zurück zur Übersicht

Frankreich
Straße als Solaranlage

Frankreich: Straße als Solaranlage

(12. Dezember 2016) Frankreichs Energieministerin Ségolène Royal hat in der Normandie den ersten Bauabschnitt einer Solarstraße eingeweiht. Das Pilotprojekt in der Kleinstadt Tourouvre soll zunächst einen Kilometer Länge umfassen. Bei einer Straßenbreite von zwei Metern werden rund 2.800 Quadratmeter der nur sieben Millimeter dicken „Wattway“-Paneele der französischen Firma Colas verbaut. Mitte Dezember soll die Solarstraße fertig sein. Insgesamt sollen 1.000 Straßenkilometer mit den befahrbaren Solarmodulen entstehen. Royals Ministerium finanziert das Projekt mit fünf Millionen Euro.

425 Solar-Straße in Frankreich / Foto: Joachim Bertrand/Colas

So sieht die Straße laut Firmenwerbung dann aus. Schwere Fahrzeuge können auch drauf fahren, betont das Unternehmen.

Nach Angaben des Unternehmens können vier Straßenmeter beziehungsweise 20 Quadratmeter Solarstraße rein rechnerisch den Strombedarf eines Haushalts decken. Dabei ist die für Frankreich durchschnittliche Sonnenscheindauer von 1.000 Stunden jährlich zugrunde gelegt. 1.000 „Wattway“-Meter könnten nach dieser Rechnung die komplette Straßenbeleuchtung einer 5.000-Einwohner-Stadt übernehmen. Auch bei den Ladestationen für Elektrofahrzeuge sieht die Firma Möglichkeiten: 100 Quadratmeter Solarstraße liefern laut Colas genug Strom, damit ein E-Auto 100.000 Kilometer im Jahr fahren kann.

Auch in Deutschland, den Niederlanden und den USA tüfteln Entwickler an Solarstraßen-Projekten – für Autos, aber auch für Fahrräder. Das Unternehmen Solmove beispielsweise schätzt das Potenzial der Idee als gewaltig ein: „Rund 1,4 Milliarden Quadratmeter könnten theoretisch in Deutschland auf diese Weise ausgestattet werden und damit beispielsweise 20 Millionen Elektroautos mit Strom versorgen.“

Materialforscher hatten sich in der Vergangenheit meist zurückhaltend geäußert. Dreck, Staub, Sand und Steine würden die Oberfläche der Module nach und nach zerkratzen, somit sinke der Wirkungsgrad der Zellen. Zudem ist es höchst fraglich, inwieweit es wirtschaftlich ist, Straßen mit aufwändigen Unterkonstruktionen für die Solarpaneele auszustatten, wenn auf den Dächern von Gebäuden wesentlich leichter zu erschließende Flächen noch weitestgehend brach liegen. Der Praxistest wird die offenen technischen und wirtschaftlichen Fragen wohl bald beantworten können.