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Solaranlagen: Hochrentable Ladenhüter
Ein hoch wirtschaftliches, hoch angesehenes Technologieprodukt lässt sich nicht verkaufen.

Solaranlagen: Hochrentable Ladenhüter

Ein hoch wirtschaftliches, hoch angesehenes Technologieprodukt lässt sich nicht verkaufen. Der Vergleich zwischen den Solarmärkten in den USA und in Deutschland deckt die Schwachstellen auf. PV-Anlagen rechnen sich sehr gut.

(10. Januar 2017) In den USA gab es im Unterschied zu Deutschland zwar keine als Staatsdoktrin verordnete und dann doch verratene Energiewende. Dennoch findet die Energiewende dort in vielen Bundesstaaten einfach statt. In Kalifornien wird es noch im Jahr 2016 mehr als eine Million PV-Anlagen geben, bei nur 39 Millionen Einwohnern. In Kalifornien werden derzeit je Einwohner mehr als zwölfmal mehr PV-Anlagen installiert, als in Deutschland. Schlimmer noch: In Deutschland wird derzeit vielerorts die Dezentralität nicht weiter gestaltet, sondern ausgebremst und zurückgedreht. Das ist in den USA völlig anders.

PV und Solarthermie in Deutschland

Bei Privatanlagen ist die Solarthermie wesentlich erfolgreicher als die Photovoltaik. Ende 2015 waren in Deutschland etwa 2 Millionen Solarthermieanlagen und etwa 1,5 Millionen Solarstromanlagen in Betrieb. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland mehr als doppelt so viele solarthermische Anlagen in Betrieb genommen, wie PV-Anlagen. Eine Erklärung dafür liefert Karl-Heinz Remmers von Agora Energiewende in einem Aufsatz: „Die Solarthermie wurde zu keinem Zeitpunkt derart massiv angegriffen wie die Photovoltaik. Diese Negativkampagne gegen das EEG und damit gegen die darin geförderten Zukunftstechniken dürfte weltweit einzigartig sein. Aber: Seit dem Spitzenjahr 2008 mit 210.000 neuen PV-Anlagen haben sich die Absatzzahlen halbiert. Auch in der Thermie gab es etliche Insolvenzen. Die Unternehmen beklagen die kleinen Förderbeiträge und das inkonsequente Wärme-EEG.“ (ET, Heft 10/2016, Seiten 98 ff.)

Einbruch bei PV

PV-Anlagen im Dachsegment sind laut Remmers ein Misserfolg. Nie wurden hier mehr Anlagen verkauft als in der Solarthermie. Bereits 2013 waren es nur halb so viele. 2015 kamen auf jede verkaufte PV-Anlage drei Solarthermieanlagen. 2015 wurden nur noch 275 MWp neu installiert. Das entspricht 0,05 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. In diesem Tempo können die staatlich verkündeten Ausbauziele keinesfalls erreicht werden.

Förderung in den USA

Solaranlagen werden in den USA bundesweit mit einer Steuerrückerstattung von 30 Prozent gefördert. Regional gibt es Kaufzuschüsse oder Net-Metering, also einen rückwärtslaufenden Zähler, der Einspeisung und Verbrauch direkt verrechnet und praktisch eine Einspeisevergütung zum Strombezugstarif darstellt. Obwohl in den USA PV-Anlagen doppelt so teuer sind, machen die höhere Sonneneinstrahlung und stark vereinfachte Meldeprozesse die Solartechnik attraktiv. Es gibt in Kalifornien von Seiten der Energieversorger auch keine Kampagnen gegen die Solarenergie. Der Vertrieb der Anlagen läuft in den USA weniger über Elektriker oder Heizungsbauer, sondern über große spezialisierte Firmen wie SolarCity (von Tesla-Gründer Elon Musk), Sunrun oder Vivent. Solarcity hat im ersten Quartal 2016 Anlagen mit einer Leistung von 214 MWp verkauft. Anders als derzeit in Deutschland gelten Elektromobilität und Solartechnik in den USA weithin als Gewinnerthema.

Solarvertrieb in Deutschland

In Deutschland gibt es keine Unternehmen in der Größenordnung von SolarCity oder Sunrun. Die meisten klassischen Handwerksbetriebe, Remmers schätzt 80 Prozent, tun sich mit dem Verkauf moderner und aufwendiger Haustechnik schwer. Die zusätzlichen damit verbundenen Absatzchancen werden nicht gesehen. Und es gibt Krach vor Ort: nämlich zwischen den Stadtwerken und dem örtlichen Handwerk. Die vollintegrierten Vertriebs- und Handwerksketten werden, so Remmers, auch in Deutschland kommen. Startups wie thermondo oder beegy sind schon im Rennen.

Für Solarthermie gibt es in Deutschland Investitionszuschüsse, die im besten Fall 30 Prozent der Kosten decken. Die Förderung verlief im Stop-and-Go-Rhythmus und wurde häufig geändert. Öl- und Gaswirtschaft und Heizungsindustrie verkaufen Solarthermie nur auf Nachfrage.

Für PV-Anlagen gibt es seit 2002 die leicht berechenbare und planbare EEG-Förderung. Seit drei Jahren ist der selbst erzeugte PV-Strom oft günstiger als der Stromkauf aus dem Netz. Damit kann man den Strom auch im Objekt wirtschaftlich nutzen. Die 2014 eingeführte EEG-Umlage auf eigenerzeugten Strom hat trotz einer Ausnahme für Kleinstanlagen bis zehn kWp schweren Schaden angerichtet.

Mit dem Ende des PV-Booms sind die meisten Strukturen zusammengebrochen. Viele Elektriker und Installateure kehrten der Technik den Rücken zu. Zahlreiche Unternehmen haben die Insolvenzwelle nicht überstanden, die durch die erste Fallbeilnovelle des EEG im Februar 2012 ausgelöst wurde.

Stadtwerke und Versorger haben PV meist nur als Marketingaktion im Angebot. Ernst gemeinte Kampagnen blieben oft im Clinch mit dem örtlichen Handwerk stecken. Trotz aller Anstrengungen von Herstellern und engagierten Energieverbrauchern zeigen die Zahlen, dass sich bei einer Blockade durch Politik und Energiewirtschaft kein Wachstum erzielen lässt.