Ende des Öls

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Unserer Wirtschaft geht das Benzin aus, und noch keiner will es wahr haben

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Nur noch 10 Jahre Öl? Senecas Klippe

Den Elefanten im Zimmer versucht man unter dem Teppich zu verstecken. Das Ende des fossilen Öls lässt sich aber kaum mehr ignorieren. In gut zehn Jahren könnte das Ölzeitalter beendet sein. Dabei schickt die Sonne genug Energie. Aber unser Transport basiert noch nahezu vollständig auf Öl.
Von Aribert Peters

(12. Dezember 2016) Warum sinken die Ölpreise, obwohl die Ölförderung immer teurer wird? Warum wird immer mehr Öl gefördert, obwohl die Lagerstätten sich zunehmend erschöpfen? Warum hat das Überschreiten des weltweiten Fördermaximums (Peak-Oil)  bisher die Ölpreise nicht in die Höhe getrieben? Warum haben sich die Ölproduzenten nicht auf einen höheren Ölpreis einigen können, der allen höhere Einnahmen sichert? Plausible Erklärungen sind Mangelware. Wir berichten über die Probleme bei der Ölförderung und ein umstrittenes Erklärungsmodell.

337 Klippe am Meer / Foto: Fotolia.com/Jürgen Fälchle

Der Zerfall der Ölindustrie

Vor unseren Augen zerfällt derzeit die Ölindustrie ungeachtet immer höherer Fördermengen. Denn die Weltmarktpreise für Rohöl, rund 50 US-Dollar (kurz USD) decken die immer höheren Kosten für Förderung, Verarbeitung und Transport (rund 100 USD) nicht mehr.

337 Erdölfunde

Weltweit haben die nationalen Ölfördergesellschaften ihre Investitionen im Vergleich zu 2014 halbiert. Die Ölfirmen mussten 2015 rund 100 Milliarden USD abschreiben. Die Verschuldung der Firmen steigt und gefährdet das gesamte globale Finanzsystem. Im Jahr 2015 haben in Nordamerika 213 Öl- und Gasfirmen Konkurs angemeldet und dabei Schulden in Höhe von 85 Milliarden USD hinterlassen. Bereits 100.000 Beschäftigte in der Öl- und Gasindustrie wurden in den USA entlassen, 300.000 weltweit, das sind 16 Prozent aller in dieser Branche Beschäftigten. Weil der Abwärtstrend schon länger anhält, ist das mit diesen Beschäftigten verbundene Know-How unwiederbringlich verloren. Das verschärft die Probleme durch den Alterungsprozess der Belegschaft. Im Jahr 2014 waren 71 Prozent der Beschäftigten in der Öl- und Gasindustrie älter als 49 Jahre. Das ist eine Folge der Massenentlassungen in den 90er Jahren. Das schränkt die Möglichkeiten der Branche, die Nachfrage bis in die 20er Jahre zu decken, deutlich ein.

Gewinne im Keller

Auch die Gewinne der Ölindustrie haben sich seit 2014 halbiert. Der Gewinn von Exxon Mobil lag 2015 bei 2,78 Milliarden USD im Vergleich zum Vorjahr mit 6,57 Milliarden USD.  Mit Exploration und Förderung wurde ein Verlust von 538 Millionen USD in den USA gemacht. Aber sogar in den Jahren mit den fetten Ölpreisen von 2011 bis 2013 hat sich der Überschuss signifikant verringert. Exxon hat im Jahr 2015 die Schätzung seiner Ölreserven um ein Drittel verringert, die verbleibenden Reserven reichen bei gegenwärtiger Produktion noch für 12 Jahre.

337 Jahresbilanz internationaler Öl- und Gasfirmen

BP hat 2015 einen Verlust von 6,5 Milliarden USD gemacht, verglichen mit einem Gewinn von 3,8 Milliarden USD im Jahre 2014. Die Firma wird 2016 4.000 Arbeitsplätze in der Exploration und Produktion abbauen. Um die Investoren nicht zu verärgern, zahlt BP trotz der Verluste eine Dividende an die Aktionäre.

Der Ölgigant Chevron hat zum ersten Mal in einem Quartal seit 2002 rote Zahlen geschrieben: 588 Millionen USD im letzten Quartal 2015. Ein Jahr zuvor noch lag der Gewinn bei 3,5 Milliarden USD. „Schon im Jahr 2020 könnten die USA ein vollkommen anderes Land sein. Und die meisten sind darauf nicht vorbereitet“, schreibt der SRSrocco Report.

Energetischer Erntefaktor

Ein Teil der Energie eines Liters Rohöl geht als Abwärme verloren, ein Teil muss für Bohren und Verarbeiten verwendet werden und nur der verbleibende Teil kann wirtschaftlich genutzt werden. Eine systematische Art, den Aufwand für die Bereitstellung von Öl zu betrachten, ist der sogenannte EROI (energy return of investment). So bezeichnet man den Quotienten zwischen nutzbarer Energie zu der Energie, die zur Förderung und Verarbeitung eingesetzt werden muss.

337 Erntefaktor (EROI) zeigt die Herausforderungen

Ein EROI von 10:1 bedeutet, dass man durch den Einsatz einer Energieeinheit 10 Einheiten nutzbarer Energie erhält. 2010 wurde nach Berechnungen von Charles Hall der Wert von 10:1 unterschritten. Verlängert man diesen Trend, dann wird der EROI im Jahr 2030 bei 6,7:1 liegen (Charles Hall: EROI of different fuels, Energy Policy 2014). Dann kommt man in einen Bereich, in dem die Ölförderung aus energetischen Gründen nicht mehr sinnvoll ist.

Weil sich die Ergiebigkeit der Ölquellen ständig verschlechtert – es muss tiefer gebohrt werden, man fördert zu 95 Prozent Wasser mit nur geringem Ölanteil – steigt der Förderaufwand, bis er dem Energieinhalt des geförderten Öls entspricht.

Das ETP-Modell von Bedford Hills

Überraschende, einleuchtende Erklärungen für die sich vor unseren Augen abspielenden Veränderungen geben die Analysen der Hills Gruppe mit dem sogenannten ETP-Modell. Zur Gruppe gehören amerikanische Ölingenieure unter der Leitung von Bedford W. Hills. Sie befassen sich beruflich damit, die noch in Ölfeldern verbleibenden Reserven abzuschätzen.

Sie haben auf der Basis von Entropieberechnungen ein Modell für die konventionellen Ölreserven entwickelt, das ETP-Modell (Energy Total Production). Es geht über die rein energetische Betrachtung hinaus und bezieht auch den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik ein, ein physikalisches Naturgesetz.

Die Ergebnisse des ETP-Modells sind verblüffend und klingen widersprüchlich. Die Theorie wird zwar von vielen Experten als Scharlatanerie abgetan, auch weil es schwer verständlich ist und von einem Außenseiter veröffentlicht wurde. Wir stellen diese Theorie aber hier vor, weil sie alle derzeit zu beobachteten Erscheinungen der Ölförderung in einem Modell zusammenführt.

Die Vorhersagen des ETP-Modells sind so dramatisch, dass es höchste Zeit ist, sich damit zu befassen. Selbst wenn sie nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zutreffen, sind die Konsequenzen so gravierend, dass man sie nicht ignorieren darf. Wir tun den ersten Schritt, indem wir Ihnen das weithin unbekannte ETP-Modell, die Seneca-Klippe und deren Konsequenzen in einfacher Form darstellen.

337 Förderkosten, tatsächlicher und „bezahlbarer“ Ölpreis

In dem Hills-Report heißt es: „Wir sind zur Abschätzung der verfügbaren Reserven ausgegangen von den wenigen relativ genau verfügbaren Daten: die jährliche Menge weltweit geförderten Öls und seinen jeweiligen Preis. Wir haben daraus ein einfach handhabbares Modell abgeleitet und es anhand der historischen Daten auf seine Vorhersagefähigkeit getestet. Es basiert auf der Kausalität des ersten und zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik.

ETP (Total Production Energy, angegeben in der Einheit BTU/gal) ist die Energiemenge, die zur Förderung, Aufbereitung und Verteilung einer Gallone Öl gebraucht wird. ETP wird mit einer Formel errechnet aus der jährlichen weltweiten Ölförderung, der Wassermenge, die in das Gestein hineingepumpt werden muss, um das Öl daraus zu fördern und der Temperatur der Förderstelle, genähert ermittelt aus der weltweiten mittleren Fördertiefe.

Die Obergrenze für ETP ist der Energieinhalt des geförderten Barrel Öls, der 140.000 BTU/gal beträgt. Ist dieser ETP-Wert erreicht, hat man so viel Energie für die Förderung eingesetzt, wie Energie in diesem Barrel enthalten ist.“
Theoretisch gesehen können nur 71 Prozent der im Öl enthaltenen Energie genutzt werden (zweiter Hauptsatz!), das sind rund 100.000 BTU/gal.

Zwei kritische Zeitpunkte

2012 Halbzeit: Der Produktionsaufwand für Öl übersteigt mit 70.000 BTU/gal den kritischen Wert von 50 Prozent des Energiegehalts von Öl. Also wird die Hälfte der Energie eines geförderten Barrels Öl für Förderung, Bereitstellung und Transport eingesetzt. Ab hier wird die Ölbereitstellung einen größeren Anteil Energie beanspruchen, als für die übrige Wirtschaft an Energie zur Verfügung gestellt werden kann. In der Folge muss die Förderung schneller ausgeweitet werden, um die immer größeren Energiemengen, die für ihre Förderung notwendig sind, bereitzustellen: ein Teufelskreis.

Es ist wie der Lauf der roten Königin (Red Queen, RQ) im Kindermärchen Alice im Wunderland. Du musst immer schneller laufen, um überhaupt auf der Stelle zu bleiben. Und du musst doppelt so schnell laufen, um voran zu kommen. Die Ölindustrie muss immer größere Ölmengen fördern, um den immer höheren Energieaufwand für die Förderung wettzumachen. Die Wirtschaft muss den gigantischen Moloch der Ölindustrie bezahlen mit immer mehr Geld (und Energie), obwohl immer weniger Öl dafür abgeliefert wird. Für 2012 weichen die Werte von EROI (10:1) und ETP (50 Prozent) stark voneinander ab.

2030: Ab diesem Jahr lohnt sich die Ölförderung nicht mehr. Der ETP ist gestiegen auf 97.000 BTU/gal. Das entspricht einem EROI von 6,9:1 oder einem Wasser-zu-Öl-Verhältnis von 40:1. Die Produktionskosten von Öl liegen dann bei 555 USD/Barrel.

Öl-Pearl-Harbour

Der vom ETP berechnete „bezahlbare Ölpreis“ sinkt seit 2012 radikal. Und seit 2014 liegt er unter den Förderkosten. Tatsächlich hat das ETP-Modell den Ölpreisverfall des Jahres 2014 vorhergesagt, bevor er tatsächlich eintrat. Louis Arnoux nennt diesen Preisverfall das „Öl-Pearl-Harbour“. Denn wenn der „bezahlbare Preis“ unter die Förderkosten absinkt, dann wird die Ölförderung zum Verlustgeschäft. Die Ölwirtschaft zerfällt, weil sie keinen Gewinn mehr erzielen kann. Zwar liefert Öl derzeit nur 38 Prozent der globalen Weltprimärenergie. Aber Öl ist die Wurzel des gesamten globalen Energienetzwerks. Denn 94 Prozent des Transports basiert auf Öl. Kohleförderung und Verarbeitung ist ebenso wie Gasförderung ohne Öl nicht möglich.

Der „bezahlbare Preis“

Dieser vom ETP-Modell berechnete Preis darf nicht mit dem Geldwert verwechselt werden, den ein Verbraucher für Öl zu zahlen bereit ist. Er berechnet sich aus dem Energiegehalt, der nach der Ölförderung und dem Abzug des ETP verbleibt. Dieser Energiewert wird umgerechnet in einen Dollar-Wert. Dabei wird betrachtet, welcher Energieinput für die Herstellung von Gütern im Wert von 1.000 USD erforderlich ist. Dafür gibt es Statistiken für jedes Jahr und jedes Land. Die Energieeffizienz erhöht sich jedes Jahr, der ökonomische Nutzen der Energie sinkt dadurch. Gleichzeitig steigt der für die Ölförderung und Verarbeitung notwendige Energieeinsatz. Im Ergebnis sinkt deshalb der „bezahlbare Preis“ seit 2012.

Der „bezahlbare Preis“ ist der maximal mögliche Zugewinn an BIP, welchen ein Barrel Öl für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zur Verfügung stellt. Angebot und Nachfrage spielen also keine Rolle für diese Preisobergrenze.
Nach der Vorhersage von Hills sinkt der Ölpreis ab dem Moment, ab dem die Ölwirtschaft für die Förderung mehr Energie verbraucht, als sie für den Rest der Wirtschaft zur Verfügung stellt. Das war der Fall im Jahr 2014.

Der „maximal bezahlbare Preis“ für Öl erreichte 2012 seinen Höchstwert mit 104 USD/bar. In diesem Jahre überstiegen die Produktionskosten für Öl (schwarze Linie) erstmals den „maximal bezahlbaren Preis“ (rote Linie). In der Folge sinken die Ölpreise, auch wenn die Produktionskosten weiter steigen. Nach Hills Prognose sinken die Ölpreise künftig noch weiter: Er erwartet ein Abflachen des Preisverfalls und einen Preis von 40 USD im Jahr 2020 und etwa 25 USD um 2025.

337 Klippe Fjord Meer / Foto: Pixabay.com

Konsequenzen

Wir zitieren dazu Hills: „Die Erschöpfung fossiler Energievorräte ist die unvermeidliche Folge ihrer Nutzung und gehört in dieselbe Kategorie wie der Tod oder das Steuerzahlen […] Das ETP-Modell sagt einen schnellen Niedergang voraus im Gegensatz zur allgemeinen Überzeugung, dass die Ölproduktion langsam ausläuft und deshalb keine Probleme nach sich zieht. Dieser Niedergang ist bekannt als ein „Herunterschliddern auf der Hubbert-Kurve“. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die Qualität des geförderten Öls sich nicht ändert. Das stimmt aber nicht mit den Tatsachen überein, die einen wachsenden Energieeinsatz für Förderung und Verarbeitung beobachten.

Die Ausbeutung der Ölfelder ist weiter fortgeschritten und die Förderung wird schneller abnehmen, als allgemein angenommen wird. Die letzten 25 Prozent der Ölvorräte sind um Größenordnungen kostspieliger zu erschließen als die ersten 25 Prozent. Die zunehmende Erschöpfung der weltweiten Ölreserven könnte Veränderungen in einer Größenordnung mit sich ziehen, für die es in Jahrtausenden keinen Vergleich gibt. Um durch diese konfliktreiche und schwierige Zeit zu steuern, ist es unerlässlich, die Ereignisse richtig zu verstehen. Dieser Report soll einen Beitrag dazu liefern.“

Von den 4.300 Milliarden Barrel Weltölvorräten sind nach Hills nur 1.760 Milliarden Barrel förderbar. Davon sind 84 Prozent schon gefördert und verbraucht worden.

In den kommenden zehn Jahren wird die Ölindustrie komplett zerfallen sein. Der thermodynamische und wirtschaftliche Zusammenbruch der Ölindustrie spielt sich derzeit bereits ab (siehe oben). Das wird gravierende Auswirkungen auf die Nutzung aller anderen Energiequellen und die industrielle Welt insgesamt haben, weil der Transport weltweit ausschließlich auf Öl basiert. Die Kombination aus Klimawandel, Luftverschmutzung, globaler Schuldenkrise und Lebensmittelknappheit erzeugt „den perfekten Sturm“.

Selbst wenn jedoch mit sinkender Fördermenge die Preise steigen würden, wäre das Ende der Ölförderung nicht aufzuhalten. Denn dabei handelt es sich um ein physikalisch bedingtes Phänomen, das sich durch Preise oder Geldströme nicht ändern lässt.

Preisverfall durch Überangebot?

Die Überproduktion von Öl ist nicht Ursache des Preisverfalls, sondern seine Folge: Der Preisverfall hat zur Überproduktion geführt. Wenn die Preise sinken, müssen die Förderländer die Produktion ausweiten, um ihre Kosten zu decken. Die Preise sind aber gefallen, weil die Wirtschaft immer weniger für Öl zahlen kann. Es ist ein fataler Fehler, die Ölschwemme auf den Weltmärkten als Signal zu sehen, dass Öl noch längere Zeit in genügender Menge zur Verfügung stehen wird. Das Gegenteil ist der Fall.

Die ökonomische Theorie und auch der gesunde Menschenverstand prognostizieren, dass die Ölpreise als Reaktion auf eine weltweite Ölverknappung mit einem steilen Anstieg reagieren. Selbst wenn das eintreten würde, würde es den Zerfall der Ölindustrie und der Ölförderung nicht aufhalten können. Deshalb ist es ein verhängnisvoller Fehler, bis zu einem Preisanstieg das Ölproblem einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Senecas Klippe

Was tun? Das Einfachste ist, das Ende der Ölforderung zu vergessen, sich über die niedrigen Ölpreise zu freuen und die Verluste der Ölindustrie als gerechte Strafe für böse Monopolisten zu feiern.

Arnoux spricht vom Wunderfee-Effekt: Man hofft auf eine Wunderfee, die alle Probleme löst – selbst wenn man weiß, dass dies einfach nicht stimmt. (bdev.de/arnoux)

Zurzeit kompensieren die Förderländer die sinkenden Einnahmen durch die niedrigen Ölpreise mit immer höhere Fördermengen. Allerdings wird dadurch die Katastrophe umso schneller und unausweichlicher. Eine passende Metapher dafür ist „Senecas Klippe“: „Es wäre einiger Trost für unsere Schwäche, wenn alles ebenso langsam zerfallen würde, wie es entstanden ist. Allein mit dem Wachstum geht es langsam, mit dem Verderben eilig“ (lateinisch: Nunc incrementa lente exeunt, festinatur in damnum.  Lucius Anneaus Seneca,  Briefe an Lucius Nr. 91). Seneca war ein römischer Philosoph und Staatsmann und lebte von 1. n.C. bis 65. n.C.. (voller Brieftext bdev.de/senecaaudio).

Diese Beobachtung Senecas gilt auch für die Produktion fossiler Energien wie Rohöl. Und wir befinden auf der Kante von Senecas Klippe. Das schrieb Prof. Ugo Bardi im Dezember 2014.

Alles schon verbrannt

Der IEA World Energy Outlook rechnet mit einer Erwärmung von 3,6 Grad bis 2040 und von sechs Grad bis 2100. 90 Prozent der Erde sind dann unbewohnbar. 90 Prozent aller Menschen werden damit ausgelöscht. Das sichere Limit von 350 ppm CO2 wurde vor 28 Jahren überschritten. Um wieder zu diesem Wert zurückzukehren, ist ein beschleunigter Ausstieg aus fossilen Energien und eine aktive Dekarbonisierung der Atmosphäre unerlässlich.

Ölersatz

Agrarrohstoffe können Erdöl nicht ersetzen. Die Energieausbeute liegt in einem weiten Schwankungsbereich. Der EROI von Bioethanol kann kleiner 1 sein, bei Zuckerrohr geht er bis 8:1, wenn man keine Energie für die Ernte einrechnet. Auch die Kohleverflüssigung bringt uns nicht weiter, denn der EROI dafür liegt zwischen 2 und 5:1. Kanadische Teersande haben ebenfalls ein EROI zwischen 2 und 5:1.

Was folgt daraus?

Es bleibt der Phantasie des Lesers überlassen, sich die praktischen Konsequenzen auszumalen. Wenn in zehn Jahren kein Öl mehr zur Verfügung steht, wird es höchste Zeit, sich jetzt über Alternativen Gedanken zu machen. Öl wird nicht nur zum Verbrennen in Heizungen und Autos gebraucht. Er ist ein unersetzbarer Rohstoff für Chemie und Pharmazie.

337 Beispiele für Energiewende-Regionen

Hermann Scheer schreibt in seinem letzten Buch „Der energethische Imperativ – 100 Prozent jetzt: Wie der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist“: „Der wichtigste Beschleunigungsfaktor ist, jegliche willkürliche Verhinderungspolitik gegen erneuerbare Energien bei Standortgenehmigungen auszuschließen.“

Für wertvolle Kommentare bedanke ich mich bei Berndt Warm und Werner Zittel. Die Verantwortung für alle Fehler bleibt bei mir.

Energieautonomie als Strategie

Eine Prognose ist schon jetzt gesichert: Erneuerbare Energien werden eines Tages die einzigen sein, mit denen die Menschen ihre Energiebedürfnisse befriedigen. Wenn der Umschwung zu erneuerbaren Energien nicht in den nächsten beiden Jahrzehnten gelingt, wird die Welt absehbar in gewaltträchtige Ressourcenkonflikte schlittern.

Energieautonomie ist aber nicht nur das Ergebnis eines Wechsels zu erneuerbaren Energien, sondern zugleich der harte Kern der praktischen Strategie: Autonome Initiativen von Individuen, Organisationen, Unternehmen, Städten und Staaten sind geboten, um das Ganze zu bewegen.

Die neue Politik für erneuerbare Energien ist, diesen Initiativen die Räume zu öffnen, in denen sie sich ungehindert entfalten können.

Dem schwedischen Wirtschaftsnobelpreisträger und Soziologen Gunnar Myrdal zufolge kann ein gesellschaftliches Projekt durchgesetzt werden, wenn es nur von fünf Prozent passionierter Menschen zielstrebig und ausdauernd verfolgt wird.

Aus dem Buch Energieautonomie von Hermann Scheer 2005

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Das dicke Ende des Ölpreisverfalls

(5. Januar 2016) Immer mehr Analysten weltweit agierender Banken und Unternehmensberater interpretieren den spektakulären Einbruch des Ölpreises in der zweiten Jahreshälfte 2014 und die (Nicht-)Reaktion des größten Ölförderers Saudi-Arabien als Anfang vom Ende des Ölzeitalters.

Wäre der Ölpreisverfall eine Folge weltweiten Verbrauchsrückgangs, könnte das Ölzeitalter tatsächlich langsam und friedlich im Grab der Geschichte beerdigt werden. Es wäre dann nur logisch, dass die Anstrengungen um eine Ausweitung der Ölförderung zurückgingen.

337 Weltweite Öl- und Gasverbrauchs 1990 bis 2014

Die Fakten jedoch erzählen eine andere Geschichte. Der Verbrauch von Öl hat in Deutschland seit 1990 deutlich abgenommen. Weltweit jedoch hat der Öl- und Gasverbrauch seit 1990 kräftig zugenommen. Auch in Deutschland ist zumindest der Gasverbrauch seit 1990 steigend. Es ist wenig verwunderlich, das weltweites Wachstum und sinkende Preise zu steigenden Verbräuchen führen. Aller Klimaschutz, alle Effizienzsteigerungen und auch der Preisverfall der Erneuerbaren haben das weltweite Verbrauchswachstum bei Öl und Gas bisher nicht gestoppt. Die kostspielige und langwierige Er­schließung neuer Öl- und Gaslagerstätten ist unterdessen weltweit zum Erliegen gekommen. Die zunehmenden Öl- und Gasverbräuche werden umso schneller an die Grenzen der Verfügbarkeit stoßen, je geringer die Anstrengungen um neue Quellen sind.

Zwischen 1990 und 2014 stieg der weltweite Ölverbrauch um durchschnittlich 1,3 Prozent jährlich. Bis zum Jahr 2030 steigt der Weltölverbrauch um ein Viertel, wenn dieser Wachstumstrend bis dahin weitergeht. Beim Gas liegt das jährliche Wachstum des weltweiten Verbrauchs zwischen 1990 und 2014 bei jährlich 3 Prozent, hat sich aber zwischen 2010 und 2015 auf 1,5 Prozent verringert. Bis zum Jahr 2030 läge der weltweite Verbrauch um fast ein Drittel über dem heutigen, wenn das verminderte Wachstum anhielte.

Die Zahlen zeigen deutlich, dass die weltweit verbrauchten Öl- und Gasmengen schon bald nicht mehr zur Verfügung stehen können. Erhebliche Preissprünge erscheinen unausweichlich. Denn wenn die nachgefragte Menge nicht mehr zur Verfügung steht, dann können nur Preissprünge die Nachfrage reduzieren. Was derzeit wie das Ende des Öl- und Gaszeitalters aussieht, könnte also leicht das Ende der darauf basierenden Zivilisation sein – zumindest wie wir sie heute kennen.

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Eine Welt ohne Öl

Öl ist eine endliche Ressource, die sich unweigerlich verknappen wird. Der in Oxford lebende Ökonom Jörg Friedrichs hat dazu Länder verglichen, die plötzlich ohne Öl auskommen mussten. Er wagt einen Blick in eine Zukunft ohne Öl. weiter lesen

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