sie entstehen. Im Gegensatz dazu kann jede(r) in GEMIS alle Daten komplett nachvollziehen.

Der IER-Ansatz führt auf Basis extrem geringer Annahmen zu nuklearen Risiken und dem Weglassen klimabedingter Schäden zu einer extremen Verzerrung des Ergebnisses - erneuerbare Energien werden massiv belastet, während Atomkraft sehr "kostengünstig" aussieht.

Demgegenüber sind die GEMIS-Daten zwar vorsichtig (als untere Grenze), geben aber ein belastbares Bild der gesellschaftlichen Gesamtkosten.

Die größten Kosten haben erwartungsgemäß PV-Systeme - sie brauchen noch etwa eine Senkung der Herstellungskosten um den Faktor 3, um unter unseren Einstrahlungsbedingungen (volks)wirtschaftlich konkurrenzfähig zu werden. (Die Betriebskosten einer PV-Anlage sind Rückstellungen für mögliche Wechselrichterausfälle, Reinigen der Glasscheiben und Versicherung. Für die zugrundegelegte 2-kW-Anlage sind das ca. 100 Euro jährlich. Faktisch sind die Betriebskosten insbesondere bei größeren Anlagen weit geringer. Bei einem Zinssatz von 12% bis 15% liegen die Erzeugungskosten kapitalintensiver System deutlich höher. Atomstrom z.B. verteuert sich bei 12% Zinsen auf 6,64 Ct/kWh.)Wasserkraft und Wind sind dagegen durchaus günstig - genauso wie KWK-Systeme und Biomasse, die zusammen mit der hier nicht betrachteten Energieeffizienz die wirklich interessanten Optionen darstellen.

Der wissenschaftliche Streit sollte darum gehen, wie wir möglichst schnell diese umweltfreundlichen und volkswirtschaftlich günstigen Technologien breit einführen.

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