Freiwillig, aber erfolgreich

Der "Code of Conduct" ist eine freiwillige Vereinbarung zwischen der EU-Kommission und der Geräteindustrie. Damit ist es gelungen, den Stand-By-Verbrauch von Fernsehgeräten drastisch zu senken. Hans-Joachim Bruch berichtet über ein zu Unrecht völlig unbekanntes aber erfolgreiches Politikmodell.

(10. Juni 2006) - Teurer Leerlauf: Der Stand-by-Verbrauch macht laut Studien des Umweltbundesamtes etwa elf Prozent der privaten Stromrechnung aus. Das ärgert besonders energiebewusste Verbraucher. Mit der Stecker-raus-Methode (Schaltsteckdosen, Stand-by-Wächter etc.) ist die Energievergeudung nur zum Teil beeinflussbar. Kaum eine Chance, die Leerlaufverluste zu verhindern hat, ein Normalverbraucher bei Klingeltrafo, Telefonanlage, Antennenverstärker (auch bei Kabel und Satellit) etc. Hier helfen letztlich nur grundlegend neue Konzepte der Hersteller, um diese unsinnigen Verluste zu verhindern.

Vereinbarung für Stromfresser

Unter den zahlreichen nationalen und internationalen Aktivitäten zur Reduktion von Leerlaufverlusten gibt es seit 1999 einen EU-Arbeitskreis für den "Code of Conduct" (CoC). Er verhandelt Vereinbarungen zwischen der EU-Kommission und den Geräteherstellern. Dieser Arbeitskreis widmet sich zur Zeit einigen Gerätegruppen mit besonders hohem Stand-By-Verbrauch:

  • Externe Netzgeräte
  • Digitalfernsehdienste (TV-Geräte, Digitalempfangstechnik oder Pay-TV)
  • Breitband-Telekommunikation (neu seit 2004)
  • Für Netzteile zum Schutz gegen Netzstörungen etc., zu Deutsch: USV - unterbrechungsfreie Stromversorgung - befindet sich der "Code of Coduct" noch in Vorbereitung.

Im Arbeitskreis treffen sich zweimal im Jahr Vertreter der Unterhaltungselektronik, Provider, Chiphersteller, TV- Anbieter oder des Vertriebs sowie Vertreter staatlicher Einrichtungen und unabhängiger Agenturen. Der "Code of Conduct" ist nach einer Entscheidung der EU-Kommission der Versuch einer freiwilligen Vereinbarung vor einer Regulierung der Energieeffizienz. Auf diese Weise will man schneller die gewünschten Ziele erreichen.

Tabelle Ziele des Code of Conduct

Verringerung auf ein Drittel

Der 1999 begonnene "Code of Conduct" für Netzteile ist bereits äußerst erfolgreich bei Endverbrauchsgeräten, wie Notebook- oder Mobiltelefonnetzteilen. Weniger effektiv war man dagegen bei Küchengeräten und Kompaktanlagen der Unterhaltungselektronik.

Der "Code of Conduct" für Netzteile deckt nahezu alle Leistungskategorien bei Leerlaufverlusten und Effizienz in bestimmten Betriebsarten wie aktiv und passiv ab. Bei Geräten mit geringerer Leistung wurde die Verringerung der Leerlaufverluste in drei Schritten 2001, 2003 und 2004 auf ein Drittel vereinbart. Für Abgabeleistungen über 60 Watt ist noch ein weiterer Schritt für 2007 vorgesehen. Neuste Tests ergaben erfreulicherweise, dass der Mittelwert bei Leerlaufverlusten und Effizienz die Vereinbarungen einhalten wird.

Tabelle Leerlaufverluste bei TV nehmen ab 

Insgesamt beteiligen sich 19 Unternehmen am "Code of Conduct" für externe Netzteile, das heißt Netzteil-, Unterhaltungselektronikhersteller oder Mobiltelefonproduzenten.

Den "Code of Conduct" für Digital-TV gibt es seit 1999. Er wird momentan vorwiegend jedoch für STBs (Set Top Boxes - Digital-Receiver) oder IRDs (Integraded Receiver Decoders - eingebaute Pay-TV Entschlüssler) beachtet. Die Schwierigkeit dabei besteht in der ständigen Revision wegen neuer Geräte- und Anwendungsarten wie der inzwischen aufgenommene Festplattenrekorder (PVR), neuer hoch integrierter Chipsets mit neuen Funktionen sowie neuen (interaktiven) Diensten.

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Die Arbeitsgruppe trifft sich in Ispra am Lago Maggiore.

Überarbeitung notwendig

Erfreulicherweis überprüft die Industrie zur Zeit Vorschläge für ein umfangreiches Powermanagement, die ein überarbeiteten "Code of Conduct" vorschlägt. Eine Überarbeitung ist notwendig, da immer mehr Geräte neben Aufnahmen weitere Dienste übernehmen, die einen 24-Stunden-Betrieb erfordern.

Betriebsarten definiert

Für den "Code of Conduct" wurden in Anlehnung an die IEC 62087 (International Electrotechnical Commission) vier Betriebsarten bei ständiger Verbindung mit dem Stromnetz festgelegt:

  • Aus: keine Funktion, keine Betriebsarten mit Fernbedienung oder anderen internen und externen Signalen.
  • Stand-by passiv: keine Hauptfunktion, Schaltmöglichkeit mit Fernbedienung und internen Signale (Timer), keine externen Betriebsarten.
  • Stand-by aktiv: keine Hauptfunktion, jedoch mit Datenübertragung von außen und externen Betriebsarten.
  • An: Vollbetrieb inklusive unterstützender Signale für Zusatzgeräte.

Für die Effizienz im "An"-Betrieb gibt es noch keine Regelungen. Hier könnten noch je nach Betriebsart bestimmte Baugruppen abgeschaltet werden, wie der Entschlüsseler bei offenem Empfang. Für die beiden definierten Stand-by-Betriebsarten wurden über die Jahre bestimmte Reduzierungsziele für STBs-Set Top Boxes, Digitalkonverter, IRDs TVs mit integrierten Receiver Dekodern vereinbart. Darüber hinaus wird eine Reihe sehr interessanter Vorschläge diskutiert wie ein Autostand-by, ein Heim-(Ablauf-) Powermanagement (HPMP) für die Kontrolle der Geräte untereinander oder ein Pflichtenheft für Großkunden wie Sozialämter, die letztlich den sinnlosen Leerlaufstrom bezahlen.

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