Energiesparen in der Bronzezeit

Bauen wie vor 3.500 Jahren könnte für viele Bestandsgebäude eine deutliche Verbesserung bedeuten: Ausgrabungen in Hessen belegen, wie klimabewusst unsere Vorfahren konstruierten.

198 348 2590 Werner Eicke-Hennig

Werner Eicke-Hennig ist Leiter der Hessischen Energiespar-Aktion des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

(10. Januar 2010) Ausgrabungen im hessischen Langenselbold brachten es ans Tageslicht: Schon unsere Vorfahren wollten nicht frieren und isolierten ihre Wände vorbildlich. Das ergab ein Fund einer abgebrannten Siedlung aus der Bronzezeit vor 3500 Jahren. Irene Staeves, Mitarbeiterin der Archäologie-Arbeitsgruppe des Landkreises, berichtet: „Uns fiel auf, dass die Wände deutlich dicker gewesen sein mussten als ein einfaches Flechtwerk."

Spuren im hartgebrannten Lehm am Flechtwerk hatten den Fund konserviert. Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die Wände der Bronzezeit aus einem einfachen Flechtwerk bestanden.

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Rekonstruktion der Energiesparwand aus der Bronzezeit: K-Wert zwischen 0,5 und 1,0 W/(m2K) erreichen Neubauten erst seit 1995

Doppelwandiger Aufbau mit Dämmung

Die Wände der Hütten bestanden aus zwei Flechtwänden im Abstand von zehn Zentimetern. Dazwischen hatten die Bewohner dick Gras gestopft. Zwar war das Gras ein Opfer der Flammen geworden. Doch die Abdrücke der Halme im hartgebrannten Lehmbewurf brachten die Archäologen auf die Spur der Energiesparwand aus der Bronzezeit - ein Glücksfall nicht nur für die hessischen Archäologen.

Es ist äußerst plausibel, dass die Menschen ihre Hütten schon damals gut dämmten, denn in unseren Breitengraden hätte sonst in ihren Behausungen über lange Zeiten im Winter bitterer Frost geherrscht.

Beim Autor ist eine DVD mit historischen Büchern zum Thema: Wärmeschutz-Energieeinsparung zum Preis von 5 EUR erhältlich.
E-Mail: Eicke-Hennig(at)t-online.de

Kontakt und Herstellung der Wand: Irene Staeves, Gelnhausen über Hessische Energiespar-Aktion 06151 290456 (Frau Schulz)

Verblüffend gute Dämmwerte

Mit der zehn Zentimeter dicken Grasfüllung ist der Wärmeschutz verblüffend gut. Der U-Wert liegt zwischen 0,5 und 1,0 W/(m2K), je nachdem, wie fest das Gras eingestopft wurde und ob es feine oder grobe Grashalme waren.

Mit einer gewissen Demut sollten wir feststellen, dass diese Qualität bei Neubauten erst 1995 mit der damaligen Wärmeschutzverordnung wieder erreicht wurde. Der Fortschritt führt uns also manchmal nur wieder zu Bewährtem aus der Vergangenheit zurück.

In den Jahrtausenden dazwischen wurde der Wärmeschutz der Wände sogar wieder viel schlechter: Fachwerkwände isolieren vier- bis sechsmal schlechter, Vollziegelmauern immer noch dreimal schlechter als die bronzezeitliche Energiesparwand.

Bauen mit der Natur

Bauen mit der Natur und nicht gegen sie führt in unserem Klima zu einem guten Wärmeschutz aller Bauteile. Wenn man in der Bronzezeit schon bei zehn Zentimeter Grasdämmstoff angelangt war, wie viel mehr können wir heute tun: Unsere Dämmstoffe sind haltbarer und dämmen besser, wir besitzen dauerhaftere Techniken und gute Werkzeuge aus Eisen und Stahl.

Überall arbeiten Planer und Handwerker und überdies hilft die Kreditanstalt für Wiederaufbau durch saftige Zuschüsse. Und wer wie unsere Vorfahren mit Gras dämmen will, der findet im hessischen Odenwald nach 3.500 Jahren wieder einen Hersteller von Grasdämmstoff, industriell aufbereitet, versteht sich.

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