Blut für Öl - unfreiwillige Fortsetzung

"Ohne raschen Umstieg auf erneuerbare Energiequellen ist keineFriedensordnung für das 21. Jahrhundert möglich. Im Gegenteil: Der Kampfum Öl und Erdgas wird durch deren absehbare Verknappung und damitVerteuerung eine bisher ungekannte Brisanz erhalten, die in den nächstenJahren bis hin zu einem dritten Weltkrieg eskalieren kann", schrieb HansKronberger in der Energiedepesche Nr. 3 1998.

Nun hat er leider recht behalten: Die fragwürdige Bombardierung eines hungernden, kriegsgeplagten Landes ist Zeugnis moralischer Abstumpfung, mangelnden Lern- und Erinnerungsvermögens (Korea, Vietnam) und erfolgreicher Manipulation der Öffentlichkeit. Dieser Kampf wird auch um Öl- und Gasreserven geführt, dem Lebenselexier unserer Zivilisation.
Als die Energiedepesche 1998 aus dem Buch von Hans Kronberger "Blut für Öl" zitierte, wurde bereits damals ausführlich über Afghanistan berichtet (ED 3/1998, S. 8). Kronberger schrieb: "Die amerikanische Firma Unocal und die saudische Deltaoil investieren Millionen Dollarbeträge zur militärischen Aufrüstung der islamischen Fundamentalisten und halten so den Bürgerkrieg am Leben. Sie wollen nach Ende des Krieges von den siegreichen Islamisten die Abbau- und Durchleitungsrechte erhalten. Dabei scheint es völlig egal zu sein, daß bereits 1,7 Millionen Afghanen den Tod gefunden haben, fünf Millionen ins Ausland geflüchtet sind und zwei Millionen innerhalb des Heimatlandes als Vertriebene leben. Wenn es um Ölinteressen geht, fördert man sogar die Einführung der Scharia, der radikalmoslemischen Rechtsprechung...".

Mädchen in der Schule

Öl und Gas in Zentralasien

Es gibt zwar kein Öl in Afghanistan. Aber das Land hält die Schlüssel zu den Reichtümern Zentralasiens in den Händen. Die Öl- und Gasvorkommen rund um das Kaspische Meer sind die zweitgrößten nach denen im persischen Golf. Sie spielen für Weltenergieversorgung der kommenden zwei Jahrzehnte eine wachsende Rolle: Die zehn Mrd. Tonnen gesicherten Reserven in der kaspischen Region stellen gut zehn Prozent der weltweiten Ölvorräte (Persischer Golf: 85 Mrd. Tonnen, Nordsee: 2,5 Mrd. Tonnen). Man hält es für möglich, dass noch dreimal mehr Reserven in der Region lagern. Bei Erdgas verfügt allein Turkmenistan mit 15 Biollionen Kubikmeter über zehn Prozent der Weltreserven. In Chinas islamischer Provinz Xinjing lagern weitere elf Milliarden Tonnen Erdöl.

Karte Pipelines

Von strategischem Interesse: sicherer Öltransport zum Persischen Golf

Die USA als weltgrößter Energieverbraucher sowie China und Indien stehen im Wettstreit um die Nutzung dieses Reichtums. Alle diese Staaten sind Atommächte. Alle Industriestaaten suchen angesichts zunehmender Instabilität in Saudi-Arabien, sowie politischer Probleme im Irak und Iran ernsthaft nach alternativen Lieferanten von Erdöl und Erdgas, so Paul Sampson, Herausgeber der Londoner Ölbusiness-Zeitschrift "Nefte Compass".
Der ehemalige Verteidigungsminister Caspar Weinberger sagte folgerichtig, dass die Ölfelder Zentralasiens zum vitalen Interesse der Vereinigten Staaten gehören. Auch deshalb wird die "National Energy Policy Task Force" der USA von Vizepräsident Dick Cheney geleitet. Der Völkerrechtler Boyle vermutet in Spiegel Online, dass sich die US-Regierung schon vor dem 11. September für einen Krieg gegen Afghanistan entschieden hatte. Die Erschließung neuer Erdöl- und Erdgasvorkommen in den Ländern Aserbaidschan, Turkmenistan und Usbekistan mit Pipelines durch Russland, den Iran, Türkei, Georgien und auch durch Afghanistan stehen im Mittelpunkt des Interesses. Bisher liefen alle Pipelines nach Norden und verschafften den neuen unabhängigen Staaten Russlands ein Monopol.

Militärfahrzeuge

Das neue "Great Game" geht um die Erschließung der Südpassage. Erste Pipelines, die nicht über russisches Territorium führen, sind die Erdgaspipeline von Korpedsche (Westturkmenistan) nach Kurt Kui (Nord-Iran) die Ende 1997 in Betrieb ging und die Erdölpipeline von Baku nach Supsa (Georgien) am Schwarzen Meer (H. Rempel: Ressourcen im Kaukasus). An der Erschließung der Region beteiligen sich auch deutsche Firmen (Wintershall, Preussag, RWE, VEBA-Oel).
Der Energiehunger von China und Japan ist enorm. Man rechnet mit einer Verdoppelung des chinesischen Ölverbrauchs bis zum Jahr 2010. Wenn der Energiebedarf Asiens nicht ausreichend gedeckt werden kann, wird das Druck auf den Weltmarkt ausüben und die Preise werden überall steigen.
(AP)

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