zurück zur Übersicht

Hydraulischer Abgleich spart Heizkosten

Hydraulischer Abgleich spart Heizkosten

Vier von fünf Heizungen sind hydraulisch nicht abgeglichen! Dieser Abgleich kostet wenig, wird bezuschusst und bringt zwischen 10 und 20 Prozent Heizkostenersparnis. Deshalb sollten Verbraucher wissen, worum es beim hydraulischen Abgleich geht.
Von Aribert Peters

(28. September 2017) Im Hobbykeller schießt das heiße Wasser nur so in den Heizkörper, das Arbeitszimmer im Dachgeschoss wird hingegen auch bei voll aufgedrehtem Ventil kaum warm. Ungleich warme Heizkörper sind in Altbauten leider die Regel. Wer also Heizenergie sparen will, kommt um den hydraulischen Abgleich nicht herum.

Das faule Wasser

Wasser fließt immer den Weg des geringsten Widerstands, auch in der Heizanlage. Man kann sich das vorstellen wie eine Menschenmenge, die aus dem Kinosaal herausströmt. Wo eine breite Tür ist (geringer Widerstand), da strömen viele Menschen hindurch. Durch eine enge Tür (hoher Widerstand) gelangen aber nur wenige Menschen.

Lange Heizungsrohre mit vielen Bögen haben einen höheren Widerstand, als kurze gerade Rohre. Deshalb werden die Heizkörper nahe am Heizkessel wärmer und die weiter entfernt liegenden Heizkörper bleiben kühl.

Gas geben und Bremsen zugleich

Damit auch die entfernt liegenden Räume warm werden, kann man natürlich am Kessel einfach eine höhere Temperatur einstellen und dreht die Heizungspumpe höher, so dass mehr warmes Wasser auch zu den entfernteren Heizkörpern gelangt. Allerdings verschwendet man damit enorm viel Energie. Denn nun wird es in den heizungsnahen Räumen zu warm. Das überhitzte Wasser kommt auch viel zu heiß zum Heizkessel zurück und verdirbt den Brennwert-Effekt. Und die hoch eingestellte Pumpe verursacht störende Strömungsgeräusche und verbraucht unnötig viel Strom: Tag und Nacht das ganze Jahr hindurch.

Das ist ähnlich, als wenn man mit dem Auto ständig Vollgas gibt und die Geschwindigkeit mit der Handbremse regulieren würde: Nicht besonders effizient und klug.

1. Schritt: Ventile voreinstellbar machen

Klüger ist es, die Durchflussöffnungen der Heizkörper so einzustellen, dass alle Heizkörper nur die wirklich benötigte Wassermenge durchlassen. Dann werden alle Räume gleichmäßig warm.

Nun könnte man meinen, die automatischen Thermostatventile könnten das leisten. Das stimmt leider nicht. Denn die Thermostatventile können nur in einem engen Bereich regeln, der gerade ausreicht, um die Raumtemperatur zu stabilisieren. Aber die unterschiedlichen hydraulischen Widerstände im Rohrsystem können sie nicht auch noch zusätzlich ausgleichen.

Aber es gibt besondere Thermostatventile, bei denen man den Widerstand und damit die Durchflussmenge einmalig fest einstellen kann, sogenannte „voreinstellbare Thermostatventile“. Man erkennt sie daran, dass nach der Demontage des Thermostatkopfs ein Ring mit einer Zahlenreihe auf dem Ventil erkennbar ist.

Der hydraulische Abgleich ist nichts anderes, als der Einbau von voreinstellbaren Thermostatventilen und deren richtige Einstellung. Anschließend wird die Wassertemperatur – über die Heizkurve – und die Pumpenleistung auf das tatsächlich notwendige Maß gedrosselt.

Alle drei Schritte gehen Hand in Hand und sorgen letztendlich für eine enorme Einsparung. Das hört sich einfach an, ist es aber leider nicht.

Der Einbau voreinstellbarer Thermostatventile kann knifflig sein. Bei einigen Ventiltypen muss das Heizungswasser abgelassen werden, bei anderen kann die Buchse mit dem Ventil im laufenden Heizbetrieb ausgetauscht werden und bei anderen Ventilen gibt es Schleusen, die einen Austausch ohne Wasserablassen ermöglichen.

2. Schritt: Ventile richtig einstellen

Schwierig ist die richtige Voreinstellung für jedes einzelne Thermostatventil. Man muss den hydraulischen Widerstand des gesamten Rohrsystems berechnen und wissen, wie viel warmes Wasser jeder Heizkörper benötigt. Dies wiederum hängt von der benötigten Heizleistung in jedem Raum ab, also von der Wärmedämmung der Außenwände und der Kapazität des vorhandenen Heizkörpers – ein großer Heizkörper braucht nicht so hohe Wassertemperaturen.

Mit diesen Eingabedaten  kann man für jeden Heizkörper die einzustellenden Widerstände ausrechnen. Es gibt für diese Berechnungen Computerprogramme, zum Beispiel „Optimus Duo“ der Firma Hottgenroth. Vereinfachte Rechenprogramme gibt es auch fürs Smartphone von Oventrop, Honeywell und Heimeier.

Wärmebildkamera hilft

Auch die Wärmebildkameras, die vom Bund der Energieverbraucher ausgeliehen werden, können für den hydraulischen Abgleich genutzt werden: Beim Einbau voreinstellbarer Ventile stellt man diese auf den kleinsten Durchfluss. Ohne die Thermostatköpfe aufzusetzen schaltet man die Heizung an und beobachtet die Heizkörper. Jetzt dreht man langsam die Voreinstellungen so weit auf, bis alle Heizkörper im oberen Bereich warm werden, aber nach unten hin für einen guten Temperaturabfall sorgen. Welche Vorlauftemperatur und welchen Durchfluss das eigene Haus und jeder Heizkörper braucht, muss man erfahren und so lange nachstellen, bis alles passt.

Auch ein Infrarot-Thermometer – für kleines Geld im Baumarkt erhältlich – misst schnell und einfach die Temperatur des Heizkörpers oben und unten, ist aber wegen der fehlenden grafischen Darstellung weniger intuitiv. Diese „praktische Methode“ ist aufwendig, sorgt aber für maximale Einsparungen. Denn es wird an Temperatur und Durchfluss nur eingestellt, was wirklich benötigt wird. Die theoretischen Rechenprogramme arbeiten hingegen mit Reserve-Aufschlägen von bis zu 50 Prozent, damit Heizungsbauer nicht zum „Nachstellen“ gerufen werden!

Förderungen

Der hydraulische Abgleich wird ebenso wie der Effizienzpumpentausch mit einem Zuschuss von 30 Prozent durch die KfW gefördert. Er ist auch Voraussetzung für die Förderung einer Heizungssanierung, bei der Heizungsbauer nach DIN 18380 ohnehin einen hydraulischen Abgleich durchführen und dokumentieren müssen.