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Energie-Communities

Energie-Communities

Strom nicht einfach ins große Netz einspeisen, sondern gezielt an gleichgesinnte Verbraucher zu vermarkten, das ist die Grundidee von Energiegemeinschaften, neudeutsch: Energie-Communities.

(13. Januar 2017) Was alle Energie-Communities gemeinsam haben: Sie wollen Erzeuger und bewusste Verbraucher verbinden. Wenn möglich, sollen dabei beide Seiten sparen und die Energiewende voranbringen. Gleichzeitig sind Energie-Communities auch ein Geschäftsmodell und eine Marketing-Strategie. Sie basiert auf dem Wunsch vieler Verbraucher, sich unabhängig von den etablierten Energieversorgungsunternehmen zu machen und dabei möglichst autark zu werden, Sicherheit vor Strompreissteigerungen zu gewinnen, umweltfreundlicher zu werden und dabei auch noch Geld zu sparen. Aber wie funktioniert das Ganze und wo liegen die Unterschiede? Ein Vergleich von sonnen, Buzzn, Beegy und Caterva.

2393 Wohin fließt dein Stromgeld? / Quelle: buzzn GmbH

Das Stromgeld, das du bei buzzn bezahlst, wird für eine Vielzahl einzelner Positionen verwendet und erreicht eine Vielzahl verschiedener Empfänger: Verdeutlicht am Beispiel eines Münchener Haushalts mit 2.500 kWh Jahresbezug und Eintarifzähler.

Buzzn

Buzzn bietet bereits seit mehreren Jahren die Direktvermarktung von Strom aus kleinen Erzeugungsanlagen an. Auch Erzeugungsanlagen ohne EEG-Vergütung können mitmachen. Die Anlage speist also wie bisher ins örtliche Netz, wird aber von Buzzn aufgekauft. Es wird dann keine klassische EEG- oder KWKG-Vergütung gezahlt. Die Vergütung erfolgt durch die Vermarktung von Buzzn, aber zum Teil auch weiterhin vom lokalen Netzbetreiber, welcher je nach Einzelfall vermiedene Netzentgelte oder Marktprämien ausschütten muss. Stromkunden können von Buzzn diesen Strom kaufen wie von einem anderen Stromanbieter. Allerdings ist der Strom von Buzzn garantiert umweltfreundlich hergestellt. Und man unterstützt andere Verbraucher, die selbst Strom herstellen. Drittens ist der Strom von Buzzn, im Vergleich mit anderen Anbietern teilweise sogar günstiger.

Buzzn verkauft Strom ab 23,90 ct/kWh plus 5,30 Euro Grundpreis pro Monat. Buzzn kauft den Strom und zahlt dafür typischerweise 1 ct/kWh mehr als der Netzbetreiber.

Aber: Ein leistungsmessendes Smart-Meter und gegebenenfalls Fernsteueroptionen müssen nachgerüstet werden, sofern nicht schon vorhanden. Ob sich das unter dem Strich rentiert, hängt von der Menge des eingespeisten Stroms und der bereits vorhandenen Geräteausstattung ab.

sonnenCommunity

Die sonnenCommunity wird vom Batteriehersteller Sonnen GmbH mit Sitz in Wilpoldsried (Allgäu) für seine Kunden mit einer Batterie mit mindestens 6 kWh organisiert. Die Kundenbatterien werden bilanziell zu einer virtuellen Großbatterie zusammengeschlossen. Die ungenutzte Speicherkapazität wird als Regelenergie zur Netzstabilisierung vermarktet. Sonnen ist als eines der 50 weltweit innovativsten Unternehmen vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) gelistet worden.

Jedes Gemeinschaftsmitglied zahlt eine monatliche Gebühr von 20 Euro. Wer seinen Speicher auch für Regelenergie zur Verfügung stellt, bekommt kostenlosen Reststrom (sogenannte Flatrate) – allerdings nur in einem Rahmen, der von der Größe der Photovoltaikanlage und des Batteriespeichers abhängt. Wer mehr verbraucht oder nicht bei der „Flatrate“ dabei ist, zahlt für die ersten 2.000 kWh 23 ct/kWh und für weiteren Verbrauch 25,9 ct/kWh. Die Flatrate-Hardware muss mit einmalig 930 Euro bezahlt werden (für die ersten 2.000 Kunden kostenlos). Für die Stromeinspeisung bekommen die Community-Mitglieder 0,25 ct/kWh (Wind, PV) bzw 0,1 ct/kWh (Biogas, Wasserkraft) mehr als bei regulärer Einspeisung.

Beegy

Beegy ist ein Ende 2014 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen von MVV Energie Mannheim, BayWa, dem irischen Wärmepumpenhersteller Glen Dimplex und GreenCom Networks. Einerseits kauft man bei BeegyLive eine Solaranlage mit Speicher auf Raten mit 20-jähriger Servicegarantie. Andererseits versteht sich Beegy auch als Gemeinschaft aller Beegy-Kunden, die Überschussstrom untereinander austauschen. Im Angebot ist auch der „Powerwall“ genannte Stromspeicher des US-amerikanischen Elektroautobauers Tesla. Der Verbraucher zahlt eine monatliche Rate, um die PV-Anlage einschließlich des Speichers über 20 Jahre abzubezahlen. Dazu kommt eine monatliche Gebühr je nach Anlagengröße und Verbrauch. Ein Internetkalkulator erlaubt die Berechnung der monatlichen Gebühr. Auch Beegy wirbt mit einer „Strom-Flatrate“. Dies ist aber ein Etikettenschwindel. Denn im Folgejahr wird die monatliche Gebühr an den Verbrauch des Vorjahres angepasst. Und damit bezahlt man faktisch den im Vorjahr verbrauchten Strom. Ob und wie die monatliche Gebühr an insgesamt steigende Strompreise angepasst wird, darüber macht Beegy keine Versprechen oder Prognosen. Der Anbieter selbst gibt dazu lediglich an, dass „im Normalfall unsere Servicegebühr von weiter steigenden Strompreisen unberührt bleibt“. Sicherheit sieht anders aus.

Caterva

Ähnlich wie der Batteriespeicher-Hersteller sonnen bietet auch das Unternehmen Caterva einen Gemeinschaftstarif an. Bei diesem Angebot handelt es sich ebenfalls, anders als der Name „Freistrom“ impliziert, nicht um eine echte „Flatrate“. Der Zusatzstrombezug aus dem Netz ist nur in Höhe der insgesamt  mit der eigenen PV-Anlage erzeugten Menge frei. Hat beispielsweise eine Anlage mit 5 kWp in einem Jahr 4.500 kWh erzeugt, darf der Betreiber zeitunabhängig 4.500 kWh „frei“ verbrauchen. Ein Monats- oder Jahresgrundpreis fällt nicht an. Der Freistromtarif für 20 Jahre ist bei der Anschaffung eines Caterva-Stromspeichers eingepreist. Weitere Bedingung ist, dass Caterva den Stromspeicher zur Bereitstellung von Regelenergie für das Stromnetz nutzen darf. Hierfür erhalten Betreiber eine variable (nicht garantierte) Vergütung von derzeit rund 1.000 Euro pro Jahr.