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Softe EnEV verschwendet Steuergelder

Kommentar von Dieter Wolff, Professor für Versorgungstechnik an der Fachhochschule Wolfenbüttel

34_Wolff

Dieter Wolff. Professor für Versorgungstechnik an der Fachhochschule Wolfenbüttel

(20. September 2009) Bei jeder Optimierung des Gebäude- und Anlagenbestands sollte die Maxime stehen: Es sind die Modernisierungsinvestitionen zu bevorzugen, bei denen mit dem investierten Kapital die langfristig größten Einsparungen erzielt werden können.

Die EnEV fordert zu Recht die nachträgliche Dämmung von Außenwänden, Kellerdecke und Dach sowie die Kesselerneuerung, wenn im Rahmen einer Instandsetzung etwas "angefasst" wird. Leider haben die Forderungen nur ein viel zu geringes Niveau. Dabei sind alle geforderten Maßnahmen hoch wirtschaftlich. Sogar das geplante Anforderungsniveau der nochmals verschärften EnEV-Novellierung 2012 ist bereits heute höchst wirtschaftlich, ergo verschwendet jede Maßnahme, die dahinter zurückbleibt, nicht nur Energie, sondern auch über viele Jahre Steuergelder. Denn das Konjunkturprogramm II fördert die Sanierung öffentlicher Gebäude mit Steuermitteln: Auf dem Niveau der geltenden EnEV.

Die Vorschriften der EnEV haben ein viel zu geringes Niveau.
Alle geforderten Maßnahmen sind hoch wirtschaftlich.

An erster Stelle steht dabei eine bestmöglich gedämmte und dichte Gebäudehülle! Es gilt, den ersten vor dem zweiten Schritt zu tun - auch, wenn dies nicht immer politisch opportun ist. Beim Passivhausstandard sollte auf eine Heizkostenabrechnung nach dem Verbrauch verzichtet werden. Niedrigstenergie- und Passivhausstandard bedeuten nicht komplizierte sondern einfache Technik.

Das Risiko eines falsch gewählten Energieträgers wird umso geringer, je besser der Dämmstandard des Gebäudes ist.

Alle Branchenakteure sollten sich einer offenen Diskussion stellen. Alle Beteiligten sollten wieder lernen, korrekt zu bilanzieren; energetisch und wirtschaftlich und ohne unrealistische "Bis-Zu-X-Einspar-Prozent-Versprechen". Wirtschaftlichkeitsvergleiche erfolgen am besten mit dem Werkzeug "Kosten je eingesparter Kilowattstunde Energie" bzw "äquivalenter Energiepreis".

Für eine "ehrliche" Energie und Wirtschaftlichkeitsbilanz als Grundlage für einen seriösen Maßnahmenkatalog zur energetischen Modernisierung reicht nach Ansicht des Autors ein einfacher Energieausweis - gleichgültig, ob auf Basis des Energiebedarfs (Rechenwerte) oder des Energieverbrauchs (Messwerte) - nicht aus. Notwendig ist eine fundierte Energieberatung, möglichst von einem kompetenten Team mit Sachkunde in Bauphysik und Anlagentechnik.

Die an Praxisverbrauchswerten orientierte Energieanalyse aus dem Verbrauch (E-A-V) sollte für die Kontrolle von geförderten energetischen Maßnahmen Standard werden.

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