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Monitoringbericht 2017

Monitoringbericht 2017

Über die technische und marktwirtschaftliche Situation der Strom- und Erdgasversorgung berichtet regelmäßig ein gemeinsamer Monitoringbericht von Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur. Wir haben uns den neuen Bericht angesehen.
Von Aribert Peters

(11. April 2018) Anders als es die Jahreszahl im Titel des Berichts vermuten lässt, ist der Monitoringbericht 2017 nicht brandaktuell. Vielmehr beleuchtet der kürzlich veröffentlichte Bericht im Wesentlichen das Jahr 2016. Dennoch enthält der Bericht viele interessante Details.

1224 Strommast / Foto: fietzfotos (CC0)

Strompreise
  • Am 1. April 2017 zahlten Haushaltskunden mit einem Verbrauch zwischen 2.500 und 5.000 kWh einen durchschnittlichen Strompreis von 29,86 ct/kWh. Am teuersten war es in der Grundversorgung mit 30,94 ct/kWh, mit einem Sondervertrag beim Grundversorger 29,61 ct/kWh und am günstigsten bei einem anderen als dem Grundversorger mit 29,12 ct/kWh. Die meisten Verträge haben eine Mindestlaufzeit von elf Monaten und eine Preisgarantie.
  • Besondere Vereinbarungen zu Lasten von Verbrauchern wie Kautionen, Pakettarife und Vorauskasse spielen statistisch kaum eine Rolle.
  • Die Preise für Nachtspeicherheizungen lagen bei einem Verbrauch von 7.500 kWh bei durchschnittlich 20,94 ct/kWh, für Wärmepumpen bei 21,65 ct/kWh.
  • Bei den Stromzählern dominieren noch immer mechanische Drehscheibenzähler mit 43,4 Millionen Stück. Von den insgesamt 7 Millionen elektronischen Stromzählern sind nur 500.000 so modern, dass diese mit einem Smart-Meter-Gateway verbunden werden können. Diese Gateways sind jedoch noch nicht am Markt verfügbar. Im Schnitt kosten moderne elektronische Zähler mit 20,12 Euro pro Jahr deutlich mehr als einfache Zähler.
Netzentgelte Strom
  • Die Netzentgelte für Haushaltskunden sind weiter angestiegen: Auf 7,3 ct/kWh. So hoch waren sie zuletzt vor dem Beginn der behördlichen Preiskontrolle im Jahr 2006 und waren zwischenzeitlich auf 5,75 ct/kWh im Jahr 2011 gesunken. Regional schwanken die Netzentgelte um das Vierfache: von 3,1 ct/kWh bis zu 13,6 ct/kWh. Besonders hohe Netzentgelte gibt es in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Geringere Netzentgelte finden sich hingegen zumeist im Süden der Republik.
  • Die Netzentgeltbefreiungen für große Betriebe haben weiter zugenommen: Auf insgesamt 787 Mio. Euro im Jahr 2016. Diese Befreiungen sind nach Meinung vieler Experten sachlich ungerechtfertigt und stellen eine versteckte Subvention von Großverbrauchern zu Lasten der übrigen Verbraucher dar. Denn sie erhöhen die Netzentgelte der nichtbefreiten Verbraucher erheblich.
Strommarkt
  • Es wurden im Jahr 2016 Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 4,2 GW neu errichtet (Vorjahr 3,6 GW). Bei PV-Anlagen beträgt der Zubau 1,5 GW. Das Ausbauziel des EEG von 2,5 GW wurde deutlich verfehlt.
  • Die Erzeugungsleistung aller konventionellen Kraftwerke lag 2016 bei 108 GW. Zieht man von den nicht Erneuerbaren 9,4 GW Pumpspeicherkraftwerke ab, die nicht ständig und dauerhaft Strom liefern können, verbleiben rund 98 GW nicht erneuerbare Kraftwerke. Hinzu kommen erneuerbare Erzeugungskapazitäten von 104 GW.
  • Der Stromaustausch mit dem Ausland führte im Jahr 2016 zu zusätzlichen Gewinnen der Stromkonzerne in Höhe von 1,44 Mrd. Euro.
  • Die vier größten Stromanbieter belieferten 2016 rund 64 Prozent aller Haushaltskunden mit Standardlastprofilmessung (SLP) und 72 Prozent der mittleren und großen Verbraucher mit registrierender Leistungsmessung (RLM).
  • 30,6 Prozent aller Haushaltskunden werden in der Grundversorgung beliefert, weitere 40,9 Prozent haben einen günstigeren Sondervertrag mit ihrem örtlichen Grundversorger. Nur 28,6 Prozent der Haushalte haben einen Vertrag mit einem anderen Stromversorger.
  • Die Zahl der Stromversorgungssperren hat sich 2016 geringfügig auf 330.300 Abstellungen verringert. Für die Wiederherstellung des Anschlusses müssen die Kunden im Schnitt 51 Euro bezahlen. Die Werte schwanken zwischen 2 und 197 Euro.
Gas
  • Die Gasimporte haben von 2015 auf 2016 von 1.537 auf 1.626 TWh zugenommen. Die Biogas-einspeisung betrug 9,2 TkWh.
  • Die Netzentgelte für Haushaltskunden lagen am 1. April 2017 bei 1,5 ct/kWh.
  • Mit einem Grundversorgungsvertrag werden bei Gas 30 Prozent aller Verbraucher versorgt. Vom Grundversorger mit einem Sondervertrag werden 45 Prozent versorgt. Von einem anderen Versorger, der nicht der Grundversorger ist, werden 25 Prozent der Verbraucher versorgt.
  • Der durchschnittliche Gaspreis für Haushaltskunden lag am 1. April 2017 bei 6,15 ct/kWh. Am teuersten war es in der Grundversorgung mit 6,73 ct/kWh, günstiger war es mit 6,07 ct/kWh in einem Sondervertrag beim Grundversorger und am günstigsten bei einem anderen Versorger mit 5,78 ct/kWh.
Monitoringbericht 2017: bdev.de/monitoring17
Leistungsbilanzbericht der Übertragungsnetzbetreiber: bdev.de/leistungsbilanz