Glaube und Wissen
(30. Juni 2005) Glosse aus dem Branchenjournal der Versorgungswirtschaft TAM am Ende (TAM 13/05, S. 16):
"Irgendwann hat man als Verbraucher genug über das tolle Angebot gestaunt und sich unter Schmerzen daran gewöhnt, zuerst auf seinen Geldbeutel schauen zu müssen. Oft wird da leicht etwas zu teuer, und man steht vor der bitteren Erkenntnis, das alle um ihrer Gewinne willen nehmen, was geht, und für möglichst wenig Leistung möglichst viel Geld wollen.
Von wegen also "König Kunde", Marktmacht und das ganze Gewäsch - spätestens bei der regelmäßigen Benzinzpreiserhöhung just zur Reisezeit könnte selbst ein unbedarfter Mensch darauf kommen, dass die Preisfindung eher weltlichen Zielen gehorcht als hehren Marktprinzipien.
Wenn eine Branche dennoch eine Verteuerung "objektiv" begründen will, ist das zwar rührend, aber geheuchelt - was übrigens jeder weiß.
Warum sich Verbraucherverbände trotzdem immer wieder den Schuh anziehen, den z.B. die Gaswirtschaft ihnen hinhält, auf die Rechtfertigungen mit Öl- und Importpreis hereinfallen, und eigens nachrechnen, bleibt ein Rätsel.
Nicht einmal der Hinweis der Gaslobby, so sei das ja gar nicht gemeint gewesen und Zahlen gebe man schon gar nicht heraus, bringt sie davon ab. So fest sitzt der Glaube an einen irgendwie gerechten Preis".