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Wiederentdeckung der Reparatur
Die Reparatur von Haushaltsgroßgeräten ist unterm Strich meist günstiger als der Austausch gegen ein sparsameres Neugerät. Denn die Verbrauchssenkungen stoßen an Grenzen. Der Autor Oliver Stens repariert seit Jahren Hausgeräte als Servicetechniker.
Servicetipp: Reparaturberatung für Mitglieder hier
"Die Reparatur lohnt nicht mehr. Die Waschmaschine ist schon zu alt, da sind Ersatzteile schwierig zu bekommen. Und wer weiß, wann das nächste Teil an der Maschine kaputtgeht. Da ist das neue Modell effektiver und auch viel sparsamer ..."
Was bleibt dem Kunden nach dieser Diagnose anderes übrig, als dem Rat des Fachmanns zu folgen und sich von dem treuen Haushaltshelfer zu verabschieden? Langsam! Nur weil wieder mal eine neue Generation von Geräten auf den Markt kommt, ist das noch lange kein Grund, sich vorschnell von seinem langjährigen Diener zu trennen. Es lohnt sich, genauer hinzusehen und nachzurechnen, ehe man entscheidet.
Reparatur oder Neukauf?
Richtig ist, dass die meisten Neugeräte tatsächlich sparsamer sind als ihre betagten Kollegen. Trotzdem ist in den meisten Fällen eine Reparatur lohnender als die Verschrottung und Neukauf. Ein Beispiel: Eine 4-köpfige Familie wäscht durchschnittlich fünf Waschladungen pro Woche. Nach zehn Jahren ist die Laugenpumpe der Waschmaschine undicht geworden. Soll man noch mal 100 Euro in die Reparatur stecken?
Mit 70 Litern Wasser und 1,4 Kilowattstunden Strom verbraucht die Maschine etwa 40 Prozent mehr als ein sparsames Neugerät. Wer hier von der Reparatur abrät, gibt dem Kunden einen schlechten Rat. Erst nach zwölf Jahren würde sich ein neues Gerät durch die niedrigeren Verbrauchskosten bezahlt machen (siehe Tabelle). Ob dieses Alter erreicht wird, ist fraglich. Bei der Reparatur braucht man nur drei Jahre weiterzuwaschen, damit sich die Reparatur gelohnt hat.
Die Tabelle zeigt, wie viele Jahre eine neue Waschmaschine mindestens laufen müsste, bis sich der geringere Verbrauch auszahlt. Je nach Maschinendaten und Waschhäufigkeit wird dieses Alter aber oft nie erreicht.
Einspargrenze erreicht
Geräte, die vor etwa zehn Jahren gebaut worden sind, sind bereits ziemlich sparsam. Auch muss die Qualität der Neugeräte keineswegs besser sein als bei den alten Veteranen. Zu beobachten ist ein Trend zur Verwendung von kurzlebigeren Komponenten (vergleiche Energiedepesche 1/ 2004). Was nutzt die sparsamste Maschine, wenn sie am Ende nur noch halb so lange lebt?
Hat ein Gerät dagegen zwölf Jahre oder länger gut funktioniert, ist das ein Qualitätsmerkmal und spricht für eine Reparatur, nicht dagegen. Die Hälfte der Fehler an Wasch- und Spülmaschinen treten unabhängig von ihrem Alter auf und haben nicht das Geringste mit Verschleiß zu tun. Diese Fehler können genau so gut bei einem neuen Gerät in der ersten Woche auftreten, wie bei einem alten Gerät nach 20 Jahren.
Wer sein Gerrät reparieren lassen will, muss erst mal einen vertrauenswürdigen Kundendienst suchen. Empfehlungen von Bekannten sind meist besser als der Werkskundendienst aus der Bedienungsanleitung. Lokal ansässige Firmen haben den Vorteil, dass sie stets um einen guten Ruf bemüht sein müssen und die Anfahrtskosten in Grenzen bleiben.
Machen Sie von Anfang an deutlich, dass ein Neukauf für Sie nicht in Frage kommt. Handwerker sollten sich auf die Reparatur konzentrieren und nicht auf den Verkauf von Neugeräten. Verkaufen kann der Elektro- oder Baumarkt meist billiger. Die größten Verbrauchsunterschiede findet man bei Kühl- und Gefriergeräten. Geschirrspülmaschinen liegen etwa in der Spannweite von Waschmaschinen. Praktisch keine Unterschiede gibt es bei elektrisch beheizten Trocknern und Elektroherden. Hier gilt also erst recht: Neukauf überflüssig, Reparatur lohnt sich.
Häufige Irrtümer
Maschine ist schon zu alt
Nach 20 Jahren darf man ein Gerät alt nennen, nicht aber nach acht Jahren. Es gibt keinen technischen Grund, warum ein Gerät nach 20 Jahren nicht mehr so gut wie am ersten Tag funktionieren sollte, wenn alle Funktionsbauteile in Ordnung sind.
Ersatzteile längst ausverkauft
Ersatzteile von bekannten Marken sind meist über einen Zeitraum von über 20 Jahren lieferbar. Und für gängige Geräte produzieren Alternativhersteller passende Ersatzteile.
Wer weiß, wann das nächste kaputtgeht
Nur die Hälfte der Fehler ist erfahrungsgemäß verschleißbedingt.
Reparatur teurer als Neukauf
Drei Viertel der Reparaturen können mit Kosten unter 100 Euro repariert werden.
Programmschaltwerk kaputt
Durch Stehenbleiben, Blinken oder Überfahren zeigt das Schaltwerk manche Fehler an. Fälschlicherweise wird es daher oft als defekt verdächtigt. Gewöhnlich sind es am Programmschaltwerk angeschlossene Komponenten, die den Fehler auslösen. Ein kaputtes Schaltwerk ist ein sehr seltener Fehler (circa drei Prozent).



