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Wieviel Energie (ver)braucht der Mensch?
20.000 Haushalte wurden eingehend über ihren Energieverbrauch befragt. Die Ergebnisse sind überaus überraschend und aufschlussreich. Erstmals liegen tragfähige empirische Daten über den Energieverbrauch von Haushalten und ihre Einflussfaktoren vor. Wir berichten über die wichtigsten Ergebnisse.
(14. September 2004) - Daten sind Mangelware wenn es um den Energieverbrauch geht. Die amtlichen Statistiken geben wenig her. Licht ins Datendunkel bringt ein großes Forschungsprojekt im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums, das im April 2004 unter Leitung des Fraunhofer-Instituts ISI abgeschlossen wurde. Es sollte durch Erhebung die wesentlichen Struktur- und Energieverbrauchsdaten für Haushalte sowie Gewerbe und Dienstleistungen für das Jahr 2001 gewinnen. 20.000 Haushalte wurden durch das GfK-Institut mit einem zweiseitigen Fragenbogen befragt und die Antworten mit anderen Statistiken abgeglichen sowie bereinigt und plausibilisiert.
Die Heizsysteme im Vergleich
Heizsysteme können nach dem absoluten Energieverbrauch je Wohnung, dem Energieverbrauch je Quadratmeter Wohnfläche, dem Energiepreis je Kilowattstunde und dem Energiepreis je Quadratmeter Wohnfläche untereinander verglichen werden.
Stromheizung ist bezogen auf die Wohnfläche das mit Abstand teuerste Heizsystem. Das erstaunt insofern, als die verheizte Strommenge deutlich geringer ist als die in den anderen Heizsystemen eingesetzten Energiemengen. Bezieht man allerdings die verlustreiche Stromerzeugung in die Betrachtung ein, dann liegt der Energieverbrauch der Stromheizung über dem der anderen Systeme. Heizstrom ist zwar mit fast 11 Cent je Kilowattstunde deutlich teurer als Gas (5,8 Cent) und Heizöl (3,6 Cent), jedoch deutlich günstiger als normaler Haushaltsstrom (circa 17 Cent).

Offensichtlich wird mit teueren Energiearten sparsamer umgegangen.
Fernwärme ist bezogen auf die Quadratmeter nach der Stromheizung das zweitteuerste System. Erstaunlich sind die niedrigen Kosten der Pelletheizung von 1,59 Euro je Quadratmeter fast zehnmal günstiger als Stromheizung. Nur die Heizung mit Stückholz und Hackschnitzeln ist noch günstiger. Die zugrundeliegenden Fallzahlen sind allerdings sehr gering.
Bemerkenswert ist der deutlich geringere Brennstoffpreis von Heizöl (3,6 Cent/ Kilowattstunde) gegenüber Erdgas (5,8 Cent/Kilowattstunde). Durch die höheren spezifischen Verbräuche ist der Kostenvorteil von Heizöl je Quadratmeter gegenüber Erdgas viel geringer als der Kostenvorteil bei den Brennstoffkosten. Systeme mit hohen Brennstoffkosten haben insgesamt geringere spezifische Verbräuche je Quadratmeter Wohnfläche (Bild).
Stromverbrauch
Äußerst aufschlussreich sind die Stromverbräuche. Je Haushalt beträgt der Stromverbrauch durchschnittlich 3.100 Kilowattstunden. In den alten Ländern liegt der Durchschnittsverbrauch mit 3.400 Kilowattstunden ein Drittel über dem Verbrauch in den neuen Ländern (2.300 Kilowattstunden). Der Verbrauch hängt stark ab von der Personenzahl im Haushalt und von der Wohnfläche.
Wovon der Heizenergieverbrauch abhängt
Die Befragungsergebnisse erlauben auch Rückschlüsse darauf, von welchen Faktoren der Energieverbrauch abhängt. Denn von jedem einzelnen Befragten sind zahlreiche Daten zum Beispiel über seine Wohnung, über seine Verbrauchsgewohnheiten und so weiter bekannt. Der Energieverbrauch von Einfamilienhäusern nimmt seit der ersten Ölkrise 1973 deutlich ab. Seit den sechziger Jahren hat sich der spezifische Energieverbrauch halbiert (Bild).
In Einfamilienhäusern nimmt der spezifische Brennstoffverbrauch mit dem Alter des Heizkessels zu: Bei Mehrfamilienhäusern gilt dieser Zusammenhang nicht. Die Untersuchung isolierte folgende Einflussfaktoren für den spezifischen Brennstoffverbrauch (kWh/qm, jeweils im Vergleich zum Einfamilienhaus):
- Gebäudebaujahr: je Jahr 0,3 Prozent Abnahme,
- Zweifamilienhaus: + 32 Prozent,
- Drei- bis Fünffamilienhaus: - 19 Prozent,
- Sechs- bis Zehnfamilienhaus: - 64 Prozent,
- Wohnzimmer-Temperatur je Grad: sechs Prozent,
- Isolierung (je Kategorie zwischen sehr gut bis sehr schlecht): + 16 Prozent,
- Baujahr des Kessels (pro Jahr): ein Prozent,
- Lüftungsverhalten (je Kategorie kurz mittel lang): sieben Prozent,
- Beheiztes Schwimmbad: 38 Prozent.
Kompaktere Gebäude haben geringere Verbräuche. Zentrale Beheizung erhöht den spezifischen Energieverbrauch um zehn bis 20 Prozent.
Energiesparlampen Im Mittel sind in jedem Haushalt 25 Lampen zu finden. Davon sind 3,6 Energiesparlampen. Das entspricht einem Anteil von 17 Prozent. Ein gutes Drittel der Befragten (36 Prozent) hat überhaupt keine Energiesparlampen. Bei 13 Prozent sind mehr als 40 Prozent der Lampen Energiesparlampen.

Download ISI Studie Energiedaten 1.13 Mb 18.03.2004


