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Gasversorger entschuldigt sich Kunden wollen Nachweis für Preiserhöhung. E.ON Hanse: Mahnungen waren "Versehen"
Von Beate Kranz, Hamburger Abendblatt
(16. November 2004) Der Streit zwischen dem Gasversorger E.ON Hanse und der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein geht in die nächste Runde. Statt die Kieler Verbraucherschützer wie angekündigt auf dem Rechtsweg zu verklagen, bemühte sich der Energiekonzern gestern zunächst um ein klärendes Gespräch. "Wir wollen die Diskussion um die Gaspreise versachlichen und die Vorwürfe gegen uns aus der Welt schaffen", sagte Pressesprecherin Esther Seemann.Doch ihr Ansinnen wurde bis zum Abend nicht gehört. Die Kieler Verbraucherschützer lehnten ein Treffen ab: "Solange die Drohungen von E.ON im Raum stehen, daß einigen Kunden die Gasversorgung abgedreht wird, sehen wir keinen Verhandlungsbedarf", sagte Thomas Hagen. "Wir halten die Gaspreiserhöhungen von zehn Prozent für überhöht. Verbraucher, die sich dagegen wehren, mit Mahnungen einzuschüchtern, ist nicht akzeptabel."
E.ON hatte mehreren Kunden, die gegen die Gaspreiserhöhung zum 1. Oktober Einspruch erhoben hatten (das Abendblatt berichtete), Mahnungen zugeschickt. Darin wurden die Verbraucher aufgefordert, den noch offenen Betrag bis zu einem bestimmten Termin zu überweisen. Andernfalls sei E.ON Hanse berechtigt, "die Versorgung einzustellen". Eine Sperrung wäre mit weiteren Kosten verbunden. Dem Schreiben wurde "zur Information" der Gebührensatz der Geschäftsbedingungen angehängt. Danach kämen auf den Gaskunden bei Postmahnung drei Euro, bei Außendienstmahnung 40 Euro, bei Sperrung der Gaszufuhr 50 Euro und bei Öffnung wiederum 69,60 Euro zu. "Hier wird ganz schön der Dampfhammer herausgeholt", meint Herbert Bockhold (58) verärgert, dem ein solches Schreiben ins Haus flatterte. Die Verbraucherschützer werfen E.ON Hanse wegen dieser Briefe sogar "versuchte Nötigung" vor.
Ein Vorwurf, den E.ON Hanse, von sich weist. Die Mahnungen seien "aus Versehen" verschickt worden, räumte der Konzern gestern ein. Die Verbraucher seien fälschlicherweise wie säumige Kunden behandelt worden. "Grundsätzlich ist dies nicht unser Vorgehen", versicherte Seemann. "Wir haben uns bei einem Kunden bereits mit einem Blumenstrauß entschuldigt."
Vielmehr betonte die E.ON-Hanse-Sprecherin: "Keinem Kunden, der seine Rechnung kürzt, wird die Gaszufuhr abgestellt." Allerdings müsse er sich darauf einstellen, daß der offene Betrag mit der Jahresendrechnung fällig werde. Denn in der Sache bleibt der Konzern hart: "E.ON Hanse hält an der Preiserhöhung in vollem Umfang fest." Der Bezugspreis für Erdgas sei an die Ölpreisentwicklung gekoppelt, die in den vergangenen Monaten rapide nach oben schnellte. Somit folge jedem Heizöl- auch ein Gaspreisanstieg. "Die ganze Branche hat die Preise erhöht. Wir befanden uns beim Preisanstieg etwa im Mittelfeld." Doch mit dieser "lapidaren Begründung" wollen sich weder Verbraucherschützer noch Kunden zufrieden geben. "E.ON Hanse soll einen konkreten Nachweis mit Zahlen vorlegen, wie sich die Erhöhung zusammensetzt", fordert Hagen. Diese Verpflichtung ergebe sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch für einseitige Vertragsänderungen, gerade für Monopolisten, so der Verbraucherschützer: "Die Verbraucher sitzen bei Gas in der Falle, da sie zu keinem anderen Anbieter wechseln können." Hagen hofft, daß endlich auch die Bundesregierung aktiv werde und eine Regulierungsbehörde einsetze, die das preistreibende Verhalten unterbinde.
E.ON Hanse rüstet unterdessen zum nächsten Vorgehen gegen die Verbraucherschützer, so Seemann: "Nach dem gescheiterten Gesprächsangebot prüfen wir jetzt weitere Schritte."


