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Freie Anbieterwahl - Durchbruch im Gasstreit? Endlich kommt Bewegung in den lange Zeit verschlossenen Gasmarkt. Für die 17 Millionen Verbraucher, ist die Vereinbarung zur Öffnung der Netze eine positive Nachricht.

Freie Anbieterwahl - Durchbruch im Gasstreit?

(2. Februar 2006) Endlich kommt Bewegung in den lange Zeit verschlossenen Gasmarkt. Für die 17 Millionen Verbraucher, die sich mit immer höheren Preisen konfrontiert sehen, ist die Vereinbarung zur Öffnung der Netze eine positive Nachricht.

Von billigerer Konkurrenz oder Discountangeboten konnten sie bisher nur träumen. Noch in diesem Jahr sollen sie zumindest ihren Gaslieferanten frei wählen können, wie der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, am Dienstag in Bonn sagte. Das war bisher auf Grund der faktischen Monopol-Anbieterstruktur mit Regionalversorgern und Stadtwerken kaum möglich.

Jeder Anbieter - auch ohne eigenes Netz - wird künftig die Möglichkeit haben, Gas direkt zum Kunden zu liefern. Der Wechsel soll für Verbraucher ähnlich einfach werden wie am Strommarkt. Eine Kopie der letzten Abrechnung an den neuen Versorger, den Rest regelt der. Bis es soweit ist, wird es allerdings noch bis Herbst dauern. Die bisherige Struktur der lokalen Versorger ist nicht auf die Durchleitung von Gas anderer Anbieter ausgerichtet und muss erst umgestellt werden.

Dass dann auch die Preise mit einem Schlag purzeln, ist aber kaum zu erwarten. Auf den Endpreis wirken sich die Netzentgelte, um die es bei der Netznutzung mit der Durchleitung von Gas geht, etwa zu einem Drittel aus. Wenn hier die Preise gedrückt oder günstig gehalten werden könnten, werde das im Wettbewerb auch von den Anbietern an die Kunden weitergereicht werden, sagte Kurth. Mehr Konkurrenz, etwa ein Gashändler, der künftig die Netze für sein Angebot nutzen kann, und Prüfungen der Netzagentur sollen an der Preisfront für mehr Klarsicht und Bewegung sorgen.

"Wenn es international günstiges Gas gibt, dann muss es das Ziel sein, dieses Gas auch möglichst günstig zum Endkunden zu bringen." Erst im Herbst wird zu sehen sein, ob und wie viele neue Anbieter um Gaskunden werben. "Wir schaffen die Chance für mehr Wettbewerb, ob es dann tatsächlich dazu kommt, steht auf einem anderen Blatt", sagte Kurth. "Die Stunde der Wahrheit kommt noch."

Kurth ist aber selbst optimistisch, dass es genügend sein werden. Er erinnert an den Telekom- und den Stromsektor, wo es ebenfalls um die Öffnung der Netzinfrastruktur ging. "Wenn Geld verdient werden kann, wird es auch Anbieter geben." Auf der anderen Seite werde sich der Verbraucher vor allem an preislichen Vorteilen orientieren, wenn er die Option zu einem Wechsel habe.

Auch für die Gasversorger, die in der Öffentlichkeit wegen ihrer Preispolitik stark unter Druck geraten sind, sei eine Kooperation für eine Marktöffnung eine Chance, betonte Kurth. Sie könnten das belastete Klima damit wieder verbessern. So müssten für einen funktionierenden Wettbewerb neue Händler auch die Möglichkeit haben, ausreichende Gasmengen einzukaufen. Die Bundesnetzagentur müsse im Zweifel auch "nachsteuern".

letzte Änderung: 19.04.2023