Heizen mit Strom - nur für Gutgläubige
Allzu viele Verbraucher fallen auf unseriöse Versprechen geschickter Verkäufer herein. Die Stromwirtschaft wirkt auf verborgenen Wegen auf ansonsten seriöse Beratungsinstitutionen ein, um Elektroheizungen in den Markt zu bringen.
(13. September 2006) - Das Heizen mit Strom ist gänzlich unwirtschaftlich und unökologisch. Nur in extrem gut gedämmten Passivhäusern oder mit hervorragend geplanten und gebauten Wärmepumpen kann eine Stromheizung sinnvoll sein. Mit diesen seltenen Ausnahmefällen werben skrupellose Verkäufer in Zusammenarbeit mit gewinnsüchtigen Stromverkäufern.
Wer die Tatsachen kennt, wird auf die schöngerechneten Zahlen der Verkäufer nicht hereinfallen, obwohl Heerschaaren von Stromheizungs- und Wärmepumpenverkäufer ganz Deutschland mit ebenso bunten wie falschen und irreführenden Werbebroschüren überschwemmen.

Um bei einer Vorlauftemperatur von 50 Grad eine Leistungszahl von 3,8 zu erreichen, braucht man eine Quellentemperatur von über sieben Grad.
Direktheizung
Die elektrische Direktheizung ist mit Abstand die teuerste aller Heizungsarten. Strom kostet deutlich mehr als die gleiche Energiemenge Gas, Öl oder Fernwärme. Strom ist eine wertvolle Edelenergie. Für die Herstellung gehen zwei Drittel der eingesetzten Energie ungenutzt verloren. Die Belastung der Umwelt durch die Stromerzeugung sind ganz beträchtlich: Abgase (NO2, SO2, CO2), die Abwärme heizt Flüsse auf, der Wasserverbrauch beträgt zwei Liter pro Kilowattstunde erzeugtem Strom. Die verlust- und schadstofffreie Heizung in der eigenen Wohnung führt zu ganz erheblichen Umweltbelastungen bei der Stromerzeugung im Kraftwerk.
Etwa zwei Millionen Stromdirektheizungen in Deutschland verbrauchen jährlich etwa 20 Terawattstunden Strom, das sind 13 Prozent des Stromverbrauchs aller Haushalte. Der Stromverbrauch von rund 800.000 Wärmepumpen ist dabei noch nicht miteingerechnet. Dieser Strom muss extra für die Heizungen erzeugt werden. Er ist nicht etwa sowieso vorhanden, wie die Wärmestromverkäufer oft und fälschlicherweise behaupten.
Wärmestrom nicht kostendeckend
Strom kostet für Haushalte etwa 20 Cent pro Kilowattstunde. Der Strom für Elektroheizungen und Wärmepumpen schlägt mit zwischen acht und zehn Cent pro Kilowattstunde zu Buche. Dieser Preisunterschied ist wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen. Denn allein für die Netznutzung zahlt ein Haushalt rund sieben Cent pro Kilowattstunde. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer und die Stromsteuer. Der Wärmestrompreis ist in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen.
Bisher galt für unterbrechbare Stromheizungen, die vor dem 1. April 1999 ans Netz gegangen sind, der ermäßigte Steuersatz von 1,23 Cent pro Kilowattstunde. Auch diesen Anlagen wird ab 1. Januar 2007 der volle Steuersatz mit 2,05 Cent pro Kilowattstunde abverlangt. Das entspricht einer Verteuerung um 0,82 Cent pro Kilowattstunde.
Falsche Versprechungen
Wärmepumpen nutzen die Umgebungswärme. Richtig geplant und gebaut, können sie tatsächlich Energie sparen. Allzuoft werden Wärmepumpen aber dort eingebaut, wo sie nicht hingehören. Verbraucher werden grob belogen über Verbräuche, die künftigen Energiekosten und mögliche Alternativen. Zeitungsannoncen versprechen Energiekosten von 250 Euro für Heizung und Warmwasser.
In der Praxis funktioniert das nur, wenn man Körperhygiene einschränkt oder die Stromkosten des Heizstabes nicht mitgerechnet werden. Denn im Warmwasserspeicher der Wärmepumpe steckt ein Elektroheizstab. Er heizt das Wasser, wenn die Wärmepumpe nicht genug leistet. Das ist aber allzu oft der Fall. Dann wird aus der Wärmepumpe eine elektrische Direktheizung. Die Übergänge sind fließend. Eine richtig geplante Wärmepumpenheizung kommt ohne Heizstab aus.
Je kälter die Wärmequelle draußen ist und je höher die benötigte Warmwassertemperatur ist, umso weniger leistet die Wärmepumpe.
Die geforderte Leistungszahl von 3,8 wird nur erreicht, wenn die Quelltemperatur zehn Grad und die gewünschte Warmwassertemperatur nur 50 Grad beträgt. Die Leistungszahl gibt das Verhältnis von genutzter Umweltwärme zu eingesetztem Strom an. Das erfordert einen erheblichen Aufwand: Die Heizkörper müssen dazu sehr groß angelegt sein. Üblicherweise wird das Brauchwasser zudem auf 60 Grad aufgeheizt.
Problematisch ist auch die Ergiebigkeit der Wärmequellen. Wird viel Wärme benötigt, dann vereist das Erdreich um die Erdrohre herum und die nutzbaren Umgebungstemperaturen sinken stark.
Wird der Wärmepumpenstrom zum normalen Stromtarif abgerechnet, dann ist es um die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe ohnehin geschehen.
Heizkosten halbiert?
Die Beispielrechnungen, die die Vorteile der Elektroheizung und Wärmepumpen belegen sollen, sind meist völlig falsch.
Ein Beispiel aus der Zeitschrift "Bauidee", Ausgabe 3/2006. Dort ist zu lesen: "Der geringe Anteil Strom, den Wärmepumpen benötigen, schlägt sich in der so genannten Jahresarbeitszahl nieder. Die Jahresarbeitszahl ergibt sich aus dem Verhältnis des eingesetzten Stroms und der abgegebenen Heizleistung. Der Wert sollte über 3,8 liegen. … Die Marketingleute der Industrie heben heraus, dass sich mit einer einmal angeschafften Anlage die späteren Heizkosten halbieren."
In der Marktübersicht werden neun Wärmepumpen vorgestellt. Die meisten Produkte bleiben in der Jahresarbeitszahl für Heizkörperheizungen unter 3,5. Nur ein Produkt weist eine Arbeitszahl von 3,6 bis 3,9 aus: Waterkotte Aix.
Die Wärmepumpen kosten zwischen 6.000 und 10.000 Euro. Das komplett montierte Wärmepumpensystem schlägt mit etwa 20.000 Euro zu Buche.

Intensives Marketing
Bereits zwei Prozent aller deutschen Haushalte heizen mit Wärmepumpen. Das ist das Ergebnis einer gewaltigen Marketing-Kampagne, zu der sich Wärmepumpenhersteller und Stromwirtschaft zusammengefunden haben.
In einem Neubaugebiet in Schleswig-Holstein versuchten Hersteller und Vertrieb, alle Bauherren von der Wärmepumpen zu überzeugen. Eine Vergleichsrechnung ergab jedoch, dass die jährlichen Vollkosten der Wärmepumpe über denen für eine Öl- oder Gasheizung lagen. Am günstigsten schnitt die geplante Fernwärmeversorgung ab (vgl. Grafik).
Eine neutrale Simulationsrechnung für Wärmepumpen bietet das Ingenieurbüro Christina Hönig an ( info@wpsoft-gbr.de)
Checkliste
Stromheizungen lohnen sich nicht, denn sie sind zu teuer. Ausnahme: extrem gut wärmegedämmte Häuser.
- Vor der Installation einer Wärmepumpe ist eine unabhängige Energieberatung unerlässlich. Die Beratung durch einen Hersteller oder Installateur ist nicht unabhängig!
- Für Altbauten braucht man ein Dämmungskonzept, das man der Anschaffung einer Wärmepumpe gegenübergestellt. Die Kosten müssen alle anfallenden Investitions- und Betriebskosten umfassen.
- Vergleichsangebote für Öl,- Gas- und Pelletsheizungen müssen eingeholt werden.
- Der Berechnung der Leistung der Wärmepumpe müssen realistische Jahresarbeitszahlen zugrunde liegen. Eine unabhängige Berechnung der Jahresarbeitszahl muss mit einer Simulation durchgerechnet werden. Häufig geht man von völlig unrealistischen Jahresarbeitszahlen aus.
E.on Bayern fördert Elektroheizungen
E.ON Bayern hat mit einer Vielzahl von Wärmepumpen- und Elektroheizungsherstellern das Aktionsprogramm "ElektroWärme 2006" aufgelegt. Es basiert auf Dienstleistung, Kommunikation und Förderungsprogrammen für den Umbau. "Eine finanzielle Beteiligung der Hersteller war nur möglich, weil E.ON Bayern zugesichert hat, zielgerichtete Kommunikations- und Marketingmaßnahmen für elektrische Heizsysteme durchzuführen und Dienstleistungen in Form von Kostenermittlungen für Wärmepumpen und Elektroheizungen anzubieten", heißt es in einer Pressemitteilung vom 22. Mai 2006. Die gemeinsame Werbung für Elektroheizungen und Wärmepumpen zeigt, worum es geht: um den Verkauf von Strom und Heizungssystemen.