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PV-Strom: Net-Metering

Net-Metering

(5. November 2017) Solange die Vergütung für die Einspeisung von PV-Strom über den Strombezugskosten lag, war der Eigenverbrauch von PV-Strom nicht wirtschaftlich. Doch dies ist schon lange Geschichte. Wer aktuell den eigenerzeugten Strom einspeist, erhält rund 12 Cent je Kilowattstunde, statt für rund 30 Cent Strom aus dem Netz beziehen zu müssen.

Doch die Erfassung der einzelnen Strommengen mit einem Erzeugungszähler, einem Einspeisezählwerk und einem Strombezugszählwerk ist aufwendig und teuer. Bei kleinen Anlagen auf Einfamilienhäusern sind die Nebenkosten für Messung, Abrechnung und Buchführung für das Finanzamt derart hoch, dass diese Kosten inzwischen häufig die eigentlichen Erzeugungskosten übersteigen.

Die Lösung für diese Problematik ist einfach und wird „Net-Metering“ genannt. Übersteigt die Eigenproduktion den eigenen Strombedarf, wird Strom eingespeist. Dabei läuft der normale Strombezugszähler einfach rückwärts. Eine verbraucherfreundliche Lösung, die ohne Bürokratie auskommt, kleine dezentrale Eigenerzeugungen belohnt und anreizt.

Allerdings machen dabei die Stromversorger, Netzbetreiber und der Staat keine Geschäfte. Netzentgelte, Steuern, Konzessionsabgaben und Umlagen werden nicht erfasst. Deshalb wurde ein ganzer Dschungel von Verordnungen und Gesetzen erlassen, um genau diese einfache Lösung zu verhindern. Aus diesem Grund kann und sollte Net-Metering auch nur für ganz kleine Anlagen gestattet werden.

Johannes Lackmann, Vereinsmitglied und intimer Kenner der Energiebranche, hat einen Vorschlag für das Net-Metering in Deutschland gemacht, der auch den berechtigten Interessen der Netzbetreiber gerecht wird.

Er schlägt folgendes vor:

  • Dachanlagen für Eigenstromnutzung werden aus dem EEG herausgenommen.
  • Der Netzbetreiber bekommt vom Anlagenbetreiber eine Grundgebühr von 80 Euro sowie einen Netzkostenbeitrag von 5 Euro je kWp.
  • Der Betreiber speist nicht verbrauchten Strom ins Netz – der Zähler dreht rückwärts – und kann zu anderen Zeiten dieselbe Strommenge aufgrund des Net-Metering-Prinzips kostenfrei wieder aus dem Netz beziehen.

Das Net-Metering wird in vielen Ländern bereits erfolgreich praktiziert, obwohl sich die Stromwirtschaft auch dort vehement dagegen gewehrt hat. So in Dänemark, den Niederlanden, Slowenien, Italien, Belgien sowie teilweise in den USA und einigen Provinzen Kanadas. Auch in Österreich und der Schweiz gibt es bereits stark vereinfachte Regelungen für die Einspeisung aus kleinen PV-Anlagen bis 0,6 kWp.

Der Bund der Energieverbraucher fordert, das einfache Net-Metering mit nur einem rückwärts drehenden Zähler endlich auch in Deutschland einzuführen. Zumindest Einfamilienhausbesitzer sollten damit von den bisher notwendigen zusätzlichen Messungen, komplizierten Ablesungen, Meldungen, Abrechnungen und Steuererklärungen befreit werden. Dies wäre ein echter Schritt zum Gelingen der Energiewende und zum Abbau unnötiger Bürokratie.