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Ist Ihre Heizung ok?

Der energetische Fingerabdruck

Wie gut ist meine Heizung? Und wie gut ist das Gebäude isoliert? Diese Fragen stellen sich alle Verbraucher, die eine Heizungsanlage betreiben. Wer richtig rechnet, kann ohne großen Aufwand den energetischen Fingerabdruck seines Gebäudes ermitteln.

(03. Dezember 2011) Der Energieverbrauch lässt sich einfach aus der Rechnung des Brennstofflieferanten oder Gasversorgers entnehmen. Trägt man den Brennstoff-Verbrauch in einem Diagramm über der Zeit auf, dann erhält man eine Gerade. Im Sommer ist die Steigung flach, im Winter steil. Je steiler die Kurve ist, umso mehr Energie pro Zeit wird verbraucht. Je sparsamer man ist, desto flacher wird auch diese Kurve. Je öfter man den Ölstand oder Gaszähler abliest, desto genauer wird ein solches Diagramm.

474 Kumulierte Darstellung ohne Beleg

Kumulierte Darstellung für nicht-leitungsgebundene Energieträger

Ein besonders kalter oder ein sehr milder Winter verzerrt jedoch diese Daten. Im nächsten Schritt bereinigt man deshalb den eigenen Energieverbrauch um aktuelle Klimafaktoren. Der Deutsche Wetterdienst (www.dwd.de) stellt dazu kostenlos Klimafaktoren zur Verfügung.

474 Kumulierte Darstellung Diagramm Modernisierung

Kumulierte Darstellung für nicht-leitungsgebundene Energieträger

Verbrauch im Blick

Wer es noch genauer wissen will, macht eine sogenannte Energie-Analyse aus dem Verbrauch, kurz EVA. Dahinter verbirgt sich ein Verfahren, das Professor Dieter Wolff und seiner Mitarbeiterin Kati Jagnow an der Fachhochschule Wolfenbüttel erprobt und veröffentlicht haben.

Dafür vergleicht man die Verbräuche der Heizmonate mit den jeweiligen Außentemperaturen in diesen Monaten. Sinnvoll ist es, den Gaszähler jeweils am Monatsende einmal abzulesen und zu notieren. Denn die Außentemperaturen werden vom Wetterdienst auch jeweils für einen Monat veröffentlicht.

Monatliche Heizleistung

Nun errechnet man die mittlere Heizleistung für einen Monat. Man bestimmt zunächst den Energieverbrauch in Kilowattstunden. Dazu multipliziert man bei Gas die verbrauchten Kubikmeter mit dem Brennwert (findet sich auf der Rechnung). Bei der Ölheizung hilft ein Betriebsstundenzähler. Den Energieverbrauch in Kilowattstunden dividiert man durch die Stundenzahl des Monats. Heraus kommt die mittlere Heizleistung in Kilowatt.

In einem Diagramm trägt man die Heizleistung und die Außentemperatur ein. Die entstehende Grafik legt die Geheimnisse von Gebäude und Heizanlage offen. Man spricht auch vom „Fingerabdruck des Gebäudes“ oder seiner „Energiesignatur“.

Hilfreiche Erkenntnisse

Drei Erkenntnisse lassen sich ableiten: Wie hoch ist der bezogene Wärmeverlust H von Heizung und Gebäude? Diese Größe ergibt sich als Anstieg der Geraden, Zunahme der Leistung in Kilowattstunde je Kelvin. Sie gibt an, um wie viel die Heizleistung steigt, wenn die Außentemperatur sinkt. Die Heizlast ist die Summe aus der Leistung für Warmwasser und den Verlusten durch Wohnungslüftung und Wärmeverlust durch die Gebäudehülle.

Zunahme der Leistung bei sinkender Temperatur

Zur Ermittlung von H kann man alternativ die Außenflächen des Gebäudes mit dem jeweiligen U-Wert multiplizieren. Daraus ergibt sich ebenfalls die gesuchte Größe H. Allerdings müssen dafür die Flächen und deren jeweilige U-Werte bekannt sein. Die oben genannte Bestimmung von H mithilfe des Diagramms ist dagegen deutlich einfacher.

474  Diagramm Energieanalyse aus dem Verbrauch

Maximale Heizlast

Wie groß ist die maximale Heizlast? Sie ergibt sich aus der maximalen Temperaturdifferenz multipliziert mit dem bezogenen Wärmeverlust H. Steht das Gebäude zum Beispiel in Potsdam, so beträgt die maximal zu erwartende Temperaturdifferenz 34 Grad Kelvin (20 Grad Innentemperatur abzüglich -14 Grad tiefste Außentemperatur). Beträgt jetzt beispielsweise H = 550 Watt je Kelvin, dann ergibt sich eine Heizlast von 550 x 34, also 18,7 kW. Damit erhält man einen Anhaltswert dafür, ob der Heizkessel die richtige Größe hat und ob der Leistungsanschluss für Gas oder Fernwärme korrekt dimensioniert ist.

Heizgrenztemperatur

Die Heizgrenztemperatur ergibt sich im Diagramm als Schnitt der Heizgeraden mit der X-Achse: Es ist die Außentemperatur, bei der man gerade noch ohne Kesselleistung auskommt.

In den Sommermonaten zeigt das Diagramm den energetischen Aufwand für die Warmwasserbereitung.

Auch für Verbrauchsdaten aus der Vergangenheit lässt sich mit diesem Verfahren eine Abschätzung von H vornehmen. So kann man beispielsweise empirisch ermitteln, wie sich die U-Werte eines Gebäudes durch eine Sanierung verändert haben.

Idealerweise baut man hinter dem Heizkessel einen Wärmemengenzähler ein, der die Messwerte speichert. Wer zudem noch über einen „intelligenten“ Gaszähler verfügt, der die Verbrauchswerte aufzeichnet, kann mithilfe der Außentemperaturen sehr genaue Analysen des Erzeugungswirkungsgrads, des Nutzerverhaltens und auch der Wärmedämmung des Gebäudes ableiten. So lässt sich exakt nachverfolgen, welche Einsparerfolge tatsächlich erzielt werden und wo mögliche Schwachstellen liegen.

Leider ist es noch nicht allgemein bekannt, wie einfach eine solche Analyse ist, vorausgesetzt, man sammelt die richtigen Daten zur rechten Zeit. Dabei könnten alle Betreiber von Heizanlagen von EVA profitieren: Die Energieanalyse aus dem Verbrauch ist ein sehr einfaches und mächtiges Hilfsmittel für die Analyse von Heizsystemen und Häusern.

  • TGA Fachplaner 9, 2004, Seite 26 und
  • TGA Fachplaner 9, 2011, Seite 6
  • www.delta-q.de

Ist Ihre Heizung ok?

Die Öl- und Gaspreise sind drastisch gestiegen, Sparen ist wieder modern. Aber wie macht man das? weiter lesen



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